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Der Promi 2.0.: Vom "kleinen Hai" zum großen Fisch

Sie heißen Grup Tekkan, Schnappi oder Lil'Maaz. Sie kommen aus Dörfern, haben schräge Musikideen und werden durch Internetvideos berühmt: Der Promi 2.0. ist Alltag. Die 17-jährige Alemuel ist der neueste Fall. Ihren "kleinen Hai" führt sie sogar bei "The Dome" vor.

Von Annina Loets

Fast drei Millionen Mal wurde ihr Internet-Video angeklickt und 400 Mal nachgemacht: Die 17-jährige Alemuel ist der neue YouTube-Star. Ihren Ruhm verdankt sie ihrer Performance "kleiner Hai": Sie sitzt sie auf einem alten Sessel und bildet mit zum L-geformten Fingern das Maul eines Hais. Sie singt: "Babyhai, dim dim". Der imaginäre kleine Hai wächst heran zum weißen Hai. Den Wandel stellt Alemuel dar, in dem sie mit beiden Armen weit ausholt und in die Hände klatscht. Ihre Arme werden zu einem wild um sich schnappenden Hai-Maul.

Bis nach Afrika

Weil die Gesten lustig sind, und weil Alemuel vor der Kamera einen wunderbaren Slapstick hinlegt, ist der "kleine Hai" ein Hit auf YouTube. Das Lied kursiert als Rock-, Techno- und Schulhofvariante im Netz. Kleine Kinder singen es und kichernde Mädchen. Selbst eine Gruppe Afrikaner coverte den Song und machte daraus eine mehrstimmige A-capella-Variante. Wie so oft kam prompt eine Plattenfirma und nahm das Mädchen, das seinen richtigen Namen nicht verraten will, unter Vertrag. Die neue Dance-Sound-Version erscheint dieser Tage.

In einer Reihe mit Skooter und Bushido

Alemuel ist siebzehn Jahre alt, stammt aus einem bayerischen Dorf, das sie genauso geheim hält wie ihren Namen. Mittlerweile wohnt sie in Hessen. Sie verbringt viel Zeit im Internet: "Ich sehe am liebsten die total abgedrehten Vids", sagt sie. "Wenn ich nicht so viel Aufmerksamkeit bräuchte, würde ich Informatikerin werden, dann dürfte ich den ganzen Tag im Netz rumhängen." Darüber hinaus spiele sie viel Theater "und solchen Kram". Den "kleinen Hai" mache sie schon seit Jahren. "Wenn ich ehrlich bin, erinnere ich mich nicht mal mehr, wo ich ihn gelernt habe", sagt sie.

Ansonsten ist Alemuel eigentlich ein normaler Teenie, der "nicht so gerne" über die Schule redet und mit seinen Freunden an Silvester die Nacht durchfeiert. Bei dieser Gelegenheit entstand dann auch der "kleine Hai": In der Silvesternacht 06/07 hatte sie ihre Freunde mit dem Lied unterhalten. Die forderten sie heraus, meinten, sie würde sich das in der Öffentlichkeit nicht trauen. Alemeul ließ sich filmen und lud das Video auf YouTube hoch. Erst kamen die Klicks, dann der Plattenvertrag. Sogar auf der diesjährigen Musikpreisverleihung "The Dome" wird Alemuel auftreten, in einer Reihe mit Scooter und Bushido.

Erfrischender Blödsinn

Popstar durch Zufall? Schon lange ist diese Geschichte nicht mehr verblüffend: Grup Tekkan, Schnappi oder aber der berühmteste Dönermann Frankreichs Lil'Maaz wurden durch schräge Netzvideos bekannt. Nur: Warum gibt es noch immer eine Nachfrage danach? Und wieso sind Leute bereit, dafür Geld zu bezahlen? Die "Schnappi"-Single wanderte immerhin fast 400.000 Mal über den Ladentisch.

Womöglich ist der Promi 2.0. nur die logische Folge der aktuellen Star-Kultur, die sich mit ihren mannigfaltigen Casting-Formaten selber viel zu ernst nimmt. Es scheint, als befriedigten Lieder wie der "Kleine Hai" eine Nachfrage nach weniger Glitzer und mehr Gaga, nach weniger Klum und mehr Kokolores.

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