HOME

Ruben Cossani: Rauschhaft retro

Zurück in die Sechziger: Mit viel Gefühl und tollen Songs besingt Ruben Cossani die Liebe. Hinter dieser Hamburger Popband steckt einer der profiliertesten Liedschreiber Deutschlands: Michel van Dyke, der einst Echt zum Durchbruch verhalf.

Von Tobias Schmitz

Es ist nur ein kurzes Livekonzert, aber es ist einer dieser Abende, die man nicht vergisst. Weil alles passt. Weil einem nach zehn Sekunden Zuhören ein süßer Schauer den Rücken runterfährt. Schließt man die Augen, beginnt eine Zeitreise: zurück in die Sechziger, zurück zu den Beatles, den Beach Boys, den Walker Brothers, zurück zum Klang Phil Spectors und Burt Bacharachs. Das hier aber klingt trotzdem aufregend neu. Drei Typen, drei Stimmen, eine Band: Ruben Cossani. Auch wenn es schwerfällt - diesen Namen muss man sich dringend merken.

Mit der Musik geht das viel einfacher: Dreimal die erste Single "Mitgefühl" gehört - und der Song geht nie wieder aus dem Kopf. Einmal eingelassen auf diesen Sound, der so rauschhaft retro klingt - und die Band wird zum treuen Freund und täglichen Begleiter. Und bald ist es gar nicht mehr vorstellbar - ein Leben ohne dieses Schwelgen und süße Klagen.

Wer komponiert so was? Auf der Bühne im Hamburger Mandarin-Club stehen zwölf Musiker, unter ihnen drei Blechbläser, vier Streicher und diese drei in Rollkragenpullover und graue Anzüge gekleideten Herren. Der Typ in der Mitte mit der sorgfältig zerstrubbelten Frisur und dem "Bravo"-Poster-Gesicht ist zu jung für diesen Sound. Der coole Hund mit Brille und Dreitagebart, der Schlagzeug spielt, ebenfalls. Es muss wohl dieser Blasse, etwas Unscheinbare sein, der inmitten dieser großen Besetzung ein bisschen verloren wirkt: Es ist Michel van Dyke.

Gesang vom Scheitern der goßen Liebe

1999 schrieb der gebürtige Niederländer mit "Du trägst keine Liebe in Dir" den größten Hit der Band Echt. Seine Alben "Die große Illusion" (2001) und speziell "Bossa Nova" (2004) gehören zum Schönsten, was hierzulande in den vergangenen Jahren auf CD erschien. Hemmungslos offen sang van Dyke vom Scheitern der großen Liebe und kleidete die Melancholie in fließende, eingängige Songs - schon damals im heute so populären Retro-Sound. Der kommerzielle Durchbruch blieb aus.

"Ich hatte seit meiner Kindheit einen Traum", sagt van Dyke, "ich wollte immer Teil einer Band von Freunden sein." Er musste 45 werden, um seinen Traum zu erfüllen: Beim Fußballspielen in Hamburg lernte van Dyke zufällig Konrad Wissmann, 23, kennen, der in einer Band Pop im Stil von Maroon 5 machte. "Die Musik war nicht mein Ding", sagt van Dyke, "aber den Sänger fand ich sofort großartig!" Als zu van Dyke und Wissmann auch noch Leonard Valentin Lazar, 22, stieß, der bis dahin mit Schlagzeugunterricht seine Miete bezahlt hatte, war die Band komplett.

Es dauerte ein Jahr, bis die von Michel van Dyke komponierten Songs in akribischer Kleinarbeit fertig arrangiert waren. Wie er Gestern und Heute miteinander verbindet, ist meisterhaft.

"Magische Verbindung"

Das Label 105 Music, das schon Künstler wie Annett Louisan oder Stefan Gwildis groß gemacht hat, nahm das opulente Werk mit Kusshand: "Die Verbindung der drei Sänger auf der Bühne ist magisch", sagt Firmenchef Heinz Canibol. Und: "Diese Band hat Klassiker für die Neuzeit geschrieben."

In der Tat: Das Album "Tägliche Landschaft", das am 29. Februar erscheint, steckt so voller Liebe und Hingabe, dass man ganz sentimental wird: Drei Männer aus Hamburg geben mit Herzblut und Hingabe die wärmende Antwort auf den eiskalt kalkulierten Casting-Wahn.

print