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Babyshambles: Unfertigkeit in Perfektion

Seit dem Auseinanderbrechen der Libertines arbeitet Pete Doherty an einer neuen Band. Nun ist das Debüt der Babyshambles fertig - und überzeugt in den Details.

Die Spannung war schon groß: Würde Pete Doherty diese Platte nach den zahlreichen Drogengeschichten (mit und ohne Freundin Kate Moss) überhaupt zusammenkriegen? Der Sänger und Songwriter, der seine Ex-Band Libertines medienwirksam kaputtgemacht hatte, arbeitet schon länger an und mit den Babyshambles. Nach zwei Top-Ten-Single-Veröffentlichungen ist seine neue Band im Bewusstsein der interessierten Briten als Boulevardthema verankert - den Musikzeitschriften, die jedes Zipfelchen in der immer wieder auseinander- und zusammenlaufenden Libertines-Geschichte zur Meldung ergriffen, sei Dank. Jetzt sprechen also die Gitarren.

Und wie ist "Down In Albion" so? Die einen meinen nun, ach, das klingt ja doch mehr nach Libertines als wir erwartet hatten, die anderen zeigen mit dem Finger auf die Kinks: Siehst du, Ray Davies in seiner depressiven Phase. Am Schwung der Songs gemessen kommen die Babyshambles vielleicht The Clash noch nahe. Trotzdem oder gerade deswegen ist "Down In Albion" einige Riffs und Melodien vom Einheitsbritrock anno 2005 entfernt.

Musikalisch vielseitig

Am ehesten gibt Doherty noch eine Vorstellung von diesem verkommenen und rätselhaften Subjekt, für das ihn die Fans so lieben, ganz wunderbar aufgestellt zwischen zuviel Liebe und Drogen und den Geschichten, die ein wilder, widerspenstiger Mann aus seiner Imagination herunterlädt. Die Platte ist eine Geschichte der letzten chaotischen Monate. Cabaret-Pop und Reggae auf der akustischen Gitarre, da geht auch musikalisch vieles.

Das Album überzeugt in den Details: der etwas zerrissene Gesang, die effektvollen Refrains, die sich über schroffe Akkordfolgen legen und gerne ins Hymnische gehen ("Fuck Forever"). So werden Hits gemacht. Hits, die andere längst glattgeschmirgelt hätten. Jetzt warten wir nur noch auf das Album der Rest-Libertines.

Frank Sawatzki/AP