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Go-Betweens: Still, altersweise und ein bisschen resigniert

Seit einem Vierteljahrhundert liefern die Go-Betweens melodiöse Popmusik mit Anspruch. Auch auf ihrem neuen Album erfüllen Robert Forster und Grant McLennan die hohen Erwartungen und bestätigen ihren Ruf als grandiose Songschreiber.

Die Geschichte der Go-Betweens geht in aller Stille ihren Gang: Auch darüber, dass es die australische Independent-Pop-Legende jetzt wieder gibt, wird nicht viel Aufhebens gemacht. Ihr neues Album "Bright Yellow, Bright Orange" (Clearspot/EFA) reiht sich nahtlos ein in die Reihe der musikalischen Wunderwerke, die Robert Forster und Grant McLennan zusammen mit diversen Mitmusikern seit rund einem Vierteljahrhundert vollbringen.

Schon Mitte der 70er Jahre, als die beiden die Go-Betweens ins Leben riefen, gehörten Forster und McLennan zu den eher stillen Typen in ihrer australischen Heimatstadt Brisbane. "Brisbane war damals dominiert von einer Macho-Kultur, die anderen Jungs hingen in Pubs und beim Fußball ab", erinnert sich McLennan an diese Zeit: "Robert und ich dagegen schauten uns französische Filme an und lasen Gedichte. Das brachte uns zusammen, denn es gab außer uns fast niemand, der ähnliche Interessen hatte."

Auch als die beiden mit Instrumenten hantierten, wurden sie nicht besonders laut. In bewusster Ablehnung des lauten Punk-Gestus der damaligen Zeit wandten sich die Go-Betweens folkigen Pop-Klängen zu. Und trafen damit zu Beginn der 80er den Nerv der Zeit - zumindest bei dem für musikalische Neuerungen offeneren europäischen Publikum. Das Spannungsverhältnis zwischen dem in seiner Musik romantischeren McLennan und dem musikalisch kantigeren Forster führte in den 80er Jahren zu Platten wie "Liberty Belle And The Black Diamond Express" oder "16 Lovers Lane", die auf unnachahmliche Weise treibenden Pop und folkige Luftigkeit miteinander verschmolzen.

Die Fans waren begeistert, Forster und McLennan verstanden sich prächtig ("Wir streiten nur, wenn wir lange gemeinsam unterwegs sind und es recht stressig wird", erzählt Grant McLennan) - und dennoch brachen die Go-Betweens Anfang der 90er Jahre auseinander - in aller Stille.

Denn trotz ihres Sounds, der das Herz der romantischen 80er Jahre genauso traf wie den Kopf dieser individualistisch-rebellischen Dekade, konnten sich die Go-Betweens nie so richtig durchsetzen. Die Ruhigen, die Gedichte lasen und französische Filme ansahen, hörten die Go-Betweens, die große Masse der Pop-Hörer konnten die Australier nicht erreichen. "Wir waren einfach müde. Wir waren es leid, immer um den Erfolg zu kämpfen", erklärt McLennan.

In den 90er veröffentlichten Robert Forster und Grant McLennan ihre Platten im Alleingang, erst zu Beginn des neuen Jahrtausends entdeckten die beiden ihre alten Gemeinsamkeiten neu. "The Friends Of Rachel Worth" hieß die Wiedervereinigungs-LP aus dem Jahr 2000. Ihr folgt nun "Bright Yellow, Bright Orange" mit einer immer noch bewegenden Mischung aus folkigem Frieden und intelligentem Pep.

Das Ergebnis einer Zusammenarbeit, die immer noch so abläuft wie Ende der Siebziger, wie Robert Forster erläutert: "Jeder schreibt seine eigenen Songs, spielt sie dem anderen vor, dann schauen wir gemeinsam, woran wir noch feilen müssen und wie das Arrangement auszusehen hat." Die Ausnahme: Das träumerisch eindringliche Stück "Too Much Of One Thing" auf "Bright Yellow, Bright Orange" zählt zu den ganz wenigen - laut Forster "höchstens fünf" - Liedern, die die beiden gemeinsam verfasst haben.

Vielleicht ist diese Eintracht beim Songschreiben ja das erste Zeichen einer sich bei den Go-Betweens breit machenden Altersweisheit. Denn mittlerweile scheinen sich die beiden damit abgefunden zu haben, dass sie auch weiterhin in nur den stilleren Ecken des Musikgeschäfts ihre großartige Musik zum Blühen bringen können. Grant McLennan lacht, als er sagt: "Natürlich wollen wir noch die Welt erobern. Aber wir rechnen nicht mehr damit. Vielleicht sind wir inzwischen resigniert. Aber wir wollen immer noch gute Songs schreiben."

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