The Cure Comeback der Heulsusen


Die britische Gruppe The Cure, Hausband aller Melancholiker, kehrt mit einer neuen CD zurück. Die ist allerdings in jeder Hinsicht ziemlich traurig geraten.

Robert Smith hat es nicht leicht. Er ist ein Mann, der nicht glücklich sein darf. Es spricht sogar einiges dafür, dass er seinen Job verlieren würde, wenn er es wäre.

Der Brite lebt davon, ein sentimentaler Zweifler zu sein, der sich dem Tod immer ein wenig näher fühlt als dem Leben. So ist Robert Smith zum mehrfachen Millionär geworden, so hat Robert Smith knapp 30 Millionen Platten verkauft. Deshalb ist es ihm auch ein wenig peinlich, über seine Lieblingsbeschäftigung zu sprechen. "Ich liebe es, Bier zu trinken und dabei meinem Fußballteam 'Crawley' beim Verlieren zuzugucken", gesteht Smith. "Aber das sollten Sie vielleicht nicht schreiben. Es würde Ihnen sowieso kein Mensch glauben."

Robert Smith ist der Sänger, Komponist und Erfinder der Weltschmerzgemeinschaft The Cure. Einer Band, die für ihre brillanten Trauerstücke wie "Boys Don't Cry", "Lullaby" oder "Inbetween Days" wie eine Religionsgemeinschaft verehrt wird. Wer in den achtziger Jahren am Leben zweifelte, für den gab es nur eine Gruppe: The Cure. Ihre Konzerte waren Messen, auf denen sich das stets schwarz gewandete Publikum in gepflegter Melancholie suhlte. Und ihr Zeremonienmeister war Robert Smith, der sich kleidete wie ein Schlossgespenst: schwarze Kutte, schwarzer Lippenstift, schwarze Kajal-Augen und eine Frisur, die stark an ein explodiertes Vogelnest erinnerte.

Natürlich wirkt es da, als sei man in ein Zeitloch gefallen, wenn Robert Smith an einem Maitag im Jahre 2004 in exakt derselben Maskerade vor einem sitzt. Alles an Robert Smith ist schwarz: die klumpigen Schuhe, die labberige Stoffhose, das XXL-Hemd mit ausgeschnittenem Kragen, die Lippen und die mit Kajal zugetuschten Augen. Andererseits macht das alles Sinn, denn Smith hat seine Trauerarbeit wieder aufgenommen: Nach vierjähriger Pause veröffentlichen The Cure ihr neues Album mit dem schlichten Titel "The Cure".

Spektakulär allerdings klingt das Werk nicht: Die Songs sind eher sperrige Lärmgebilde, denen Robert Smith mit wehleidiger Stimme Melodien zu entlocken versucht. Manchmal erinnern sie an eine Urschreitherapie, nur in ganz wenigen Augenblicken scheint Robert Smiths Kompositionstalent für rührend sentimentale Lieder durch.

Die Millionen Anhänger

von The Cure wird das wenig stören. Sie werden das Album kaufen und es an die Spitze der Hitparaden weltweit katapultieren. Es geht schon lange nicht mehr nur um die Musik, es geht um ein Lebensgefühl: wir Melancholiker gegen die Welt der Spießer mit Bausparvertrag. Auch wenn die meisten wohl längst einen abgeschlossen haben. Etwas muss man sich ja aus den alten Zeiten bewahren, und sei es nur ein diffuses Gefühl.

Vielleicht sollte man dem eingefleischten Fan deswegen eine Tatsache nur sehr schonend beibringen. Vor ein paar Wochen hat Robert Smith ein paar seiner Songs als Werbemelodien an einen Autohersteller verkauft. Wenn das nicht zum Weinen ist.

Hannes Ross


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