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INTERVIEW: Olu Dara - ein alter Mann mit jungen Ideen

Vor drei Jahren war Olu Dara ein Geheimtip der New Yorker Jazzszene - bis sein Sohn Nas den 60jährigen Vater dazu überredete, sein erstes Album aufzunehmen. Seitdem kann sich der Kornettspieler, Gitarrist und Sänger vor Fans kaum noch retten.

Vor drei Jahren war Olu Dara ein Geheimtip der New Yorker Jazzszene. Dann überredete ihn sein Sohn, der Rapper Nas, dazu, sein Debütalbum »In The World« aufzunehmen. Seitdem kann sich der mittlerweile 60jährige Kornettspieler, Gitarrist und Sänger vor neuen Fans kaum noch retten. Sein Anfang des Jahres erschienenes zweites Album »Neighbourhoods« (Atlantic) steigerte die Begeisterung nur noch. Olu Dara ist zurzeit mit seiner Band in Deutschland auf Tour.

Wie kam es dazu, dass Sie Ihr Debütalbum erst im Alter von 57 aufgenommen haben?

Ich wollte nie eine Platte machen. Ich hatte viel zu viel Spaß, Theaterstücke zu schreiben, als Schauspieler zu arbeiten und ab und an auch mal Musik zu machen. Ich mochte die Idee, dass die Leute, die zu meinen Konzerten kommen, keine Erwartungshaltung haben. So konnten wir alles auf der Bühne machen, was wir wollten. Ich konnte Trompete oder Gitarre spielen oder singen - oder auch nicht. Ich habe das geliebt. Eines Tages rief mein Sohn Nas an und bat mich, ein Album aufzunehmen. Damit seine Freunde hören können, was ich mache. Er hatte schon einen Deal bei seiner Plattenfirma Columbia für mich vorbereitet. Ich lehnte dankend ab. Fünf Minuten später rief Atlantic an, mit derselben Bitte. Das war zu seltsam. Also sagte ich zu.

Glauben Sie an Schicksal?

Meine Lebensphilosophie ist: »Lass der Natur ihren Lauf.« Dafür wurde ich früher oft kritisiert. Ich weiß, dass ich nur ein Staubkorn bin. Egal wie aggressiv oder strebsam ich sein mag, ein Stein werde ich dadurch trotzdem nicht. Bei meiner ersten Platte brauchte ich einen Dichter. Ich hatte einen meiner Söhne ins Studio gebeten. Der kam aber natürlich nicht. Ich hätte es besser wissen müssen. Auf dem Weg ins Studio, während ich noch darüber nachdachte, woher ich jetzt so schnell einen Dichter bekomme, sah ich dieses Mädchen mit einer Gitarre in der U-Bahn. Es ist eine lange Fahrt im A-Train von der 125. zur 59. Straße. Ich sprach sie an: »Sind Sie Gitarristin?« - »Nein, die Gitarre habe ich eben erst gekauft. Eigentlich bin ich Dichterin.« Ich sagte: »Treffen Sie mich in einer Stunde im Studio, dann können Sie bei meiner Platte dabei sein.« Sie wollte erst nicht, trotzdem gab ich ihr die Adresse. Im Studio angekommen, schrieb ich ein kleines Thema. Sobald ich damit fertig war, kam das Mädchen herein - und wir fingen sofort an aufzunehmen. Sie las einfach eines ihrer Gedichte. Ein Take und der Song war im Kasten.

Das klingt, als würden Sie im Studio eher spontan und ungeplant arbeiten.

Allerdings. Ich bin immer auf alles vorbereitet, ohne mich je lange vorzubereiten. Deswegen proben wir mit meiner Band auch nie, sondern spielen lieber so oft es geht zusammen. Im Studio setzen wir unsere Live- Erfahrungen dann in neue Songs um. Das ist kein Free Jazz, auch keine klassische Jazzimprovisation. Es hat eher mit dem Prinzip des »Freestyle« im Hip-Hop zu tun. Man sucht nicht in sich nach Inspiration, sondern nimmt die Dinge wahr, die um einen herum geschehen, und verarbeitet sie spontan. Das ist natürlich bei unseren Live-Auftritten noch extremer. Das ist meine Welt. Versucht bloß nicht, meine Songs mitzusingen, denn ich singe nie zweimal dasselbe. Ich liebe den Freestyle.

Wie sind Sie mit den Musikern ihrer Band zusammen gekommen?

Ich wollte weg von der Loft-Szene in New York. Dort mochte man zwar meine Art zu spielen, aber das war alles Großstadtmusik-Avantgarde, Free Jazz, wie auch immer man es nennen will. Was ich heute spiele, Rhythm&Blues, Funk und Jazz, war damals absolut tabu. Also musste ich mir Musiker suchen, die tabu waren. Außerdem wollte ich weg vom typischen glatten, amerikanischen Stil, hin zu einem altertümlich und rauh klingenden, eher afrikanischen Klang. Ich fand die perfekten Leute - sie alle konnten bis dahin absolut keine Jobs kriegen und mussten sich als Taxifahrer oder Bauarbeiter durchschlagen. Ich suchte Musiker mit gutem Charakter und guten musikalischen Fähigkeiten. Wir sind jetzt 20 Jahre zusammen und hatten noch nie Probleme. Es gab noch nicht mal den kleinsten Streit. Das ist der Himmel auf Erden.

Der Song »Herbman« von Ihrem neuen Album ist im Remix von DJ Logic ein echter Clubhit in New York. Gefällt Ihnen diese Version?

Ich liebe diesen Mix! Ein Freund meinte: »Du klingst wie ein uralter Mann auf extrem neuer Musik!« Ich sagte: »Meinst du, ich hab' das Zeug zum ältesten Hip-Hopper der Welt?«

Vielleicht fahren Sie schon bald mit ein paar halbnackten Frauen im Bentley - so wie Ihr Sohn Nas neulich für einen MTV-Videoclip...

Ich kann's kaum erwarten.

Götz Bühler im Gespräch mit Olu Dara.

Tourdaten:

5.7. Köln, Stadtgarten

6.7. Berlin, Columbia Fritz

8.6. München, Muffathalle

17.7. Karlsruhe, Tollhaus

18.7. Darmstadt, Centralstation

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hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(