Loretta Lynn Die Rückkehr der alten Dame


Kaum jemand hätte mit einem neuen Album der fast 70-jährigen Loretta Lynn gerechnet. Doch Indie-Rocker Jack White holte die Country-Lady aus der Versenkung und produzierte "Van Lear Rose".

Was Rick Rubin für Johnny Cash war, hat Jack White für Loretta Lynn geleistet: Eine aufs Alters-Abstellgleis geschobene Country-Ikone zu einem Album zu bewegen, das mit einem unverwechselbaren Charakter für Innovationen im abgedroschenen Pop-Zirkus sorgt. Dabei fängt "Van Lear Rose" mit derart klassischem Country an, dass eher dem Rock und Pop zugeneigte Zeitgenossen vielleicht schon die Stop-Taste drücken, bevor es richtig losgeht: Ein Duett der 69-Jährigen mit White in "Portland Oregon", das wühlt wie weiland Led Zeppelin. Oder "Have Mercy", das Lynn vor Jahrzehnten für Elvis Presley schrieb, dem "King" dann aber nie überlassen hatte. Oder die präzise "Story Of My Life" in nicht mal drei Minuten.

Der größte Fan

Aber wie lernt ein 28-jähriger Rockstar eine 40 Jahre ältere Country-Sängerin kennen? Die White Stripes haben Coverversionen von Lynns Liedern in ihrem Programm, darunter "Rated X". Lynn lud Meg und Jack White Anfang 2003 zum Essen ein und es entwickelte sich eine Freundschaft. "Ich wusste ja nicht, dass er ein Fan ist", sagte sie in einem US-Zeitungsinterview. "Er sah (meinen Film) 'Coal Miner's Daughter', als er neun Jahre alt war. Er ist der größte Fan, den ich haben kann."

Im Booklet vergleicht sie White mit ihrem ersten Produzenten Brad Owen. Aber Owen ließ sie ihre Songs damals wieder und wieder singen, bis er sie als perfekt abhakte. White wollte vier Jahrzehnte später den ersten, frischen Versuch - und produzierte ein unvermutet atemberaubendes Album.

Uwe Käding, AP


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