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MUSIK: Auch Weihnachtsklassiker helfen nicht

Normalerweise ist der Dezember für die Musikbranche der absatzstärkste Monat. Dies Jahr helfen selbst Weihnachtslieder nicht aus dem Umsatztief.

Alle Jahre wieder zur Adventszeit dudeln sie aus den Lautsprechern: Weihnachtslieder. Neben Traditionellem kehren auch Popklassiker wie »Last Christmas« von Wham oder »Driving home for Christmas« von Chris Rea in jedem Dezember nahezu unvermeidbar zurück. Auch wenn die Ohrwürmer in den Wochen vor dem Fest in jedem Kaufhaus, Radiosender und Weihnachtsmarkt allgegenwärtig sind: Für die phonographische Wirtschaft spielen diese »Klassiker« keine dominierende Rolle im Weihnachtsgeschäft. »Der Verkauf dieser Titel hat zwar traditionell im Dezember seinen Höhepunkt. Mit den Alben aus den Charts können sie trotzdem nicht konkurrieren«, sagt Verbandsprecher Hartmut Spiesecke.

Dezember bester Monat

So sorgen dieses Jahr vor allem Hitparaden-Stürmer wie Britney Spears, Robbie Williams, No Angels und Bro'Sis dafür, dass der Dezember wohl wieder der verkaufsstärkste Monat des Jahres wird. Im Jahr 2000 wurden nach Verbandsangaben 15,6 Prozent des Umsatzes im letzten Monat des Jahres gemacht, beim Marktführer Universal Music sind es nach eigenen Angaben üblicherweise sogar 30 Prozent. Den Umsatzeinbruch in der Musikbranche in diesem Jahr wird aber selbst ein guter Dezember nicht mehr wettmachen, wie Universal-Vertriebschef Rainer Tarara mitteilt.

Weihnachtsplatten kaum relevant

»Ende Oktober war das seit Januar aufgelaufene Minus wertmässig immer noch bei 12 Prozent«, sagt Carl Mahlmann von EMI Electrola. Dies kann man unmöglich in einem Monat aufholen, auch wenn das Weihnachtsgeschäft bislang noch verhältnismäßig gut läuft. Am Dezemberumsatz haben die reinen Weihnachtsplatten etwa einen Anteil von rund sieben Prozent. Auch nach der Einschätzung von Tarara sind die Weihnachtssongs nicht wesentlich am Dezemberumsatz beteiligt.

Böse Raubkopien

Im ablaufenden Jahr hatte die sprunghaft gestiegene Nutzung von CD-Brennern und Raubkopien von Musik aus dem Internet der phonographischen Wirtschaft einen Umsatzeinbruch beschert. Bereits im Sommer schlug die Branche Alarm: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurden rund 11 Prozent weniger Tonträger verkauft, hieß es auf der Musik-Messe Popkomm in Köln. Inzwischen sind die ersten kopiergeschützten CDs auf dem Markt. Seit Napster, die Internet- Musiktauschbörse, schließen musste, weil die Betreiber Urheberrechte verletzten, arbeiten die großen Musikunternehmen an eigenen, kostenpflichtigen Angeboten im Netz. Die ersten beiden Handelsplattformen für Musik starteten im Dezember in den USA.

Für jeden etwas

Festliche Evergreens wie etwa »White Christmas« von Bing Crosby hat wahrscheinlich jeder Weihnachts-Fan sowieso schon im CD-Regal stehen. Allerdings scheinen den Variationen der feierlichen Melodien keine Grenzen gesetzt. Im Handel findet sich für jeden Musikgeschmack etwas: Von den etwas gesetzteren Scheiben wie etwa »Christmas Memories« von Barbara Streisand bis hin zum Sampler »Punk Rock Xmas«. Auch für Hausmusik-Freunde ohne eigene Instrumente wird was in den Plattenläden angeboten: Die Christmas Karaoke CD.