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Plädoyer für den Popstar: Ein Smiley für Miley

Miley Cyrus wird gerade von vielen Kritikern zur Nervensäge und Jungstar-Prolette erklärt. Dabei ist die 20-Jährige trotz einiger Ausrutscher eine der besten Sängerinnen unserer Tage.

Von Kester Schlenz

Ja, gut, sie streckt in ihrem neuen Video und bei allen möglichen Auftritten dauernd die Zunge raus. Okay, sie lässt sich von dem grundversauten Fotografen Terry Richardson pornös ablichten und hampelt in einem Tanga durch die Gegend, den noch nicht mal Pamela Anderson tragen würde. Kein Zweifel: die amerikanische Sängerin Miley Cyrus versucht gerade, mit der Brechstange ihr braves Image aus den "Hannah Montana"-Zeiten abzustreifen. Warum auch nicht? So lange sie nicht so tragisch dabei scheitert wie einst Britney Spears, ist das schon in Ordnung. Befürchtungen, sie könne in der Gosse landen, muss aber wohl niemand haben.

Miley Cyrus' großartiger, selbstironischer Auftritt in der "Saturday Night Live"-Show beweist, dass sie sehr genau weiß, was sie tut. Nämlich kalkuliert und souverän PR für ihre gerade erschienene neue CD "Bangerz" zu machen. Reden wir also über ihre Musik: "Bangerz" liefert alles in allem großartigen, frischen Pop. Besser als das meiste Einheitszeug, das zur Zeit aus den Staaten zu uns herüber schwappt. Und vor allem: Miley Cyrus kann singen. Richtig gut singen. Besser als zum Beispiel Katy Perry, die immer so klingt, als ob sie einem verpassten Bus hinterher ruft.

Cyrus gehört in eine Liga mit Rihanna. Übertrieben? Wer ihre Klasse einmal richtig pur ohne den heute so typischen Soundbrei im Hintergrund hören will, der möge sich noch einmal ihre wirklich coole, souveräne Version des Dylan-Klassikers "You're Gonna Make Me Lonesome When You Go" auf "YouTube" ansehen. Und dazu noch die "The Backyard Sessions", kleine Filme, in denen sie sehr entspannt Country-Klassiker in ihrem Garten singt. Keine Frage: Miley Cyrus' Tanga-Zungen-Zeit wird vorübergehen. Ihre Stimme wird bleiben.