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Zum Tod von James Last: Tschüss, Hansi!

Sein Fingerschnippen war so legendär wie sein Bart. Er erfand den "Happy Sound" und groovte "à Go-Go". In Deutschland unter Easy Listening eingeordnet, war James Last im Rest der Welt ein Superstar.

Eine Würdigung von Ingo Scheel

Im November 1970 bekommt James Last in der Ostseehalle in Kiel gleich drei Goldene Schallplatten verliehen.

Im November 1970 bekommt James Last in der Ostseehalle in Kiel gleich drei Goldene Schallplatten verliehen.

Omma hörte Bata Illic, Oppa bevorzugte Volkslieder von Lolita. Muttern schwärmte von Neil Diamond und Howie Carpendale. Vattern stand auf Beatles und The Who, Sweet und Slade, da stieg ich dann mit ein. Wenn aber James Last mit den Fingern schnippte, hörten wir alle hin. James Last in den 70ern gehörte dazu wie Käseigel und Bonanzarad, wie Prilblumen, Ford Capri und Koteletten bis zum Knie. Im beschlagenen Rückspiegel der Geschichte mag die Frequenz bestimmter Gewohnheiten zum Gemeinplatz geraten: Das haben wir immer geguckt. Das haben wir immer so gemacht. Das haben wir immer gehört. Pustekuchen oftmals, nicht so beim guten James Last. Von dem stand in buchstäblich jeder Bude im sozialen Umkreis von 5 Kilometern mindestens eine, meistens mehr Platten im Regal: Happy Sound. Hammond Hits. Hits à Go-Go. Unterwegs mit Käpt’n James. Dancing Party, Party, Party.

Er brachte die Classics up to Date, bat Ännchen von Tharau zum Tanz und eroberte nebenbei nicht nur die Weltmeere, sondern auch weltweit Millionen von Hörern. Dass Last über einen derartigen Universalschlüssel in Sachen Sound verfügte, geriet zu Fluch und Segen. Die Plakette an seiner Schublade trug die Aufschrift "Easy Listening" und aus der gab es fortan kein Entrinnen. Dabei hatte James Last, bürgerlich Hans Last, genannt Hansi, ein stilistisches Portfolio, das weit über Schunkler und Polonäsen hinausging.

Spät von der Kritik bejubelt

Für den japanischen Ableger seiner Plattenfirma Polydor brachte er "Sekai Wa Futari" (Die Welt gehört den Liebenden) im Reich der Sonne auf den Markt. Er verkrachte sich mit Lotte Lenya, weil ihm die "Dreigroschenoper" ihres Gatten Kurt Weill "zu berechenbar" erschien, nur um mit der Neubearbeitung den Deutschen Schallplattenpreis einzuheimsen. Ein Album nannte er "Filmmusik ohne Filme", in den 70ern schrieb er TV-Melodien, landauf, landab lernten 10-jährige Jungs und Mädchen zu "Golf von Biscaya" das Akkordeonspiel.

Sein lange Zeit gut gehütetes Geheimnis führte ihn Mitte der 70er in die Staaten, wo er seinen Jazz- und Soulwurzeln nachging und mit US-Musikern, darunter Gitarrist Larry Carlton (Steely Dan, Crusaders) und Drummer Jim Gordon (Derek and the Dominos), einmal etwas Marktabseitigeres aufnahm. Selbst Quincy Jones ließ sich blicken und zeigte sich begeistert. Das Album "Well Kept Secret" erfüllte jedoch seinen Titel und floppte. Erst 2008 wurde es unter dem Titel "James Last in Los Angeles" wiederveröffentlicht und von der Kritik bejubelt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Blick auf den einstigen Easy-Listening-Papst längst gedreht. Die Hamburger Hip-Hopper Fettes Brot übten sich 1999 mit "Ruf mich an" im geschmackssicheren Schulterschluss, Harald Schmidt ließ in seinem Sat.1-Late-night Talk wochenlang ein Double fingerschnippend am Bühnenrand stehen, und US-Regisseur Tarantino brachte Lasts Panflöten-Schmachter, den "Einsamen Hirten", im Soundtrack von "Kill Bill" zum Leuchten. In der Londoner Royal Albert Hall hielt Last sage und schreibe 87 Mal Hof.

Mittendrin im Happy Sound

Ende der 90er bekam ich eine Einladung vom Meister persönlich auf den Redaktionstisch. Im Hamburger "Schöne Aussichten" sollte ein neues Album im "Happy Sound" aufgenommen werden. Last machte es auf seine Art. Keine Ambient-Spuren im Studio, keine dazugebauten Soundschnipsel - Last machte den Sound ganz organisch glücklich, happy. Das Schicksal wollte es, dass ich verhindert war, ich reichte das Ticket an meinen guten Freund Finn Johannsen weiter, der dankend annahm: "Es waren mehrere Busse mit seinen Fanclubs gekommen, vornehmlich weibliche Fans mittleren Alters. Die neuesten Gassenhauer kamen vom Band, es gab unbegrenzt umsonst Bier und Piccolos", erinnert sich Finn. "Beim Rausgehen verabschiedet er uns persönlich. Mein Freund sagte: "Herr Last, das war ein schöner Abend". Und Herr Last antwortete: "Und er ist noch lange nicht zu Ende!"

Ob ich mich ärgere, damals nicht dabei gewesen zu sein? Ganz sicher tue ich das.

Im Frühjahr dieses Jahres nun hatte James Last seine Abschiedstour beendet. Dem Mann von der Zeitung mit den vier Buchstaben hatte er mal sein Adieu so timingsicher wie eh und je ins Notizbuch diktiert: "Wenn ich im Sarg liege, mache ich den Deckel auf und dirigiere nochmal."

Ich werde heute abend "James Last in Los Angeles" aus dem Plattenregal ziehen und auflegen. Und mit den Fingern schnippen. Mach's gut, Hansi ...

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(