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Jazz-Pianist: Esbjörn Svensson stirbt beim Tauchunfall

Der schwedische Jazz-Pianist und Komponist Esbjörn Svensson ist tot. Der Mitbegründer des einflussreichen Jazz-Trios e.s.t. starb am Samstag im Alter von 44 Jahren bei einem Tauchunfall im Stockholmer Schärengarten.

Von Tobias Schmitz

Es kann nicht sein. Er kann nicht einfach weg sein. Nicht er, der sich auf der Bühne immer so vital in seine Musik hineinkämpfte, nicht er, der immer so wirkte, als könne nichts und niemand seine Energie stoppen. Esbjörn Svensson war eine der prägendsten Persönlichkeiten des modernen Jazz und beeinflusste eine ganze Generation von Musikern. Mit seinen musikalischen Begleitern Dan Berglund (Bass) und Magnus Öström (Schlagzeug) hatte der Pianist 1993 das Esbjörn Svensson Trio gegründet.

Die Buchstaben "e.s.t." standen in den vergangenen 15 Jahren für innovative Kraft und lustvolles Spiel mit den musikalischen Genres. Wenn sich e.s.t. live auf der Bühne austobte, wenn Svensson seine Mitspieler zu immer neuen exstatischen Steigerungen trieb, dann stockte den Zuhörern vor Erstaunen der Atem. War das noch Jazz? Oder spielte sich hier eine Rockband in einen Rausch?

So wie Esbjörn Svensson auftrat, breitschultrig, mit fast kahl rasiertem Kopf, in Cargohose und Sweatshirt, hätten seine Konzerte auch gut auf Popfestivals gepasst. Genau das machte seine Musik ja aus: Ein Stück von e.s.t. konnte als Popsong beginnen, sich zu einer Art Rockhymne steigern, um sich dann in eine scheinbar uferlose Jazzorgie zu steigern und schließlich als klassischer Choral auszuklingen. So führte Svensson mühelos Menschen zum Jazz, die jene Gattung sonst nie kennengelernt hätten.

Vater liebte Duke Ellington

Geboren am 16. April 1964 im schwedischen Västeras wuchs Esbjörn Svensson als Kind musikalischer Eltern auf. Seine Mutter spielte Klavier, sein Vater liebte Duke Ellington. Auf dem Gymnasium schloss sich Svensson verschiedenen Bands an und nahm Klavierunterricht. Später studierte er vier Jahre lang Musik an der Universität Stockholm und spielte in verschiedenen Jazz-Formationen, ehe er 1993 mit seinem Jugendfreund Magnus Öström und dem Bassisten Dan Berglund sein eigenes Trio e.s.t. gründete.

Der internationale Durchbruch außerhalb Skandinaviens gelang ihm mit dem 1999 erschienenen Album "From Gargarin's Point of View". Durch ausgedehnte Konzert-Tourneen und weitere exzellente Alben wie "Good Morning Susie Soho" (2000) , "Strange Place For Snow" (2002) oder "Viaticum" (2005) wurde e.s.t. zum einflussreichsten Vertreter des skandinavischen Jazz. Die Experimentierfreude des Trios, das mit elektronischen Klängen, Effekten und Verfremdungen die homogene Basis aus Klavier, Schlagzeug und Bass umspielte, wurde mit zahlreichen Musikpreisen ausgezeichnet. Als erste europäische Jazz-Band überhaupt schaffte es e.s.t. 2006 auf die Titelseite des berühmten amerikanischen Jazz-Magazins "Downbeat“"

Unfallhergang nebulös

Am Samstag des 14. Junis ging Esbjörn Svensson mit seinem 15 Jahre alten Sohn Ruben im Stockholmer Schärengarten tauchen. Was genau passierte, ist noch unklar. Angeblich wurde Svensson von anderen Tauchern schwer verletzt am Grund liegend gefunden und konnte nach der Rettung an Land nicht wieder reanimiert werden. Svensson war nach Angaben seiner Plattenfirma ACT nicht besonders tief getaucht. Eigentlich hätte im September das zwölfte e.s.t.-Album "Leucocyte" erscheinen sollen. Die Veröffentlichung wurde vorläufig gestoppt. Unvorstellbar, in den nächsten Monaten diese wunderbar lebendige Musik zu hören. Und zu wissen: Esbjörn Svensson lebt nicht mehr.

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