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Belle & Sebastian: Schottische Melancholiker in Kalifornien

Für ihr siebentes Album zog es Belle & Sebastian raus aus der Heimatstadt Glasgow ins ferne Los Angeles. Unterwegs warf die Band den schottischen Schwermut ab - und legt nun ihr bislang sonnigstes Album vor.

Neues vom Planeten Pop: Belle & Sebastian senden ein neues Lebenszeichen in die Welt - diesmal aus Kalifornien. Die 1996 gegründete Truppe aus Glasgow liefert mit ihrem neuen Album "The Life Pursuit" eine gewohnt eingängige Mischung aus Harmonie-trunkenem Pop und Folk. Bereits 1998 ist die Band um Songwriter Stuart Murdoch als Bester Newcomer mit einem Brit Award ausgezeichnet worden - und noch immer ein Geheimtipp. Um vielleicht doch einmal den großen Sprung in den Mainstream zu schaffen, haben sich die Schotten - nach einem Intermezzo mit Starproduzent Trevor Horn auf ihrem letzten Album - diesmal den Produktionskünsten von Tony Hoffer anvertraut. Der hatte zuvor schon für Alben von Beck, Air, The Thrills, Supergrass oder Turin Brakes hinter den Reglern gestanden – mit künstlerischem wie kommerziellem Erfolg.

Ein Album ohne Lückenfüller

Auch der Musik bekommt der opulente, glatt polierte Sound gut: Auf "The Life Pursuit" reiht sich eine kleine Pop-Perle an die nächste. Die erste Single "Funny Little Frog" besitzt lupenreines Hit-Potenzial: Wer mit diesem Song morgens geweckt wird, kann nicht anders, als gut gelaunt in den Tag starten. Vielleicht verhelfen die Radiosender der sympathischen Band nach diesem Album endlich zum verdienten Durchbruch, der die sympathischen Schotten auch außerhalb von Liebhaber-Zirkeln bekannt macht.

Die Freude an der Musik kommt in jedem einzelnen Stück zum Ausdruck - deutlich hörbar und doch gleichzeitig unaufdringlich. Songs wie "Another Sunny Day" und "Sukie in The Graveyard" rufen einmal mehr Erinnerungen an die 60er Jahre hervor - jenes große Jahrzehnt der Popmusik, das die Band seit ihrer Gründung immer wieder aufs Neue zu großartiger Musik inspiriert hat. Erstmals sind auf dem neuen Album auch Referenzen an den Glamrock der frühen 70er Jahre zu verzeichnen ("The Blues Are Still Blue"). So ist Belle & Sebastian unter der Sonne Kaliforniens das kleine Kunststück gelungen, sich treu zu bleiben, und doch ein klein wenig weiterzuentwickeln.

Carsten Heidböhmer
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