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Stadiontour: Eskapismus pur - warum ich das vierte Helene-Fischer-Konzert in zehn Monaten besuche

Am Abend tritt sie vor 40.000 Zuschauern in Frankfurt auf: Helene Fischer setzt ihre Stadion-Tour fort. Trotz oder wegen ihres großen Erfolges polarisiert die Sängerin: Die einen lieben, die anderen hassen sie. Doch wer einmal bei ihrem Konzert war, wird zum Serientäter.

Helene Fischer

Helene Fischer Anfang Ende Juni in Basel: Die Sängerin beendet am Sonntag ihre Stadiontour in Stuttgart.

DPA

Helene-Fischer-Hasser schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: "Wie kannst du dir das nur antun?" Am Abend besuche ich das vierte Konzert der Sängerin in zehn Monaten. Nach der Arena-Tour in Hamburg, Köln und Frankfurt ist jetzt die Stadion-Tour dran: wieder in Frankfurt, dieses Mal vor rund 40.000 Zuschauern in der Commerzbank-Arena. Und ja, ich freue mich drauf! Denn es wird großartig.

Zu kommerziell sei Fischer, zu schlagertussig und zu unnatürlich: ein Kunstprodukt der Musikindustrie und ihres Produzenten Jean Frankfurter. So lauten die Vorwürfe ihrer Kritiker. Meist mischt sich in die Vorurteile ein Stück Missgunst und Häme ein. Etwa dann, wenn es darum geht, dass die Stadion-Tour nicht ausverkauft sei (Zur Erinnerung: Sie tritt in den meisten Städten an zwei Tagen hintereinander in Fußballarenen auf. Adele oder Ed Sheeran würden die Stadien wohl ebenfalls füllen, aber welcher Popstar noch?). Schnell war davon zu lesen, dass der Fischer-Hype vorbei sei. Was für ein Quatsch.

Kritiker vergleicht Helene-Fischer-Auftritt mit Reichsparteitag

Ein Kritiker der "Welt" entblödete sich nicht, Fischers Auftritt in Hamburg mit den Reichsparteitagen in Nürnberg zu vergleichen, weil sie sich in einem mit Fahnen geschmückten Wagen durch das Rund des Volksparks chauffieren ließ. "Der Umzug hätte auch ganz gut aufs Reichsparteitagsgelände nahe Nürnberg vor 80 Jahren gepasst, selbst wenn wir Frau Fischer nicht unterstellen wollen, Ambitionen in diese Richtung gehegt zu haben", schrieb er. Was für eine absurde Assoziation.

Schlager ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Wobei Helene Fischer längst deutschen Pop und keinen Schlager mehr singt. Auch die Zurschaustellung ihrer Beziehung zu Florian Silbereisen mag auf den ein oder anderen befremdlich wirken. Die Liebesbekundungen auf der Bühne – was soll das, Helene? Und ja, Spontanität ist ihr nicht in die Wiege gelegt. Bei ihren Ansprachen ans Publikum wirkt Fischer meist bieder und steif, zu aufgesagt - obwohl sie das im Vergleich zu früheren Auftritten bereits deutlich verbessert hat.

Kritiker verkennen Fischers Talente

Doch wer darüber meckert, verkennt Fischers zwei größten Talente: Gesang und Show. Wer einmal Madonna oder Britney Spears bei einem Konzert erlebt hat (und das habe ich!), der wird beeindruckt davon sein, dass Fischer sich kaum gesangliche Patzer leistet. So gut wie sie singt kaum eine live. Ihre Bühnenshow ist beeindruckend und bringt einen Hauch Las Vegas in die deutsche Provinz.

Fischer ist Eskapismus pur. In Zeiten von Trump und Brexit bedient sie für zwei Stunden das Bedürfnis, das Weltgeschehen zu vergessen und Teil einer großen Party für Jung und Alt zu sein. Bei der Fischer sind alle gleich. Ihre Show und ihre Songs sind vorhersehbar? "Atemlos", "Achterbahn" und "Fehlerfrei"? Ja! Aber das ist ja gerade das Schöne. Bei ihr weiß der Zuhörer, was er kriegt. Ich werde jedenfalls heute Abend im Stadion stehen, die Atmosphäre genießen und auch zum vierten Mal mitsingen: "Du bist ein Phänomen."

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