HOME

Nazi-Vorwürfe im "Guardian": Engländer stellen Heino in die rechte Ecke

Viele finden ihn peinlich, manche kultig, aber kaum jemand hält Heino hierzulande für rechtsextrem. Ganz anders in England: Ein zweifelhafter Artikel stellt ihn dort unter Nazi-Verdacht.

Von Carsten Heidböhmer

Schlagersänger Heino wird von der englischen Tageszeitung "The Guardian" in die rechte Ecke gestellt

Schlagersänger Heino wird von der englischen Tageszeitung "The Guardian" in die rechte Ecke gestellt

Er sei noch immer "hart wie Stahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund", sagte Heino kürzlich im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Eigentlich ein dicker Klops. Denn diese Redewendung stammt von Adolf Hitler, er hat sie zuerst in "Mein Kampf" verwendet, 1935 griff er sie in seiner Reichsparteitagsrede vor 50.000 Hitlerjungen wieder auf: "In unseren Augen, da muss der deutsche Junge der Zukunft schlank und rank sein, flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl!" Der Skandal blieb jedoch aus. Heinos Manager Jan Mewes wiegelte auf "Spiegel-Online" schnell ab: "Dieser historische Zusammenhang ist uns nicht bewusst, und Heino hat es auch nicht in diesem Zusammenhang gesagt." Und da den blonden Barden sowieso niemand für voll nimmt, hielt sich die Aufregung hierzulande in Grenzen.

Inzwischen sind die Aussagen allerdings bis nach Großbritannien gedrungen, wo man seit jeher eine starke Faszination für alles empfindet, was irgendwie mit dem Nationalsozialismus in Verbindung steht. Ausgerechnet die seriöse Tageszeitung "The Guardian" greift diesen Vorfall in einem zweifelhaften Artikel der Deutschland-Korrespondentin Kate Conolly auf. Zunächst beschreibt sie den aktuellen Erfolg des Schlagersänger, um dann pathetisch anzuheben: "Eine dunklere Seite ist aufgetaucht."

Rrrollendes R und die blonden Haare = Nazi

Dann schildert sie die unglückliche Interviewäußerung. Ganz offensichtlich hat sie jedoch das Interview gar nicht gelesen, sondern bezieht sich auf Sekundärquellen. Denn ähnlich wie "Focus-Online" und andere Nachrichtenseiten behauptet Conolly, Heino habe so auf die Frage nach seinem Gesundheitszustand geantwortet. Was nicht korrekt ist. Heino hat dies in anderem Zusammenhang gesagt, nämlich auf die Frage, ob er bald ein Album mit Bushido-Texten mache. Dadurch werden zwar die Aussagen Heinos nicht besser, dennoch sagt es viel über die Mühe aus, die sich die Autorin bei der Aufdeckung dieses angeblichen Skandals gemacht hat.

An anderer Stelle schreibt Conolly, die zweite Strophe von Fallerslebens Deutschlandlied sei hierzulande tabuisiert. Es ist die erste. Solche Fehler sind im Prinzip nicht schlimm und können immer mal vorkommen. Doch sie sind sinnbildlich für den ganzen Artikel, der mit vielen Halbwahrheiten, Behauptungen und Unschärfen arbeitet. Das alles nur, um Heino als bösen, rechten Buben zu entlarven. Nur so kann sie den Artikel vollmundig anpreisen, Heino sei bekannt für seine schmalzigen Volkslieder - was zweifellos stimmt -, aber auch für seine Kommentare über Hitler. Weiter schreibt sie, seine Markenzeichen, das rrrollende R und die blonden Haare, bescherten ihm Sympathien im rechten Lager.

Heino selbst wird darüber nur müde lachen. Er weiß, dass solche Artikel eine Karriere durchaus beflügeln können - im Ausland. Auf seinem Erfolgsalbum "Mit freundlichen Grüßen" hat er auch ein Stück von Rammstein gecovert. Und die bauten auf dem rollenden R und ihrem Spiel mit dem Nazi-Image eine Weltkarriere auf. Ob es für Heino dazu mit 74 Jahren zu spät ist? Fragt man den Sänger, geht da wohl noch was. Denn dass er hart ist wie Stahl, zäh wie Leder und flink wie ein Windhund - das hat er bis heute nicht dementiert.

Themen in diesem Artikel