HOME

Paul McCartney: Historischer Gig für tausend Fans

So hat man Paul McCartney schon lang nicht mehr gesehen: auf der Bühne. Nach dem Rosenkrieg mit Heather Mills beschäftigt sich der Ex-Beatle wieder mit Musik: Vor tausend Fans und Journalisten aus aller Welt gab er ein Geheimkonzert in London.

Von Kathrin Buchner

Endlich tut der Mann wieder das, was er am besten kann und woran er offensichtlich am meisten Spaß hat: Musik spielen und mit dieser Musik seine Fans glücklich machen. Im Ringel-Oberteil, das auch von einem Pyjama stammen könnte und später ziemlich verschwitzt sein wird, betritt er die Bühne, begleitet von vier weiteren Musikern. Mit "Baby you can drive my car" eröffnet er die Show - ein stürmischer Beginn, der zeigt, wo die Reise an diesem Abend hingeht: zurück in alte Zeiten. Rock'n' Roll kündigt Paul McCartney an, sichtlich überwältigt von dem Applaus des Publikums zwischen 25 und 80 Jahren.

"Es ist eine Weile her, dass ich solch ein Konzert gespielt habe", sagt der Ex-Beatle. Tausend Leute passen in den "Electric Ballroom" im Londoner Stadtteil Camden. Selbst von ganz hinten ist Paul McCartney gut sichtbar. Die Zuschauer in der ersten Reihe können ihm fast die Hand schütteln, weder Security noch Absperrungen gab es vor der Bühne. Als "Geheim-Gig" verpackt, wurde die Show wenige Stunden vorher in Radiostationen und einer Abendzeitung angekündigt. Glück hatte, wer zur richtigen Zeit am richtigen Ort war und sich in die Schlange vor dem Musikclub einreihen konnte, wie ein Ehepaar aus Seattle oder das Pärchen aus Buenos Aires. In 13 Minuten waren die Freikarten weg - man hatte das Gefühl, an einem historischen Event teilzunehmen.

Als "Best Ager" in Bestform

Als verdienter Recke im Musikbiz wieder auf die Bühne zu steigen, ist gerade groß im Trend. Genesis und The Police machen es vor. Mit ehemaligen Bandkollegen muss sich Paul "Macca" McCartney ja nun nicht mehr zusammenraufen. Der Ex-Beatle wird in genau zehn Tagen, am 18. Juni 2007, 65 und gehört damit zu den so genannten "Best Agern", dieser kaufkräftigen und rüstigen neuen Rentner-Generation. Legitimation genug, um ungeniert aus altem Material zu schöpfen und die ungeteilte Aufmerksamkeit einzuheimsen.

Paul geht auf Publikumswünsche ein

Das tut "Macca" ausgiebig und mit viel Spaß. Die Stücke sind kurz, das erzeugt Dynamik. Paul wirkt frisch, scherzt mit dem Publikum, sonnt sich im Applaus, geht auf Wünsche ein, die ihm vom Bühnenrand zugerufen werden: "I play this only for you". Tauscht die elektrische gegen die akustische Gitarre, steht auf einmal allein da und spielt den Beatles-Klassiker "Blackbird". Atemloses Lauschen, der Beifall bricht erst nach dem Lied los. Eine romantische Atmosphäre entsteht. Paul setzt sich ans Keyboard und spielt "The Long and Winding Road". Wenige Songs aus dem sehr rockigen neuen Album "Memory Almost Full" folgen, darunter die neue Single "Dance Tonight".

Erinnerung an "gefallene Helden"

Er erzählt Anekdötchen über den Stadtteil Camden und seinen "Electric Ballroom", in dem schon in den 30 Jahren Gesellschaftstanzabende stattfanden und Sid Vicious und The Clash den London Punk zelebrierten. Die Akustik ist perfekt, die Anmutung leicht plüschig und in den Balkonen im zweiten Stock können VIPs ungestört zuhören. Kate Moss war bei Paul McCartneys exklusivem Gig dabei, ebenso wie seine Töchter Mary und Stella, David Gilmour von Pink Floyd und Schauspieler Pierce Brosnan.

Höhepunkt des Abends: Mit "Here Today" erinnert McCartney an die "gefallenen Helden", John, George und Linda, seine Ex-Frau. Leicht melancholisch, aber nicht sentimental, er wirkt authentisch, ehrlich trauernd, berührt und doch optimistisch in die Zukunft blickend. Paul, der Zeremonienmeister, der Animateur und souveräne Entertainer führt im Zickzack-Kurs durch Gefühle. Dann kommt "Hey Jude" und der ganze Saal schreit mit. Paul kommuniziert, grinst und - die Band verabschiedet sich.

Nicht die Yellow Press, sondern die Konzerthalle ist seine Bühne

Das Publikum johlt, nach kurzer Pause kommt die Band wieder auf die Bühne. Paul schnappt sich die Gitarre und steigt da wieder ein, womit er abgegangen ist. "Hey Jude". Steigerung ist möglich. "Let it be", "Lady Madonna". Dann tritt er nach 90 Minuten ab. Dankt den Zuschauer, seiner Band und sich selbst.

Die Zuschauer stampfen, pfeifen, toben. Einen kurzen Augenblick scheint es, als ob der Meister noch mal auf die Bühne kommen würde. Doch dann geht das Licht im Saal an. Bleibt die Erkenntnis: Nicht ins Rampenlicht der Klatschpresse, sondern auf die Bühnenbretter dieser Welt, da gehört dieser Mann hin. Denn es ist eine Gabe, Menschen in fünf Jahrzehnten gleichzeitig begeistern zu können. Danke, Paul!

Themen in diesem Artikel