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Band kommt ins Rentenalter: Scorpions beenden Karriere nach Album und Welttournee

Pfeilschnelle Gitarren, schweißtreibende Konzerte, aber auch Schmusenummern wie "Wind Of Change" haben die Scorpions in mehr als 40 Jahren zur erfolgreichsten Hard-and-Heavy-Combo Deutschlands gemacht.

Pfeilschnelle Gitarren, schweißtreibende Konzerte, aber auch Schmusenummern wie "Wind Of Change" haben die Scorpions in mehr als 40 Jahren zur erfolgreichsten Hard-and-Heavy-Combo Deutschlands gemacht. Mittlerweile nähern sich die beiden Masterminds, Sänger Klaus Meine und Gitarrist Rudolf Schenker, mit großen Schritten dem gesetzlichen Renteneintrittsalter. Deswegen hat die Band aus Hannover jetzt den Rückzug angekündigt - allerdings erst nach Veröffentlichung des neuen Albums und einer ausgiebigen Welttournee.

"Wir wollen die außergewöhnliche Scorpions-Karriere mit einem Höhepunkt zu Ende bringen", hieß es am Sonntag auf der Band-Homepage und weiter: "Deshalb scheint es uns an der Zeit, gerade jetzt an das Ende der Karriere zu denken."

Das neue Studio-Album "Sting In The Tail" ("Stachel im Schwanz") erscheint am 19. März, bereits vier Tage zuvor beginnt die große Welttournee mit einem Konzert in Prag. Den ersten von bislang acht angekündigten Auftritten in Deutschland gibt es am 7. Mai in Leipzig.

"Wir gehen lieber jetzt mit einem Hammeralbum und folgen unserem Herzen", sagte der 61 Jahre alte Meine der "Bild am Sonntag" und fügte hinzu: "Wir haben ein bisschen gerechnet. Jetzt kommt das Album, dann zwei, drei Jahre Tour. Dabei werden wir ja nicht jünger." Der gleichaltrige Schenker erklärte: "Wir wollen nicht, dass es unwürdig wird."

Rudolf Schenker, ein gelernter Starkstrom-Elektriker, gründete die Scorpions 1965 in Hannover. Sänger Klaus Meine stieß 1969 zur Band und bildet seitdem mit Schenker ein überaus erfolgreiches Songwriter-Paar. Der zweite Gitarrist Michael Jabs kam 1978 dazu. Bei den anderen Instrumenten gab es dagegen viel Fluktuation, aktuell spielt Pawel Maciwoda am Bass (seit 2003) und James Kottak seit 1996 am Schlagzeug.

Kurz nach Meines Aufnahme in die Band - so die Legende - gewannen die Scorpions in ihrer Heimatstadt Hannover auf Anhieb einen Nachwuchswettbewerb, obwohl sie wegen der überzogenen Spieldauer um ein Haar qualifiziert worden wären.

Das erste Album "Lonesome Crow" erscheint 1972. Es folgen rund 20 Studioalben, mehrere Live-Mitschnitte sowie zahlreiche Compilations. Bis heute haben die Scorpions mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft und bekamen dafür über 200 Gold-, Platin- und Diamant-Platten.

Schon früh profilierten sich die Hannoveraner Rocker zudem als hervorragende Live-Band. Ihre erste Europatournee absolvierten sie als Vorband von The Sweet, später spielten sie als Support von Kiss. Nachdem sich die Scorpions selbst einen Namen gemacht hatten, boten sie anderen Bands im Vorprogramm ein entsprechendes Forum - darunter späteren Weltstars wie Bon Jovi, Metallica oder Iron Maiden.

Anfang der 80er Jahre wäre es mit den Scorpions jedoch fast vorbei gewesen. Sänger Meine verlor seine Stimme, muss sich einer langwierigen Therapie und zwei Stimmband-Operationen unterziehen. Doch die Band hielt ihm die Treue. 1982 feierten die Scorpions mit dem Album "Blackout" ein furioses Comeback. Meine überrascht die Kritiker nach seiner Genesung sogar mit neuem Stimmvolumen.

Ihr größter Wurf gelang der Band in der Zeit, als der Ostblock zusammenbrach. 1989 komponierte Meine den Hit "Wind Of Change", der 1990 auf dem bislang erfolgreichsten Album der Band, "Crazy World", erschien.

Das pathetische, zum Teil gepfiffene "Wind Of Change" mauserte sich zur Mauerfallhymne, blieb wochenlang die Nummer eins in den Charts in Deutschland und zehn anderen Ländern. Außerdem bescherte der Song den Scorpions als erster Rockband überhaupt eine Einladung von Michail Gorbatschow in den Kreml.

Doch an diese Erfolge konnten die Scorpions bis heute nicht mehr anknüpfen. Viele Fans der frühen Stunde wandten sich nach "Wind Of Change" peinlich berührt ab und überließen die Band der Kuschelrock-Fraktion. Es folgten Versuche mit Elektro-Elementen wie auf dem Album "Eye II Eye" (1999), mit den Berliner Philharmonikern auf "Moment Of Glory" (2000) und dem Unplugged-Album "Accoustica" (2001) - mit durchwachsener Resonanz bei Fans und Kritik.

Erst Mitte des vergangenen Jahrzehnts besann sich die Band mit dem Album "Unbreakable" (2004) wieder verstärkt auf ihre Hard-and-Heavy-Wurzeln.

Auf das angekündigte letzte Werk "Sting In The Tail" dürfen die Fans gespannt sein. "Als wir in den vergangenen Monaten an unserem neuen Album gearbeitet haben, spürten wir erneut, wie kraftvoll und kreativ diese Arbeit vonstattenging und wie viel Spaß es uns machte", schreibt die Band auf ihrer Homepage. Es sei ein "Album, von dem wir glauben, dass es zu den besten zählt, die wir geschrieben haben".

APN / APN