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"This is for real": Die ungezogenen Kinder der grauen Stahlstadt

Mit ihrem Album "This is for real" haben Pink Grease ein großartiges Debüt hingelegt. Ihre Mischung aus Glam, Punk und Disco zieht einen in ihren Bann.

Wow. Es ist immer wieder betörend, wenn man eine neue CD einlegt, die ersten Töne vernimmt und in einem allmählich die Erkenntnis reift, dass man es mit etwas Besonderem zu tun hat. Ein schlichter Schlagzeugrhythmus beginnt, ein "Uhh" des Sängers legt sich im Falsett darüber, die Gitarre setzt ein. Das ganze wirkt erst abgehakt, als wolle der Song nicht richtig losgehen. Er scheint von einem unsichtbaren Band festgehalten zu werden, als solle es verhindern, dass da etwas Unkontrollierbares auf aufnahmebereite Ohren losgelassen wird. Ist das aber geschehen, kann man nicht mehr von diesem Album lassen.

Das erste Stück des Debütalbums "This is for real" von Pink Grease aus dem englischen Sheffield ist ein Appetizer, nicht mehr. Die Hauptmahlzeit folgt erst noch. Der geneigte Hörer wird feststellen: das verabreichte Ohrenfutter ist deliziös. Dann kommt gleich der Song "Fever" - ein schmissiger, straight gespielter Glam-Rock-Party-Hit, der einen kürzer atmen lässt.

Ein explosiver und melodiöser Mix

So geht es das liebe, lange Album weiter. Auf ein mit Synthiesounds unterlegtes Indie-Rock-Stück mit Bee Gees-Refrain folgt schnell gespielter Garage-Punkrock mit Bläsersatz. Der Einflüsse sind viele. Es gibt sogar schöne Saxophon-Solos. Pink Grease haben es geschafft, einen Mix anzurühren, der abwechselnd explosiv und melodiös ist. Sie zitieren eifrig ihre Vorbilder (New York Dolls, David Bowie, T-Rex, Jon Spencer Blues Explosion), bleiben dabei aber absolut eigenständig.

Das liegt sicherlich auch an dem großartigen Gesang von Sänger Rory Lewarne. Mit energetischem Charme ausgestattet beherrscht der hagere Blonde alle Stilarten. Die Rock-Balladen-Melodie (das schöne "Into my Heart") genauso wie den eher schmachtenden Ton von New Wave. Unterstützt wird er von einem weiblichen Backing-Chor, den Greasettes, die den entsprechenden sexy Glamour verbreiten. Die Live-Show von Pink Grease soll - nach allem, was man hört - den höchsten Erwartungen entsprechen.

Man wird sie feiern und ehren

Wer das Video ihrer ersten Single "The Pink G.R.EASE" gesehen hat, weiß: rein äußerlich ist mit den Jungs nichts zu gewinnen. Dürr, komische Frisuren, anarchisch, androgyn. Sie sehen aus wie die ungezogenen Kinder der grauen Stahlstadt Sheffield. Mit diesem Debütalbum werden sie die Stadtgrenzen bald hinter sich lassen. Man wird sie feiern und ehren - solange der Hype anhält, der jetzt losbrechen wird. Wenn der vergangen ist, wird eine großartiges Album bleiben.

Tim Schulze
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