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Musik-Video "Wildest Dreams": Rassismus-Vorwürfe gegen Taylor Swift

Weil sie eine stereotype und rassistische Darstellung von Afrika zur Kolonialzeit verbreite, muss sich Taylor Swift derzeit für ihr Musikvideo zu "Wildest Dreams" einige Kritik gefallen lassen.

Kritik an neuem Musikvideo von Taylor Swift

Taylor Swift gehöre zur "Generation König der Löwen", sagt ein amerikanischer Afrikanistik-Professor. Die Musikerin steht in der Kritik, weil ihr neues Video ein stark klischeehaftes Bild von Afrika zeigt

Savannenlandschaft, weitgehend zahme Löwen, anmutige Giraffen und mittendrin ein Filmset für eine romantische Liebesschnulze. Das ist das Setting, in dem sich das Musikvideo zu Taylor Swifts neuem Song "Wildest Dreams" abspielt – und das von mehreren amerikanischen Blogs und Webseiten wegen seiner eindimensionalen Darstellung von Afrika in den 1950er Jahren kritisiert wird.

Im Zentrum des fast vier Minuten langen Clips stehen Taylor Swift, die eine Schauspielerin darstellt und ihr fiktiver Filmpartner. In der Mehrzahl der Szenen küssen sich die beiden am Filmset, fallen im Himmelbett übereinander her oder fliegen im Doppeldecker über eine Gnuherde hinweg. Abgelöst wird die Liebelei nur von Momenten, in denen Swift sich vor der Windmaschine biegt, die ihr goldgelbes Kleid in volle Länge aufbläst. Hin und wieder werden auch ein paar Visagisten, Requisiteure und Kameraleute gezeigt. Diese tragen Tropenhelm, kniehohe Stiefel, sandfarbene Hosen und weiße Hemden – Weiße auf Safari.


Diese scheinbar harmlosen Szenen einer Schauspieler-Romanze stoßen unter anderem dem Afrikanistik-Professor Matthew Carotenuto der St. Lawrence University im Bundesstaat New York sauer auf, wie er im Magazin Salon verlauten ließ. Es sei ein "sehr einfältiger Blick auf die Geschichte", den das Video vermittle. Für "Angehörige der Generation 'König der Löwen'", zu denen er auch Swift zählt, bestehe Afrika in erster Linie aus Löwen, Elefanten und den weißen "Rettern". Schwarze Afrikaner existierten nur am Rand ihrer stereotypen Vorstellung. Diese nostalgischen Bilder würden die Gräueltaten, die in zahlreichen afrikanischen Staaten verübt wurden, verharmlosen und verschweigen. Auch im US-Magazin "The Atlantic" und im britischen "Guardian" wird das Video für seine nostalgische Darstellung gerügt.

"Wildest Dreams" hat bisher 19 Millionen Klicks

Die Sängerin hat bisher noch nicht Stellung zu den Vorwürfen genommen, dafür hat sich Regisseur Joseph Khan verteidigt. In einer Mitteilung sagte er: "Es handelt sich nicht um ein Musikvideo über Kolonialismus, sondern über eine Liebesgeschichte auf dem Set einer Filmcrew in Afrika 1950." Es solle an die Zeit der großen Hollywood-Romanzen erinnern, wie jene zwischen Elizabeth Taylor und Richard Burton. Es seien mehrere Schwarzafrikaner "in mehreren Einstellungen" zu sehen (offenbar gut zwischen wallendem Kleid und Elefanten versteckt), außerdem habe er selbst asiatische Wurzeln und seine Produzentin sowie der Drehbuchschreiber seien Afroamerikaner.

Egal, ob und wie sich Swift in der Debatte äußern wird, der Clip hatte bereits mehr als 19 Millionen Klicks und wird durch die Diskussionen noch einige Hunderttausend dazugewinnen. Im Musikvideo selbst gibt es für die Schmalspur-Liz-Taylor übrigens kein Happy End. Bei der Filmpremiere in einer fiktiven amerikanischen Stadt ist ihr Safari-Boy leider mit einer anderen da.

jho
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