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Flea von den Red Hot Chili Peppers Treffen Sie den Donnergott


Sie gehören zu den erfolgreichsten Bands der Welt: die Red Hot Chili Peppers. Gerade ist ihr zehntes Album erschienen. stern.de sprach mit Bassist Flea übers Durchhalten, seine Mutter und darüber, wo er ohne Anthony Kiedis wäre.
Von Sophie Albers

[Flea braucht keine Frage, er fängt gleich an zu erzählen]
Wir haben gestern das erste Mal das ganze Album gespielt! Das war total spannend! Live, und das Publikum kannte die Songs nicht. Am Anfang lief es gut und auch am Ende, aber zwischendrin habe ich mich am Arm verletzt...

Am Arm verletzt?
Ich war so aufgeregt. Ich habe meinen Bass so heftig gepackt, und ich habe so heftig gespielt, dass mein Arm verkrampft ist. Das passiert manchmal.

Bemerkenswert, dass Sie nach fast 30 Jahren immer noch verkrampfen.
Ich bin wirklich begeistert, wenn wir auftreten. Es ist sehr, sehr wichtig für mich. Unterhaltung, ein Entertainer sein, das ist eine schöne, heilige Tradition, die ich sehr respektiere. Und die will ich ehren. Ich will die Macht der Götter kanalisieren und den Donner bringen. Ich will den Leuten den Rock bringen.

Wir müssen uns Sie also als Gott des Donners vorstellen?
Das wäre ich gern. (lacht)

Haben Sie wirklich nie einen Durchhänger? Wie halten Sie das durch?
Es geht um Energie. Ich tue mein Bestes, um die göttliche Energie durch mich fließen zu lassen, das Ganze einfach fließen zu lassen.

Sie sind also wirklich spirituell, ohne dabei zynisch zu sein?
Es gibt einen spirituellen Weg in meinem Leben, den ich seit langem verfolge. Das ist ein wichtiger Teil dessen, was ich bin.

Was für ein Weg ist das?
Ich bin überhaupt nicht religiös. Aber ich glaube an göttliche Energie, an so etwas wie eine göttliche Intelligenz. Ich glaube, dass es etwas Größeres gibt als meinen sterblichen Körper. Dieser Körper wird natürlich irgendwann müde. Aber wenn ich die göttliche Energie in die richtigen Bahnen leiten kann, wird diese Energie niemals müde zu fließen. So lange ich mich ihr unterordne, fließt es durch mich und macht Menschen froh. Sorgt dafür, dass Menschen sich in der Welt weniger allein fühlen.

Da Sie das schon so lange machen: Wie bleibt man angesichts all der Erwartungen, die das Publikum an Sie hat, progressiv und neugierig?
Musik macht Spaß, Musik ist unendlich und aufregend, und es gibt wirklich immer Neues zu lernen, Wege, um zu wachsen. Es ist einfach wahnsinnig interessant! Der ganze Prozess fasziniert mich. Was ist möglich, was kann ich als nächstes tun? Das begeistert mich jedes Mal. Und ich liebe einfach die Leute! (lacht) Ich will den Leuten etwas zurückgeben. Das ist ein Selbstläufer: Je mehr ich mich öffne und versuche, über Musik zu lernen, desto mehr begeistert es mich.

Sie haben eine Musikschule eröffnet und zuletzt selbst angefangen, Musik studieren. Wieviel Theorie verträgt Popmusik eigentlich?
Ich habe nur an Oberfläche gekratzt, dessen, was ich lernen möchte! Ich habe das alles nie studiert und war immer auf mein sehr beschränktes Wissen angewiesen, auf meine Gefühle und meine Intuition. Mehr zu wissen, hat mir als Musiker sehr geholfen. Ich war nur ein Jahr da, aber es hat mir das Konzept eröffnet, und ich habe vieles besser verstanden. Ich habe nuh eine schnellere, tiefere Beziehung zur Musik.

Aber ist der Spirit der Red Hot Chili Peppers nicht vor allem rau und intuitiv zu sein? Ist zu viel Theorie nicht kontraproduktiv?
Aber auch darin war Theorie! Auch wenn wir vielleicht nicht wussten, was die Theorie genau war, und wie wir es eigentlich machen. Da lernten wir mehr drüber, als John [Frusciante] dazukam. Er wusste eine Menge über die Theorie, er hat das an der Uni ernsthaft studiert. Für mich war er eine große Inspiration.

Apropos lernen: Was haben Sie von Chet Baker gelernt?
Als ich bei dem Film "Let's Get Lost" dabei war, war ich auch im Studio, als Chet Baker gespielt und aufgenommen hat, und ich habe ihm zugesehen. Sie haben schöne, kraftvolle, mächtige Musik gespielt. Aber Chet Baker war so zerbrechlich und zart, wie er gesungen und wie er die Trompete gespielt hat. Er nutzte so wenig körperliche Energie und hat trotzdem so etwas Kraftvolles, Mächtiges geschaffen. Ohne laut zu sein oder sich körperlich übermäßig anzustrengen...

Ohne den Arm zu verkrampfen. Das wäre hart für Sie...
Das ist das Gegenteil von dem, was ich bin! Aber manchmal merke ich, dass ich das Mächtigste schaffe, indem ich mich entspanne. Je mehr ich es der Musik überlasse, je weniger ich selbst versuche, funky, aggressiv und hart zu sein, desto brutaler wird es. Wenn ich versuche, es zu kontrillieren, dann erwürge ich die Energie.

Was haben Sie von Ihrer Mutter gelernt?
Das ist eine schwierige Frage. Ich hatte nicht die engste Beziehung zu ihr, schon als Kind. Deshalb habe ich nach dieser Energie wohl woanders in meinem Leben gesucht. Einerseits habe ich also die emotionale Unabhängigkeit gelernt, Liebe in mir zu finden... Aber was ich von meiner Mutter definitiv gelernt habe, ist es, ein nachdenklicher und anständiger Mensch zu sein.

Und was haben Sie von Anthony Kiedis gelernt?
Eine Million Sachen! Aber an eine Sache erinnere ich mich besonders, weil sie sehr wichtig ist: Wir waren etwa 15 und haben uns umgezogen, um auszugehen und Mädchen zu treffen. Sie wissen schon. Ich hatte mir neue Klamotten gekauft und dachte, die wären besonders cool. Ich habe Anthony immer wieder gefragt: "Hey, sehe ich nicht cool aus, oder was?" Und er meinte: "Ja, das sieht ziemlich cool aus. Aber es sieht aus wie etwas, das jeder tragen würde. Aber du bist eine einzigartige Person. Du solltest so aussehen, wie du bist." Das ist ziemlich beeindruckend, so etwas als 15-Jähriger von einem anderen 15-Jährigen zu hören. Das hat mich geprägt. Nicht nur Klamotten betreffend, sondern in jeder Art, der zu sein, der ich wirklich bin, außerhalb dessen, was als normal angesehen wird.

Könnten Sie ohne Anthony Kiedis Musiker sein?
Ich denke, ich wäre auf jeden Fall Musiker geworden. Und ich habe ja auch ein reiches musikalisches Leben ohne ihn. Aber natürlich ist unsere Freundschaft etwas Magisches, und er hat einen riesigen Einfluss darauf gehabt, wer ich als Musiker bin. Ich könnte mir nicht vorstellen, wie ein Leben oder Musik ohne ihn wäre.


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