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Michael Jackson Reloaded: Thriller mit vorhersehbarem Ausgang

Vor 25 Jahren schrieb Michael Jacksons Album "Thriller" Musikgeschichte. Es ist das bis dato meistverkaufte Album aller Zeiten. Mit der künstlich aufgepimpten Deluxe-Ausgabe zum Jubiläum verhält es sich allerdings wie mit dem Künstler selbst: Es ist blass und macht traurig.

Von Katharina Miklis

Dass nichts mehr so ist, wie es mal war, ist hinlänglich bekannt. Und früher war alles besser - das sowieso. Als fleischgewordene Plattitüde stürzte Michael Jackson vor einigen Jahren vom Thron des King of Pop ins Schattenreich des Pop. Was blieb ist eine Witzfigur. Eine, die schon lange keine Musikgeschichte mehr schreibt, sondern nur noch mit Chirurgie-Katastrophen, Kindesmissbrauch und Pleitemiseren in Verbindung gebracht wird.

Das war mal anders. Vor 25 Jahren war die Welt noch in Ordnung. Es war die Zeit, in der MTV seinen Siegeszug durch die Jugendzimmer der Welt anbrach, die CD das Vinyl ablöste und Michael Jackson von all dem profitierte. 80 Wochen lang hielt sich "Thriller", Jacksons sechstes Soloalbum, 1982 in den Top Ten der US-Charts. Alleine in den USA wurde es 27 Mal mit Platin ausgezeichnet und erhielt acht Grammys. 104 Millionen Exemplare sollen bis heute verkauft worden sein. Doch genug der Zahlen. Dass "Thriller" alle Rekorde brach und bis heute das meist verkaufte Album aller Zeiten ist, ist bekannt. Das Video zum Titelsong war bahnbrechend und das Maß aller Dinge. Von einem Tag auf den anderen revolutionierte das fast zwanzigminütige Musikvideo, in dem der damals 23-jährige Kinderstar Jackson mit Zombies tanzte, die Popwelt.

Remixe - so unnötig wie jede einzelne Nasen-OP

Es ist ein Meisterwerk - ohne Zweifel. Ein Meisterwerk, das nun zum 25. Jubiläum von SonyBMG kräftig aufgepimpt wurde. In Zeiten, in denen es der Plattenindustrie immer schlechter und schlechter geht, erinnert Michael Jackson noch einmal an die gute alte Zeit, in der Platten noch weggingen wie warme Semmeln. Da Musik zurzeit das Letzte ist, womit Michael Jackson Schlagzeilen macht, überließ er das Frisieren von "Thriller25" anderen. Eigentlich großen Namen wie Will.i.am und Fergie von den Black Eyed Peas. Akon und Kanye West. Doch wer kann sich schon mit dem King of Pop messen - zumindest mit dem der 80er Jahre. Die Remixe sind genauso überflüssig wie unspektakulär. Blasse Beats verschandeln 25 Jahre alte Pop-Perlen und sind so unnötig wie jede einzelne Nasen-OP des einst so überragenden Künstlers.

Da bleibt man doch besser bei den Originalen, die den früheren Kinderstar und Lead-Sänger der Jackson Five 1982 in die Stratosphäre der internationalen Superstars katapultierte, in der er Jahre später verglühte. Unter der meisterlichen Hand des großen Produzenten Quincy Jones entstanden das meisterliche "Wanna Be Startin' Somethin'", das Duett "The Girl Is Mine" mit Paul McCartney, "Beat It" mit Eddie van Halens vibrierendem Gitarrensolo, das bahnbrechende "Billie Jean" und natürlich "Thriller". Auch 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung hat "Thriller" nichts von seiner Klasse eingebüßt und lässt den King of Pop für einen Moment von den Untoten auferstehen. Neben dem grandiosen Original-Album von zeitloser Klasse und den faden Bonus-Tracks enthält "Thriller - 25th Anniversary Edition" eine DVD mit den wegweisenden Video-Clips zu "Thriller", "Beat It" und "Billie Jean", sowie der Emmy-nominierten "Billy Jean"-Performance im Rahmen des legendären "Motown 25: Yesterday, Today, Forever"-TV-Specials.

Die 104 Millionen Fans, die das original "Thriller"-Album bereits im Plattenschrank stehen haben, brauchen dieses unnötig aufgemöbelte Stück Zeitgeschichte jedenfalls nicht. Auch der Rest der Welt kann getrost darauf verzichten - es sei denn, man will sich mal richtig gruseln.