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Eurovision Song Contest: Überraschend gut. Warum Levina trotzdem keine Chance hat

Sympathische Kandidatin, professioneller Auftritt: Die deutsche ESC-Teilnehmerin Levina macht ihre Sache in Kiew gut. Kann Deutschland nach zwei letzten Plätzen endlich wieder punkten? 

Von Jens Maier, Kiew

Stadtrundgang in Kiew: So erlebt ESC-Star Levina die ukrainische Hauptstadt

"Das wird nix" oder "höchstens letztes Drittel": Die Kommentare von Fans und Journalisten über den deutschen Beitrag beim Eurovision Song Contest verheißen nichts Gutes. Selten war so wenig Hoffnung auf eine vordere Platzierung. Nach zwei letzten Plätzen in den beiden vergangenen Jahren trauen Levina Lueen nur wenige zu, beim ESC-Finale am 13. Mai Punkte nach Deutschland zu holen. Warum eigentlich?

Levina macht ihre Sache in Kiew gut. "Ich habe keine Angst", sagte sie dem stern selbstbewusst. Die 26-Jährige meistert ihr Programm professionell. Proben, Interviewtermine, Pressekonferenzen und Fotos - Levina bleibt locker und sympathisch. Von der "Bürde" und "Last" war zu lesen, die nach den ESC-Katastrophen Ann-Sophie und Jamie-Lee auf ihrer Schulter lasten würden. Doch Levina macht daraus einen Vorteil: Schlimmer kann es nicht mehr werden. Wie ein Underdog beim Boxkampf wittert sie ihre Chance.

Levina überzeugt bei den ESC-Proben

Teil des Befreiungsschlages soll Levinas Bühnenshow werden. Die 1,81 Meter große Sängerin liegt zu Beginn ihres ESC-Auftritts auf der Bühne, während die Kamera von der Hallendecke auf sie herab fährt. Eine einfache Idee mit beeindruckender Wirkung. Denn den Zuschauern zuhause wird erst dann klar, dass Levina nicht steht, sondern sich in der Horizontalen befindet. Stimmlich wirkt die Bonnerin auf den Punkt, keine schiefen Töne, keine Patzer. Doch dann plätschert der Auftritt - wie der Song - ein wenig Grau in Grau vor sich hin. Der Höhepunkt fehlt. Zum Knock-Out reicht das nicht.

Levinas zweite Probe:


Das größte Problem scheint ohnehin das Lied zu sein. "Perfect Life" hat es in Deutschland nicht mal in die Top Ten geschafft. Wer soll also beim Eurovision Song Contest dafür anrufen, wo im Finale 25 Konkurrenten lauern? Damit zumindest von den Jurys ein paar Punkte kommen, hat Levina eine PR-Tour durch zehn europäische Länder gemacht: Sie war unter anderem in Armenien, Israel, Georgien, Slowenien, Mazedonien, Ungarn Albanien, Großbritannien und den Niederlanden unterwegs. Bei den Wertungsvergaben am Samstagabend wird sich zeigen, ob diese Mühe vergebens war oder nicht.

Bloß nicht wieder Letzter werden

Ein bisschen Hoffnung gibt es: Bei den britischen Buchmachern, die in den vergangenen Jahren ein Gradmesser für den Erfolg beim Eurovision Song Contest waren, ist Deutschland nach den Proben in Kiew um etliche Plätze nach vorne geklettert und hat sich vor Gastgeberland Ukraine eingereiht. "Macht Euch nicht schlechter, als Ihr seid", sagt der britische Blogger und ESC-Experte William Lee Adams und sagt voraus, dass Deutschland mit Levina besser abschneiden wird, als viele befürchten.

"Ich möchte unter die Top Ten kommen", sagt Levina ehrgeizig. Das ist angesichts der Konkurrenz nicht zu schaffen. Vermutlich weiß sie das selbst. Die Messlatte für Deutschland muss nach etlichen Erfolgen niedriger liegen. Sollte Levina eine eins als erste Ziffer in ihrer Platzierung erhalten, wäre das ein Erfolg. Zuletzt schafften das Elaiza 2015 mit Rang 18. Das Hauptziel aber bleibt: Alles, bloß nicht Letzter.

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