HOME

INTERVIEW MIT KYLIE MINOGUE: Elfe im Dauerstress

Kylie Minogue legt mit »Fever« ein neues Album vor. Im Interview spricht sie über Erfolg, Ausschlafen und Drogen.

Wenn sie in den Spiegel schaue, erschrecke sie oft fürchterlich, weil sie aussehe wie aus der Muppet-Show. Solche Sätze glaubt man vielleicht Rudolf Scharping - aber nicht der Sängerin Kylie Minogue, die immer wirkt, als käme sie gerade von der Schönheitsfarm. Im Musicalfilm »Moulin Rouge«, der jetzt in die Kinos kommt, spielt die 33-Jährige konsequenterweise eine kleine, grüne Fee, die zu schönsten Träumen verführt.

Das ging schnell: Zwischen Ihrer neuen Platte »Fever« und dem Vorgänger »Light Years« liegt kaum mehr als ein Jahr.

Ich bin so erschöpft, ich kann fast nicht aufrecht sitzen. Aber so ist das mit dem Erfolg: Nach »Light Years« hatte ich Angst, dass er wieder vergeht. Deshalb habe ich schnell nachgelegt.

Erinnern Sie sich an den Tag, als Sie nach langer Durststrecke mit »Spinning Around« wieder Nummer eins in den Charts waren?

Ich war zu Besuch bei den Eltern meines Freundes im Grünen. Wir spielten Backgammon, als mein Manager anrief, um mir zu sagen, dass ein Wunder geschehen war: Ich stand an der Spitze der britischen Hitparade. Alle schauten mich mit großen Augen an - und ich fing an zu weinen.

Sie sind seit 13 Jahren in der Branche. Haben Sie manchmal das Gefühl, etwas verpasst zu haben?

Zu Beginn meiner Karriere habe ich so viel geschuftet, um später nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber wenn's richtig läuft, sagt man nicht: Heute will ich mal ausschlafen. Dabei wäre ich gern mal einfach um die Welt gereist.

Aber Sie sind doch ständig unterwegs.

Ich kenne aber nur Konzertsäle, Garderoben, Radiosender und Hotels. Ich kann verstehen, dass manche meiner Kollegen zu Drogen greifen.

Sie nicht?

Nicht mehr.

Sie gaben im Lauf Ihrer Karriere das Disco-Girl, die Sexbombe, die Schwulen-Ikone. Wer wollen Sie auf »Fever« sein?

Eine Frau, die in Bauhaus-Bungalows wohnt und jeden Abend Freunde zum Cocktail empfängt. Leben bedeutet Veränderung, meine Fans wären erschrocken, wenn ich mich wiederholt hätte. Ich mag es, sexy zu sein, sogar verrucht. Aber es gibt auch eine andere Kylie, eine ernsthafte. Es wird Zeit, dass ich mir endlich mal freinehme, um sie kennen zu lernen.

Interview: Oliver Creutz