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Interview: "Verdammt diszipliniert"

Ein Popstar mit Masterplan: die Sängerin Beyonce Knowles über Arbeitsmoral, Papas Erbe und den Traum von Liebe.

Ein Hotelflur in Berlin. Vor ihrem Zimmer lehnt ein schwarzer Bodyguard. Er stellt sich als "Shorty" vor und hat einen Hände-druck wie eine Müllpresse. Im Zimmer sitzt Beyoncé Knowles auf der Bettkante. Sie ist klein, umwerfend schön, mit wachen braunen Augen und rauer Stimme. Es klopft an der Tür.

Beyoncé Knowles:

Oh, das muss der Roomservice sein! Es stört Sie nicht, wenn ich kurz etwas esse?

stern: Nein, überhaupt nicht.

Ein Hotelangestellter bringt ein silbernes Tablett mit einem Sandwich.
Geht ganz schnell! Ich habe nicht mittaggegessen, weil ich lieber shoppen war, Schuhe und eine Handtasche. Wenn ich nichts von meinen Reisen mitbringe, sind meine Freunde immer enttäuscht. Was ist auf dem Sandwich? Huhn? Huhn ist okay, aber Schwein esse ich nicht.

"This is Huhn", sagt der Hotelangestellte hastig, "äh, no, this is a chicken sandwich!"

Das klingt jetzt wenig begeistert.

Wären meine CDs schlecht, fiele es mir schwer. Aber gerade auf mein neues Album bin ich stolz. Es ist sehr persönlich.

Ich würde mit Ihnen gern über Disziplin sprechen. Fällt Ihnen dazu etwas ein?

O ja, ich bin sehr diszipliniert. Ich arbeite gern. Auf einer Bühne stehen und singen, das liebe ich.

Was braucht ein Popstar heute mehr, um sich durchzusetzen: Talent oder Disziplin?

Natürlich Talent. Das ist das Wichtigste. Aber das größte Talent ist verschwendet, wenn du undiszipliniert bist. Wenn du nach oben willst, musst du hart zu dir sein. Ich habe feste Regeln. Wenn ich zum Beispiel Interviews gebe, dann nie mehr als sieben Stunden am Tag. Sonst redet man nur noch wirres Zeug.

Sie kommen gerade aus Frankreich, vorher waren Sie in England, davor in Amerika. Macht es Ihnen Spaß, auf der ganzen Welt zu erzählen, wie großartig Ihre neue CD ist?

Das gehört zu meinem Job.

Sie singen auf "Dangerously In Love" fast nur von der Suche nach Liebe. Schmerzt es Sie da nicht, dass Sie für eine normale Beziehung gar keine Zeit haben?

Ich hätte gern einen Freund, natürlich. Es ist nur leider so: Je berühmter du bist, desto schwerer ist es, jemanden zu finden. Du kannst nicht mehr abends in eine Bar gehen und mit einem, der dir gefällt, ein Gespräch beginnen.

Sie arbeiten seit Ihrem zehnten Lebensjahr im Musikgeschäft. Haben Sie das Gefühl, Ihre Jugend versäumt zu haben?

Nein, ich bin gesegnet mit Erfolg und Glück. Ich war nie auf einem High-School-Abschlussball, das stimmt. Doch dafür konnte ich vieles erleben, wovon andere Teenager nur träumen. Ich bin 21, fühle mich aber so reif wie mit 41. Ich habe eine Menge von der Welt gesehen. Und ich weiß, wie Pop funktioniert. Ich weiß, wie man Hits schreibt.

Gibt es dafür eine Erfolgsformel?

Nein, es gibt kein Rezept. Was man aber unbedingt braucht, ist eine Idee, eine Vision. Popstars brauchen einen Masterplan.

Welche Vision repräsentiert Ihre Girl-Group Destiny's Child?

Anfangs waren wir nur drei Mädchen, die wissen, wie man sich auf einer Bühne bewegt. Aber seit unseren Hits "Independent Women" oder "Survivor" werden wir als Frauenkämpferinnen wahrgenommen.

Frauenkämpferinnen, die in Miniröcken über die Bühne hüpfen und gleichzeitig davon singen, dass sich Frauen nicht billig verkaufen sollen.

Was man auf der Bühne sieht, ist doch nur Show. Gute Popmusik ist, wenn ich etwas glaube, was gar nicht stimmt. Ich liebe es, mich sexy anzuziehen, bin aber trotzdem kein leichtes Mädchen.

Mit elf traten Sie als Kandidatin in der Casting-Show "Star Search" auf - und wurden abgelehnt. Was lief schief?

Ich war jung, und die Jury wusste nicht, in welche Kategorie sie mich stecken sollte. Am Ende musste ich gegen eine Rockband konkurrieren, deren Mitglieder langhaarig waren und laut.

Jetzt sind Sie bei der deutschen Version von "Star Search" als Stargast aufgetreten. Eine späte Genugtuung?

Ja, obwohl ich die Niederlage schon längst weggesteckt habe. Ich habe gelernt aufzustehen, wenn ich falle.

Sie klingen wie ein Motivationstrainer fürs mittlere Management.

Das habe ich von meinem Vater. Er war früher Vertreter, kein sehr angesehener Job. Er hat sich trotzdem durchgebissen.

Nun plant auch Ihre kleine Schwester Solangé eine Musikkarriere. Muss man in der Familie Knowles im Popgeschäft landen?

Meine Eltern haben mich nie auf die Bühne getrieben. Der Drang zur Show war in mir, bevor ich sprechen konnte. Schon als Kleinkind habe ich es genossen, andere Menschen zu unterhalten.

Sie haben mehr als 33 Millionen Platten verkauft und ein paar Millionen Euro auf dem Konto. Wie lange wollen Sie noch an Ihrer Arbeitsdisziplin festhalten?

Bis ich 30 bin, möchte ich als Sängerin arbeiten. Im Jahreswechsel soll es je ein Soloalbum und eines mit Destiny's Child geben. Und spätestens dann will ich eine Familie haben. Einen tollen Mann, zwei Kinder, ein Haus am Meer. Klingt spießig, was? Aber so bin ich eben, eine verdammt disziplinierte Musik-Arbeiterin.

Interview: Hannes Ross