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Mireille Mathieu: Der "Spatz von Avignon" wird 60

Nur kurz nach ihrem 40. Bühnenjubiläum hat die französische Chanson-Sängerin Mireille Mathieu wieder einen Grund zum Feiern. "Der Spatz von Avignon" wird 60.

Der Mireille Mathieu steht schon seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne, und dennoch hat sie Sängerin den Eindruck, als hätte sie erst gestern angefangen. "Die Zeit ist einfach verflogen", sagte die zierliche Französin, die im vergangenen November ihr 40. Bühnenjubiläum im berühmten Pariser Olympia feierte. Der ausverkaufte Saal würdigte die knapp 1,50 Meter große Sängerin aus dem südfranzösischen Avignon mit zehnminütigen Ovationen. Mathieu, die am 22. Juli 60 Jahre alt wird, hat mit 122 verkauften Platten und 38. Alben nichts von ihrer Beliebtheit verloren - auch wenn es um sie in den vergangenen Jahren stiller geworden ist.

Doch trotz ihres erfolgreichen Auftritts glaubt die Sängerin nicht, dass sie in der heutigen Musikwelt nochmals Karriere machen könnte. Es fehle an Emotionen und Gefühlen. "Ich bin zum richtigen Zeitpunkt entdeckt worden", sagte sie anlässlich ihres Jubiläums, mit dem sie ihren Auftritt im Jahr 1965 in einer Fernsehsendung feierte. In dieser Sendung war sie wie die Heilige Jungfrau von Orléans frisiert und sang im kurzen schwarzen Kleid. Kurz darauf trat sie bereits im Mekka des Showbusiness', im "Olympia" in Paris, auf.

Die Lebensgeschichte der stimmgewaltigen, zierlichen Sängerin liest sich wie ein modernes Aschenputtel-Märchen: Sie wuchs als älteste von vierzehn Kindern in bescheidenen Verhältnissen auf. Mireille, die früh an verschiedenen Talentwettbewerben teilnahm, schaffte es 1964, mit Edith Piafs "Jezebel" die Ausscheidung für unbekannte Talente in Avignon zu gewinnen. Im Publikum saß damals der Talentsucher Johnny Stark, der schon Yves Montand, Françoise Hardy, Johnny Hallyday und Silvie Vartan entdeckt und gemanagt hatte. Damit begann eine kometenhafte Karriere, die nach dem sensationellen Fernsehauftritt aus der einstigen Hilfsarbeiterin einer Konservenfabrik über Nacht einen Star machte.

Millionenseller mit 17

Von dem ersten Hit der damals 17-Jährigen, "Mon Credo", waren in wenigen Wochen eine Million Exemplare vergriffen. International ging es 1966 steil nach oben, als sie bei ihrer ersten Amerika-Tournee mit dem französischen Grandseigneur des Chansons, Maurice Chevalier (1888-1972), im Waldorf Astoria Hotel in New York auf der Bühne stand. Als Mireilles Eltern im selben Jahr Nachwuchs bekamen, übernahm Staatspräsident Charles de Gaulle für das 14. Kind der Steinmetz-Familie die Patenschaft.

In Deutschland jubelte ihr das Publikum erstmals 1967 zu, wo sie ein häufiger Gast auf Bühnen und im Fernsehen war. Das Publikum zeigte sich begeistert von ihrer glockenhellen Stimme und ihrem unvergleichlichen Vibrato. Ihr erster auf Deutsch gesungener Hit lautete "Hinter den Kulissen von Paris", ihm folgten "Akropolis Adieu", "An einem Sonntag in Avignon" oder "In den Armen Deiner Zärtlichkeit".

So wurde "Mimi" für das internationale Publikum zum "neuen Spatzen", auch wenn ihr Leben und ihre Karriere in ganz anderen Bahnen verliefen, als das der mythischen Edith Piaf. Kritiker hatten bemängelt, dass Mathieu die knisternde Erotik erlebter Leidenschaften abginge. "Der Richtige ist mir nicht begegnet", pflegte die als häuslich, familienverbunden und religiös, aber auch eigenwillig geltende Multi-Millionärin zu sagen, die heute zurückgezogen mit einer ihrer Schwestern im vornehmen Neuilly bei Paris lebt. Sie findet ihr Glück im Applaus des Publikums, dem sie, wie sie bei ihrem Auftritt im vergangenen Jahr sagte, "bis ans Ende ihres Lebens gehören wird".

DPA / DPA