VG-Wort Pixel

TV-Sendung "Unser Star für Oslo" Endstation für Sharyhan Osman


Lena kiekst, Kerstin zirpt, Dursti rockt - und am Ende fliegt einer raus: Bis auf das Senderlogo in der Bildschirmecke business as usual im Viertelfinale von "Unser Star für Oslo". Nur Fräulein Rottenmeier nervte ein wenig.
Von Ingo Scheel

Schwang da so etwas wie Feierlichkeit in der Stimme von Stefan Raab mit? "Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen!" ließ es sich der Prosieben-Mann angesichts des "historischen Moments" nicht nehmen, selbst die Ansage zu machen. Dass dieser Zweck-Ehe in der ach so spektakulären Hochzeitsnacht dann weniger Feierlichkeit innewohnte als noch vor Wochen, als ProSieben und die ARD einander das Ja-Wort gaben, sah dann auch Raab ein. "Eigentlich ist alles beim Alten. Der einzige Unterschied ist das Logo, oben in der Bildschirmecke." Recht er hatte - alles andere war tatsächlich das gewohnte Programm. Formstarke Kandidaten, eine Studioband mit Verve und ein launiger Mathias Opdenhövel, dessen Tagesform sogar Kollegin Heinrich, beide doppelschicht-belastet nach der Echo-Moderation am Vorabend, zuweilen in die Komfortzone mitriss.

In eben jener befand sich auch Gastjuror Adel Tawil (Ich & Ich), der mit aufmunternden Ratschlägen für die Kandidaten seinen Vorgängern König Boris und Sasha in nichts nachstand. Am unteren Ende der Wohlfühl-Skala setzte Anke Engelke in Sachen Jurysterei ihre Duftmarke. Die Komödiantin erging sich in abgehangener "Been there, done that"-Attitüde, lamentierte über vermeintliche Schauspielschul-Manierismen, haute erstmal fünf Sätze lang drauf, um sich am Schluss dann doch ans "Ich fand‘s super"-Ufer zu retten. Und verkniff es sich auch nicht, noch einmal die Songauswahl einiger Kandidaten in den vergangenen Sendungen zu bekritteln. Da bekamen Sharyhans Eigenkompositionen im Rundumschlag ihr Fett weg und erhielten Jennifers latent abgerockte Top-40-Stadtfest-Kracher unaufgefordert den Daumen nach unten.

La Engelke mit Gouvernanten-Gestus

Ein Blick auf die Setlist ihrer eigenen Band, Fred Kellner und die famosen Soulsisters, zeigt, das La Engelke sich mit beidem bestens auskennt: Auf Eigenkompositionen verzichtet man bei Kölns Lokalmatadoren ebenso gern, wie man Coversong-Untote vom Schlage "Boogie Wonderland" oder "Relight my Fire" mit Freude zerspielt. Das durch die fehlenden Werbeblöcke entstandene Plus an Sendezeit nutzte sie zudem für silbenreiche Analysen, wie und wann sich jemand in der ersten Strophe noch unsicher fühlte, im Mittelteil dann aber dufte und am Ende doch wieder nicht so dolle rüberkam. Wo "Dursti" sich wähnte, als er einmal "Ahhh" sang, warum ein anderer Song für Kerstin zum "Angstgegner" wurde und dass Sharyhan zu abgezockt mit der Kamera flirtete - nichts davon entging der Jurorin mit dem Gouvernanten-Gestus, bei der man zuweilen nicht wusste, ob sie das jetzt selbst ist oder doch nur eine ihrer Charakterstudien aus "Ladykracher".

Die fünf Viertelfinal-Teilnehmer ließen sich jedoch weder von Frollein Rottenmeier, Verzeihung, Anke Engelke aus der Ruhe bringen, noch von der Tatsache, dass diesmal doppelt abgeliefert werden musste: Zwei Songs hatte jeder Kandidat am Abend vorzutragen. Sharyhan pickte zunächst "You‘ve Got the Love" von Florence & the Machine und eröffnete so den Abend mit Schmacht und Schmackes, später setzte sie noch einmal auf eine selbstgeschriebene Ballade. Sanftere Töne schlug auch Jennifer mit dem ersten Beitrag an. Natasha Bedingfields "Soulmate" absolvierte sie dabei ebenso rund wie ihren zweiten Song, Anouks Hit aus den 90ern, "Nobody‘s Wife". Kerstin, die Elfe der Eurovision, zirpte sich zum zweiten Mal durch einen Song von Regina Spektor, zudem sang sie Marit Larsens "If a Song Could Get Me You", das in all seiner augenzwinkernden Putzigkeit Frau Freking wie auf den Leib geschrieben schien. Christian Durstewitz outete sich einmal mehr als Fan von Mando Diao und seinem eigenen Material, Lena Meyer-Landrut setzte mit Liedern von Kate Nash und Lisa Mitchell wiederum auf zwei schräge Schwestern im Geiste. Das Halbfinale war ihr damit ebenso sicher wie Dursti, Kerstin und Jennifer.

Minimale Unterschiede

Für Sharyhan Osman dagegen war im Viertelfinale Endstation. Vielleicht kam ihr Querverweis auf Celine Dions Karrierestart beim Grand Prix dann doch etwas zu kalkuliert rüber, vielleicht sind es aber auch nur noch winzige Nuancen, die im enger werdenden Teilnehmerfeld jetzt über Wohl und Wehe entscheiden. Für den Rest der von ursprünglich 4500 Bewerbern auf vier Halbfinalisten geschrumpften Konkurrenz sind es nun jedenfalls nur noch zwei Sendungen bis Buffalo.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker