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ROBERT STADLOBER: Denn er weiß nicht, was er tut

Der junge Schauspieler Robert Stadlober hat seine Lieblingsrolle gefunden: Rockstar. Nun erscheint seine erste Platte. Mit dem stern sprach er über seine Zukunft.

Es ist später Nachmittag, und Robert Stadlober sieht aus wie das Bett, aus dem er erst vor kurzem gekrochen ist. Er sitzt auf einer schlaffen Couch und stochert lustlos in einem asiatischen Fertiggericht. »Ich war gestern Abend auf einem Punk-Konzert«, sagt er und wischt sich die zotteligen, blonden Haare aus dem Gesicht. »Der Sänger ist voll auf die Fresse gefallen, aber er hat weitergesungen, als wäre gar nichts. War echt geil!«

Bekannt wurde

der 19-jährige Wahl-Hamburger, der im österreichischen Friesach geboren wurde, durch seine bemerkenswerten Auftritte in der Ost-Komödie »Sonnenallee« und dem Teenie-Drama »Crazy«. Viel lieber wäre Stadlober ein Popstar, »aber nicht so ein blöder Hampelmann wie die von Bro'Sis«. Lieber einer wie der Nirvana-Sänger Kurt Cobain, sein großes Vorbild; ein junger Wilder, der niemals seinen Idealen untreu wird. »Die Scheiße ist nur«, sagt Stadlober, »dass es heute kaum noch etwas gibt, gegen das man rebellieren kann. Alles ist so subtil geworden. Man weiß gar nicht, wer die Feinde und wer die Freunde sind.«

Der Traum vom Rockstar könnte trotzdem klappen. Mit seinen Freunden Rasmus Engler und Kai Gabriel hat Stadlober die Band »Gary« gegründet und ein lärmendes Rock-Album mit dem sinnfreien Titel »The Lonely Cnorve Machine« aufgenommen. Es klingt, als würden kleine Jungs Rockstar spielen: Die Gitarren sind verzerrt, das Schlagzeug scheppert wie eine Großküche, und Robert Stadlober singt von der Schwierigkeit, groß zu werden, ohne dabei die Unschuld zu verlieren. Kein glatt gebügelter Pop fürs Frühstücksradio, eher was für den Tag der offenen Tür im Jugendzentrum. Und das ausgerechnet bei der Plattenfirma Jive, bei der auch die Pop-Jungfrau Britney Spears angestellt ist.

Über die Erfolgsaussichten seiner Band macht sich Stadlober keine Illusionen. »Scheißegal«, sagt er, »ich reiße mir doch nicht den Arsch auf, um in der ,Bravo« zu sein.» Es gibt nicht wenige, die ihn wegen solcher Sätze für ein kleines, arrogantes Großmaul halten. Einen, der schon viel zu lang die Schule schwänzt und ohne elterliche Aufsicht ist.

Aber Stadlober ist nicht arrogant, sondern nur auf sehr erfrischende Art unbefangen. Er gehört zu den wenigen Stars in Deutschland, die noch sagen, was sie denken. »Es gibt so viele Nullen im Showgeschäft, aber man darf nichts sagen, weil alle sich immer nur auf die Schulter klopfen«, klagt er. »Dabei ist Til Schweiger nun wirklich ein supermieser Schauspieler.«

Hält er sich selbst für einen besseren? »Natürlich«, antwortet er mit breitem Grinsen, »und mir kann jeder ins Gesicht sagen, dass er mich für einen Spinner hält. Das treibt mich nur an, es besser zu machen.« Na gut, wenn das so ist: Lieber Robert Stadlober, du bist ein Spinner.

Hannes Ross

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