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Musik-Comedy: Heimspiel in Mülheim: Helge Schneiders Generalprobe

Bei der Generalprobe vor heimischem Publikum in der Stadthalle in Mülheim an der Ruhr zeigte Musik-Clown Helge Schneider einen gelungenen Mix zwischen Klamauk und exzellenter Musik.

Helge Schneider entschuldigt sich: «Verzei mir, Baby» nennt er sein neues Programm. Wofür eigentlich? Bei der Generalprobe vor heimischem Publikum in der Stadthalle in Mülheim an der Ruhr zeigt er am Freitagabend einen gelungenen Mix zwischen Klamauk und exzellenter Musik.

Bodo ist zu langsam

Der rote Teppich ist nicht richtig ausgerollt. Da muss Bodo - Helge Schneiders Diener im roten Zirkusfrack - noch ein bisschen üben. Auch sonst schaut Helge mit kritischem Blick: Die Kabel liegen verkehrt und Bodo schiebt die Instrumente nicht schnell genug heran. Spielen sie sich noch ein oder ist das alles Absicht? Bei dem Mann aus Mülheim weiß man das nicht so genau. Und den Zuschauern ist es auch egal, denn sobald er Grammatikregeln über Bord wirft und den Satz mittendrin ohne Sinn unterbricht, sind alle zufrieden.

Hervorragende Begleitmusiker

«Ihr beiden süßen Hutzelmännchen», nennt er seine zwei Musiker. «Die verstehen mich ja nicht», sagt Helge augenzwinkernd zum Publikum. Obwohl er seine Band gern aufs Korn nimmt, kann er eines nicht verbergen: Helge ist ein bisschen stolz, mit solchen Musikern auftreten zu dürfen. James Woode, der mit Charlie Parker und Billie Holiday spielte, steht an der «großen Geige» - am Bass. Pete York, Ex-Drummer der Spencer Davies Group, spielt ein fantastisches Schlagzeug-Solo. Die beiden sehen aus, als seien sie aus einem Jazz- Keller direkt auf die Bühne gekommen, während Helge offensichtlich zuvor im Secondhand-Laden gestöbert hat - sein grauer Strampelanzug hat natürlich Schlag, das Jackett Trompetenärmel. Gerade dieser Kontrast lässt die Band so herrlich schräg erscheinen.

"Magihuana is nit gutta"

Der musikalische Teil nimmt in Helges neuem Programm größeren Platz ein. Neu sind die verschrobenen Keyboard-Klänge. Das Lied «Katzeklo» darf bei Helges Heimspiel natürlich nicht fehlen. Ansonsten gibt er sich mal romantisch, wenn er vom Schneemann singt, der auf Ibiza schmilzt. Mal zeigt er sich kämpferisch und setzt sich für die Pommes ein, die einen schlechten Ruf bekommen haben: «Von Pommes kriegt man Pickel, ist mir ganz egal.» Und aufklärerisch wird er auch noch: «Magihuana is nit gutta». Anstatt Drogen iss doch Möhren, lautet sein Motto - «Helges Mörchen-Lied» wird «Katzeklo» wahrscheinlich den Rang ablaufen.

Helge in Höchstform

Zweieinhalb Stunden schlurft, tanzt, zappelt Helge über die Bühne. Die Zuschauer sind begeistert. «Ich mag Zwischenapplaus nicht, obwohl es mich rührt», kommentiert Schneider. Nur am Anfang gähnt er laut, nur einmal schaut er auf seine Uhr, er hat selbst Spaß. Am Ende gibt er Zugaben, lässt sich feiern: Helge in Höchstform.

Birgit Schürmann