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Phil Collins wird 60: Ein Schlagzeug-Gott und doch normal

Meist stehen die Frontsänger von Bands im Rampenlicht und den Schlagzeuger kennt niemand - Phil Collins ist das Gegenbeispiel. Früher hinter den Drums versteckt, ist er heute als Sänger berühmt.

Er ist gewiss nicht der Prototyp eines Popstars: Kein Zahnpasta-Lächeln strahlt von seinen Covern, kein gestählter Körper ist darauf zu sehen - stattdessen steht der Mann zu seinem kurzrasierten Durchschnittskopf. Phil Collins ist ein Typ, der einem auf der Straße wohl nicht auffallen würde. "Stets galt er als provozierend normal", hieß es einst in der "Süddeutschen Zeitung" über das Phänomen. Sein musikalisches Talent und seine Wandlungsfähigkeit machten ihn dennoch zu einem Pop-Tycoon. An diesem Sonntag feiert Phil Collins seinen 60. Geburtstag.

Collins wurde zunächst als Schlagzeuger, später auch als Sänger der Band "Genesis" berühmt. LPs wie "Foxtrot" (1972) oder das legendäre Konzeptalbum "The Lamb lies down on Broadway" (1974) etablierten die Band in der Musikbranche. 1981 versuchte sich Collins dann zum ersten Mal als Solokünstler und brachte das Album "Face Value" heraus, das sich in England unglaubliche 247 Wochen lang in den Charts hielt.

Er blickt somit auf eine grandiose Karriere zurück. Superhits wie "Invisible Touch" und "Another Day in Paradise" laufen nach wie vor im Radio, ausverkaufte Tourneen sprechen für sich. Trotzdem hadert Collins mit seiner Vergangenheit: "Wenn ich manche Auftritte so ansehe, denke ich: Kein Wunder, dass mich die Leute in den 80er nicht gemocht haben", sagte er der "Welt am Sonntag". Tatsächlich wurde er von der Presse oft kritisiert und seine Platten verrissen. Allerdings hatte Collins wohl immer genug Fans - insgesamt verkaufte er 250 Millionen Platten weltweit.

Seine ersten Schritte im Showbusiness machte er auf der Musicalbühne in London. Mit 14 ergatterte er eine Rolle in der West End-Show "Oliver". Zurück zu diesen Wurzeln ging es für Collins dann 2008, als er für die Musical-Version des Disney-Films "Tarzan" die Musik komponierte. Wie wandelbar er ist, zeigen auch seine verschiedenen Nebenprojekte: Er produzierte andere Künstler wie Eric Clapton, probierte sich als Schauspieler unter anderem in der Serie "Miami Vice" oder wagte den Schritt in Richtung Jazzmusik mit der "Phil Collins Big Band". In seinem jüngsten Album "Going Back" (2010) geht er zurück in die Sixties und widmet sich dem Soul und alten Motown-Klassikern.

Dass er überall mitmischen mag, zeigt auch sein spektakulärer Doppelauftritt bei den von Bob Geldof initiierten "Live Aid"- Konzerten im Juli 1985. Collins spielte zuerst in London, flog dann mit der Concorde nach Philadelphia, um auch dort auf der Bühne zu stehen. Knapp zwei Milliarden Zuschauer verfolgten das Event.

Auch in seinem Privatleben ging es drunter und drüber. Er hat fünf Kinder von drei verschiedenen Frauen. Nach den drei Scheidungen lebt er nun zurückgezogen in einem Haus am Genfer See und führt eine Fernbeziehung mit einer New Yorker TV-Journalistin.

Der Musiker musste auch gesundheitliche Rückschläge einstecken. Nach einer Operation an der Halswirbelsäule hat er kein Gefühl mehr in den Fingern. Das berühmte Schlagzeug-Solo aus "In the Air Tonight" kann er nie mehr live vor Publikum spielen. Für Studioaufnahmen greift er deshalb auf eine Notlösung zurück und befestigt sich die Schlagzeugstöcke mit Klebeband an den Händen.

Trotz des neuen Erfolges mit seinem aktuellen Album sieht sich der Musiker heute mehr als Vater denn als Superstar. Und Sorgen wegen der so oft beschworenen Nicht-Kompatibilität des Rockstar-Lebens mit dem Älterwerden macht er sich keineswegs, wie er der "Zeit" einst sagte: "Ich habe es einfach mit dem Älterwerden, weil ich in der Disziplin "Total aufregender Rock'n'Roller" nie mitgemischt habe."

Julia Häglsperger, DPA / DPA
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