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Premiere an der Bayerischen Staatsoper: "Rusalka" im Albtraum statt im Märchen

Schon vor der Premiere hat Antonin Dvoráks lyrische Märchenoper "Rusalka" in München Aufsehen erregt. Am Samstagabend wurde die spannende, aber wenig märchenhafte Inszenierung von Martin Kusej im Nationaltheater vom Publikum mit kräftigem Beifall und einigen lauten Buh-Rufen aufgenommen.

Wütende Buhrufe und begeisterte Bravos: Die Emotionen schlugen hoch nach der ersten Premiere der neuen Saison am Samstagabend an der Bayerischen Staatsoper in München. Regisseur Martin Kusej, ab 2011 neuer Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, hatte Antonin Dvoraks Märchenoper "Rusalka" in ein düsteres Inzestdrama umgedeutet und sich dabei offenkundig von dem spektakulären Fall des österreichischen Kriminellen Josef Fritzl inspirieren lassen, der seine Tochter 24 Jahre in einem Keller seines Hauses gefangen hielt und mit ihr sieben Kinder zeugte.

Die von Martin Zehetgruber gestaltete Bühne zeigte eine Ober- und eine Unterwelt. In der Unterwelt herrscht der Wassermann, Vater der Rusalka und zugleich ihr Schänder. Rusalka versucht, aus dieser düsteren, gewaltvollen Welt zu entfliehen, was ihr aber nicht gelingt, weil sie keine Beziehung zu den Menschen "dort oben" aufbauen kann. Chiffre für diese Unfähigkeit, die vielen Inzestopfern zu Eigen ist, ist der "Prinz", der an der vergeblichen Liebe Rusalkas zugrunde geht.

Einhellig umjubelt wurde nach der gut dreistündigen Aufführung die junge lettische Sopranistin Kristine Opolais, die die Titelrolle sängerisch wie darstellerisch überzeugend verkörperte. Ovationen gab es auch für den norddeutschen Heldentenor Klaus Florian Vogt in der Rolle des Prinzen sowie für den tschechischen Dirigenten Tomas Hanus, der die musikalische Leitung des Abends innehatte.

Dvoraks "Rusalka" wurde 1901 in Prag uraufgeführt und gehört zu den Kernstücken des slawischen Repertoires. Die Premiere hatte bereits im Vorfeld Aufsehen erregt, weil Kusej ursprünglich die Häutung eines echten toten Rehs auf der Bühne zeigen wollte. Nach heftigen Protesten von Tierschützern entschied die Staatsoper, nur eine Tierattrappe zu verwenden. Trotzdem ließ es Kuseij an szenischen Schockeffekten nicht mangeln. So ließ der österreichische Regisseur ein blutiges Ballett mit (künstlichen) Rehkadavern über die Bühne gehen und schickte Rusalka zum Bad ins Aquarium.

APN/DPA / DPA
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