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Jüdischer Rapper Nach Echo-Eklat: Ben Salomo will mit der deutschen Rap-Szene nichts mehr zu tun haben

Ben Salomo
Ben Salomo ist Jude und Deutsch-Rapper. Seit über 20 Jahren kämpft er gegen Antisemitismus. 
© Sven Darmer/DAVIDS
Ben Salomo kämpft seit Jahren gegen den schlimmen Antisemitismus im Deutsch-Rap. Nach dem Eklat um die Echo-Preisverleihung rechnet der 40-Jährige öffentlich mit Judenhass in der Gesellschaft ab.

In der (deutschen) Rap-Szene gibt es nur wenige, die sich gegen Antisemitismus aussprechen. Das wurde nach dem Echo-Eklat um die Rapper Kollegah und Farid Bang deutlich. Kaum jemand wollte sich zu dem Thema äußern. Einer, der seit Jahren gegen Vorurteile und Judenhass in der Szene, aber auch innerhalb der deutschen Gesellschaft kämpft, zieht jetzt die Reißleine. Ben Salomo ist selbst Jude und seit nunmehr über 20 Jahren ein fester Bestandteil des Deutsch-Raps. In einem Interview mit dem News-Portal "Watson" erklärt der 40-Jährige seine Beweggründe, dem Milieu den Rücken zu kehren, und legt schonungslos offen, wie schlimm und weit verbreitet Antisemitismus in Deutschland wirklich ist.

Ben Salomo kehrt Rap-Szene den Rücken

"Nicht nur in den Songtexten, auch backstage wurde ich regelmäßig mit antisemitischen Narrativen konfrontiert", erzählt Salomo, der mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalmanovich heißt. "Mich haben Leute gefragt, ob es eigentlich stimmt, dass ich als Jude in Deutschland keine Steuern zahlen muss." Dass viele Rapper tatsächlich antisemitisches Gedankengut hegen, stünde für Salomo fest. "Viele Rapper vertreten eben auch als Privatperson dieselben antisemitischen Vorurteile, die sich in ihren Texten wiederfinden", sagt er "Watson".

Umstrittene Zeile ist kein Battle-Rap

Und er erklärt, wieso die viel kritisierte Rap-Zeile von Kollegah und Farid Bang - "Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen" - für ihn gar nicht ausschlaggebend sei. "Die ist geschmacklos und wäre von mir aus auch im Battle-Rap-Kontext eine vertretbare Punchline, wenn es einen jüdischen Gegner gäbe", erklärt er. Da die beiden umstrittenen Rapper die Zeile jedoch nicht vor einem Battle-Gegner vortragen, sondern auf ihrem Album unkommentiert zum Besten geben, sei für ihn der Sinn des musikalischen Kampfes nicht zu erkennen. "Ein Rap-Battle ist bei weitem nicht so langlebig wie ein Song, den die Leute sich hunderte Mal anhören", sagt er. "Wenn sich Leute in einem Song immer wieder einen imaginären Gegner zusammenbasteln - und der ist immer wieder jüdisch - dann ist das doch etwas völlig anderes, als bei einem Live-Battle." 

Es reicht nicht aus, wenn Juden für Juden sprechen. Die Nichtjuden müssen auch für die Juden sprechen

Salomo, der vor zwei Jahren sein erstes Solo-Album "Es gibt nur einen" veröffentlicht hat, will sich jetzt aus der Szene zurückziehen. "Ich bin gegenüber der Anzahl an sehr populären Rappern machtlos, die ihren Antisemitismus durch Texte oder in Musikvideos zeigen." Und Salomo betont, wie wichtig es ist, dass sich nicht nur Juden selbst zu dem Thema äußern. "Es reicht nicht aus, wenn Juden für Juden sprechen. Die Nichtjuden müssen auch für die Juden sprechen", sagt er. 

ls

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