Paula Den Kinderschuhen entwachsen


"Großstadtgeplärre für vollgeflüsterte Aromabars" sagen Kritiker, Fans lieben den "Kinderzimmercharme" der Berliner Band Paula. "Als es passierte" war 2000 ein echter Ohrwurm. Kurz vor der Tour zum neuen Album sprach stern.de mit Paula alias Elke Brauweiler.

Frau Brauweiler, haben Sie Ihre Bühnenklamotten schon eingepackt?

Ja, alles da. Ich lass mir immer etwas nähen von Berliner Jungdesignern – diesmal von zwei Girls, deren Label heißt "Zum Beispiel". Ich will auf der Bühne Sachen anhaben, die unverwechselbar sind.

Was kommen eigentlich für Leute auf Ihre Konzerte?

Es ist ja der Beginn einer Tour nach sehr langer Zeit, zu lang. Wir wollten nur zwei Jahren Pause machen, aber es ist halt so passiert. Am Anfang, als wir noch in einer bestimmten Nische waren, da war das Publikum sehr trendy, cool und hip. Prenzlauer Berg eben. Wenn man nach Kreuzberg und Schöneberg fährt, sieht man die normale Welt. Das ist eigentlich gesünder. Je größer die Band wird, desto "gewöhnlicher" wird das Publikum – optisch gesehen. Manchmal sind auch Kinder da, meine Stimme ist kinderkompatibel (Anm.d. Red. klingt hoch und jung), es sind Songs, die man mitsingen kann. Ansonsten kommen Schüler, Studenten, aber auch die Kassiererin oder der Rechtsanwalt, bunt gemischt.

Mittlerweile ist Paula ja nur noch Elke Brauweiler, Berend Intelmann hat sich verabschiedet…

Berend hat gesagt, er will nur noch produzieren und Songs schreiben. Er hatte keinen Bock mehr auf das ganze Drumherum, keine Interviews, keine Touren, keine Fotosessions oder Videodrehs. Vielleicht ist es auch ein bisschen schwer zwischen ihm und mir. Wir waren ja vor Urzeiten ein Paar und hatten nie eine Pause im Zusammensein. Nach der Produktion des Albums ist auch noch unser Gitarrist aus privaten Gründen gegangen. Und ich bin bei meinem anderen Projekt, Commercial Breakup, ausgestiegen. Der Druck von verschiedenen Seiten war zu groß. Zwei eigentlich gut laufende Projekte, die so nicht weitergeführt werden können, das ist tragisch. Da wird einem mal eben der Boden unter den Füßen weggezogen. Habe kurz mal ne Runde geheult. Und mir dann eben drei neue Leute aus meinem privaten Umfeld für Paula gesucht.

"Es kommt immer alles anders", der Titel der ersten Single des neuen Albums ist also treffend für Ihr Leben in den letzten Monaten. Gilt das auch für die Musik?

Paula ist jetzt eben nur noch Elke, und Elke Paula. Ich repräsentiere mich selbst. Drumherum sind lauter nette Jungs, die mich unterstützen. Vielleicht bin ich ein Stück erwachsener geworden, und wir rocken jetzt, es geht schön nach vorn. Mit Elektronik hat das nicht mehr viel zu tun. Musikalisch bin ich da angekommen, wo ich immer sein wollte. Und es fühlt sich gut an, dieses vierte Album.

Ihnen lastet ja dieses "Kinderzimmerimage" an, eingängige Songs mit netten Texten...

Oh ne. So einfach sind die Texte nicht. Da steckt eine tiefe Melancholie drin. Nur setzen wir immer Musik dahinter, die das ganze in eine positive Richtung lenkt. Ich stehe auf Songs, die man kapiert. Manch einem ist Paula nicht intellektuell oder verkopft genug. Ich finde es ausreichend, was ich da mache. Es reicht um Leute anzuregen und ist weder doof noch plump. Da kommt was rüber. Das neue Album ist auch noch ernsthafter. Rock wiegt immer schwerer als elektronische Musik.

"Ruhig Blut" heißt das neue Album, stammen alle Songs wieder von Berend?

Er hat fünf oder sechs Titel geschrieben. Ich habe ein französisches Stück geschrieben ist, eine leise Nummer, erinnert ein bisschen an Carla Bruni. Lewanka von den Quarks hat ein Stück gemacht, Tobi von Victoriapark hat drei Stücke beigesteuert. Dann gibt es noch einen Song "Lied für dich", sehr lustig, von einer Hamburger Band, "Halleluja happy happy dingdong", total albern der Name, da hat Berend mal getrommelt. Und es gibt noch ein Duett mit Bernd Begemann. Das ist aber leider nicht auf dem Album, weil es nicht so ganz reinpasste. Es wird auf einer Single sein, als Zusatzstück für Fans. Ich finde Duette ganz großartig. Aki Bosse ist ein Berliner Musiker und Freund von mir. Auf dessen Album ist auch ein gemeinsames Duett.

Wer wäre Ihr Traumduettpartner?

Ich wollte immer mit Herrn Distelmeyer von Blumfeld singen. Seitdem er nicht mehr nur Sprechgesang macht, finde ich ihn als Sänger großartig. Oder mit dem Sänger von der französischen Band Phoenix. Die habe ich gerade kennengelernt, vielleicht machen wir jetzt ein Duett. Ich muss was tun für die Karriere.

Muss Ihre Karriere denn angeschoben werden?

Im Grunde müsste ich mich schon mit einem Promi eingelassen haben, um steil nach oben zu kommen. Zwei Echo-Nominierungen, okay, das liest sich gut, aber was bringt eine Nominierung. Wenn ich plump wäre, müsste ich mich in ganz anderen Kreisen bewegen. Mich schicker anziehen, in anderen Restaurants essen gehen, wo sich die Stars rumtreiben. Aber ich bin ja mehr so ein Indie-Kind. Das interessiert mich nicht.

Die deutsche Musikszene boomt. Haben Sie Kontakt zu anderen Bands?

Über meinen Bassisten habe ich einen Kontakt zu Juli, die sind alle echt nett… Die Musik ist Geschmacksache, wie immer. Mit den Mia-Leuten bin ich befreundet. Da gibt es einige, die man kennt. Man grüßt sich, tauscht sich aus. Jeder macht, was er geil findet. Nicht immer findet man alles toll, was die andere machen. Viele sind sehr geschmäcklerisch. Vor allem bei Paula. Das ist denen zu uncool, viel zu kommerziell. Man kriegt das echt zu spüren. In Berlin ist man ja gern total "underground" und "indie". Lieber kein Geld verdienen und hip sein als Popmusik zu machen. So ist Berlin.

Was erwartet uns denn wenn wir auf ein Paula-Konzert gehen?

Mir ist nicht nur daran gelegen, die Leute mit lautem Gitarrenrock zuzuballern, sondern ich kann auch ein bisschen leiser werden. Zwischendurch spielen wir mal was Altes, was auch elektronisch ist, oder ein Stück nur mit Akustikgitarre und Gesang. Es soll nicht eintönig sein. Das finde ich toll bei Musikern, wenn sie viele Facetten bieten.

Kathrin Buchner

Tourdaten

03.11.2005 Mainz Frankfurter Hof - www.frankfurter-hof-mainz.de

04.11.2005 Weinheim Café Central - www.cafecentral.de

05.11.2005 Konstanz Kulturladen - www.kulturladen.de

06.11.2005 Fulda Kreuz - www.kreuz.com

08.11.2005 Frankfurt Nachtleben - www.batschkapp.de

09.11.2005 Duisburg Hundertmeister - www.hundertmeister.de

10.11.2005 Köln Stadtgarten - www.stadtgarten.de

12.11.2005 Wuppertal Live Club Barmen - www.lcb-online.de

13.11.2005 Dortmund FZW - www.fzw.de

16.11.2005 Marburg KfZ - www.kfz-marburg.de

17.11.2005 München Orange House - www.feierwerk.de

18.11.2005 A - Wien Szene - www.szenewien.at

19.11.2005 A - Lustenau Carini Saal - www.musicnet.at

24.11.2005 Erfurt Club Centrum - www.centrum-club.de

25.11.2005 Dresden Röschenhof - www.roeschenhof.com

26.11.2005 Chemitz Südbahnhof - www.suedbahnhof-chemnitz.de

27.11.2005 Braunschweig Meyer Rock Café - www.undercover-net.de

30.11.2005 Berlin Maria am Ostbahnhof - www.clubmaria.de

01.12.2005 Rostock Mau Club - www.mauclub.de

02.12.2005 Lingen Alter Schlachthof - www.alterschlachthof.de


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