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50 Cent: Geld abdrücken, Mund halten

Kommt 'n Rapper in 'n Buchladen: 50 Cent präsentiert bei "Barnes & Noble" in New York seine neue Autobiografie "50 x 50". Wer dabei sein möchte, der muss die Regeln eines Superstars befolgen.

Von Ulrike von Bülow, New York

Mit dem Rapper 50 Cent ist es ein bisschen so wie mit den New Yorker Taxifahrern. Denn die waren gestern eigentlich im Streik, um gegen den vorgeschriebenen Einbau eines Computersystems in ihren gelben Autos zu protestieren. Aber die meisten von ihnen gingen dann doch ihrer Arbeit nach und man bekam problemlos ein Taxi, wenn man eines brauchte.

Der Rapper 50 Cent weigert sich, heute aus seinem neuen Buch vorzulesen und Fragen dazu zu beantworten, so wie es andere Autoren tun, die ihre Werke in einem Buchladen präsentieren. Aber er geht dann doch seiner Arbeit nach und erscheint in der Filiale von "Barnes & Noble" am Astor Place in Manhattan, um zumindest ein paar Autogramme zu geben. Allerdings sind die nicht ganz so einfach zu bekommen wie ein Taxi.

Es geht um "50 x 50", eine Autobiografie, die Mr. Cent verfasst hat, in seinen Worten, mit seinen Fotos. Die ihn als kleinen Jungen zeigen, sehr niedlich im weißen Anzug und weißem Rüschenhemd, oder als Teenager, sehr grimmig mit Baseballkappe und einer Waffe. "Wenn ich mir diese Bilder angucke", schreibt er, "und daran denke, wie ich aufgewachsen bin, ist das alles so weit entfernt, dass es sich anfühlt wie ein Film, den ich mal gesehen habe."

50 Cent ist New Yorker, er wurde vor 31 Jahren als Curtis Jackson drüben in Queens geboren, auf der anderen Seite des East River. Seine Mutter dealte und wurde ermordet, da war er acht. Mit zwölf dealte er, mit 19 wurde er Vater. Er war Mitte 20, als ein rivalisierender Dealer auf ihn schoss. 50 Cent überlebte und bekam bald darauf einen Plattenvertrag bei dem Label von Eminem, seinem Vorbild. Heute ist er einer der erfolgreichsten Rapper auf diesem Planeten und lebt in Connecticut, in einer 18-Zimmer-Villa, die einst Mike Tyson gehörte.

"Sie müssen 50 Cents Buch kaufen"

Vom Gangster zum Millionär, das ist die klassische Biografie seiner musikalischen Zunft, und wie man das von so einem Superstar erwartet, gibt es heute bei "Barnes & Nobles" ein paar Regeln, an die sich zu halten hat, wer zu 50 Cent vorgelassen werden möchte: seine Fans. Überwiegend junge Schwarze, die Baseballmützen auf dem Kopf tragen und beigefarbenen Bändchen am Handgelenk, für die sie sich heute Vormittag anstellen mussten: Da wurden 300 dieser Bändchen verteilt; sie berechtigen zum Einlass, dazu gilt: "Sie müssen 50 Cents Buch kaufen", so steht es am Eingang geschrieben. "50 x 50" kostet 37 Dollar, ohne das geht gar nichts bei 50 Cent. Auch wird vorab darüber informiert, dass der Autor keine persönlichen Widmungen schreiben und nicht für Fanfotos posieren wird. Kameras sind nur für ein paar Journalisten erlaubt, sie dürfen allerdings nur in den ersten fünf Minuten benutzt werden.

Der Star kommt gepflegte 40 Minuten zu spät

Was für ein Theater! All das gibt es sonst nicht, wenn ein Autor hier auftritt oder eine Autorin, auch die Absperrungen nicht, die um den Tisch herum aufgebaut sind, auf dem vier Exemplare von "50 x 50" liegen und acht schwarze Filzstifte. 50 Cent kommt gepflegte 40 Minuten zu spät, eingerahmt von ein paar bulligen Leibwächtern, und seine Fans rufen: "Fifties' in the house, yeah!". Sie stehen hinter den Absperrungen, jedenfalls ein Teil von ihnen, sie werden nach und nach an seinem Tisch vorbei gelotst und dann wird der nächste Schwung Fans hinein gelassen und an seinen Tisch vorbei gelotst… und so weiter.

Fans verlassen kreischend den Laden

50 Cent trägt ein schwarzes T-Shirt mit güldenem Muster auf der rechten Schulter und eine schwarze Baseballkappe, auf die mit kleinen silbernen Steinchen sein Vorname gestickt ist: Curtis. Er signiert die Bücher, die ihm hingehalten werden, mit seiner linken Hand, an der ein eckiger, silberner Ring prangt, der so groß ist wie ein iPod-Shuffle. Mal lächelt 50 Cent, mal guckt er böse, dazwischen gibt es nichts, er scheint nur diese beiden Gesichtsausdrücke zur Verfügung zu haben. Er sagt nicht viel, manchmal fragt er: "Hey, how you're doin'?", und Fans, die das zu hören bekommen, vornehmlich weiblich, verlassen den Laden kreischend: "Oh my god… Oh my god… OH! MY! GOD!"

"50 Cent ist meine Inspiration"

Aber so geht es nicht allen. Draußen, vor der Tür von "Barnes & Noble", steht zum Beispiel Jean, ein junger Schwarzer, der aus Queens kommt wie 50 Cent, den Kopf schüttelt und sagt, er sei total "pissed off". Er hat sein Buch in der Hand, es ziert ein Autogramm von 50 Cent, aber: "Ich bin heute hierher gekommen, um ein Foto von ihm und mir zu machen, und das haben sie mir da drinnen verboten", sagt Jean, der noch zur Schule geht und als Fahrer jobbt für kranke Menschen, die zum Arzt gebracht werden müssen. "50 Cent ist meine Inspiration, er zeigt: du kannst es schaffen. Er hat in fünf Jahren 400 Millionen Dollar verdient, aus dem nichts! Aber muss er uns deshalb hier so abfertigen?"