Super Bowl
Um die Botschaft von Bad Bunny zu verstehen, muss man nur zwei Worte Spanisch kennen

Bad Bunny springt während der Halbzeit-Show in die Menge
Zweimal richtete Bad Bunny während der Halbzeit-Show-Performance das Wort direkt ans Publikum. Wie gewohnt sprach er dabei überwiegend Spanisch
© IMAGO/Charles Baus
In der Halbzeit-Show hat Bad Bunny seine Heimat, Puerto Rico, hochleben lassen. Die vielleicht wichtigste Botschaft des Abends zeigte sich am Ende – in nur zwei Worten.

Gerade einmal 13 Minuten dauerte der Auftritt von Bad Bunny in der Halbzeit-Show des Super Bowl. Dennoch gelang es dem Sänger aus Puerto Rico, so viele kulturelle Symbole einzubauen, dass weit mehr dahintersteckt, als man auf den ersten Blick erkennt. Vielleicht noch wichtiger als das überbordende Bühnenbild und die Songs, die der 31-Jährige für seinen Auftritt ausgewählt hat, waren die Momente, in denen Bad Bunny direkt zum Publikum sprach. Zweimal hielt der Sänger während seiner Performance inne, um – überwiegend spanische – Worte an die Menschen im Stadion und vor den TV-Bildschirmen zu richten.

Seiner Muttersprache bleibt Bad Bunny treu

Die Sprache hatte im Vorfeld des Auftritts für reichlich Diskussionsstoff gesorgt. Insbesondere das konservative Lager war nicht einverstanden mit einer spanischsprachigen Halbzeit-Show. Auch Donald Trump hatte sich darüber beschwert, dass "niemand ein Wort versteht von dem, was dieser Typ sagt". Tatsächlich unterstreichen die Worte und insbesondere die Sprache, die Bad Bunny während der Halbzeit-Show gesprochen hat, eine der zentralen Botschaften, für die er seit Beginn seiner Karriere steht: sich nicht verbiegen zu lassen.

Bad Bunny singt während der Hablzeit-Show des Super Bowl
In seinen Auftritt hat Bad Bunny eine Trauung integriert. Während der Hochzeitsszene rief er: "Tanzt ohne Angst, liebt ohne Angst"
© Julio Cortez/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

In der ersten Hälfte seines Auftritts tauchten in der Kulisse, einer Zuckerrohr-Plantage, plötzlich eine Handvoll Geigenspieler auf, die das Intro zum Song "Monaco" spielten. Bad Bunny schritt zwischen ihnen hindurch, lief direkt auf die Kamera zu und stellte sich mit seinem vollen Namen – Benito Antonio Martínez Ocasio – vor. Dann fuhr er fort: "Wenn ich heute beim Super Bowl 60 bin, dann weil ich nie, niemals aufgehört habe, an mich selbst zu glauben. Du solltest auch an dich selbst glauben. Du bist mehr wert, als du denkst. Vertrau mir." 

Mit seinem Geburtsnamen und seiner Muttersprache, der er stets treu geblieben ist, unterstreicht er einmal mehr, dass er seine Persönlichkeit und seinen Stil nicht verändert hat und dennoch auf der größten Bühne der Welt gelandet ist. Indem er den einzelnen Zuschauer direkt anspricht, vermittelt Bad Bunny, dass jeder seine Träume verwirklichen kann, wenn man sich selbst vertraut und authentisch bleibt. 

Was bedeutet "Seguimos aquí"?

Die einzigen Worte, die Bad Bunny auf Englisch spricht – "God bless America" – läuteten die wohl eindrucksvollste Szene seiner Performance ein. Unmittelbar nach diesen Worten zählte der Musiker zahlreiche Länder in Nord-, Mittel- und Südamerika auf. Dabei wechselte er jedoch wieder ins Spanische. Die Message ist klar: Amerika ist mehr als nur die Vereinigten Staaten. Passend dazu flankierten den Headliner Tänzer mit den Flaggen der jeweiligen Nationen, eine visuelle Darstellung der vereinten Hemisphäre. 

Große Strahlkraft entfalteten in dem Zuge auch zwei kleine Worte, die der Sänger am Ende seines Auftritts verlauten ließ: "Seguimos aquí", sinngemäß übersetzt: "Wir sind immer noch hier". Diesen Slogan nutzte Bad Bunny bereits Anfang des vergangenen Jahres, um sein aktuelles Album "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" zu bewerben. Zwei Tage vor der Veröffentlichung des Albums erschien ein begleitender Kurzfilm, der die Geschichte eines älteren Mannes in Puerto Rico erzählt. In dem Clip kramt dieser Fotos hervor und schwelgt in Erinnerungen an frühere Zeiten. 

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Die Anfangsszenen zeigen die Natur der Karibik-Insel und sprühen vor Nostalgie, bevor es zum harten Cut kommt: Der ältere Herr spaziert durch seine Nachbarschaft in die lokale Bäckerei und beobachtet dabei die zunehmende Gentrifizierung der Insel, eines der Hauptthemen auf dem Bad-Bunny-Album. Plötzlich ist der Einheimische von englischsprachigen Ausländern umgeben und in der Bäckerei ist nur noch Kartenzahlung erwünscht. Da der Herr lediglich Bargeld bei sich hat, zahlt ein jüngerer Mann für ihn, ein Einheimischer aus Puerto Rico.

An zwei Worten zeigt sich die wichtigste politische Botschaft

Beim Verlassen des Ladens ruft er dem älteren Mann "Seguimos aquí" zu. Ein Zeichen dafür, dass die heimische Kultur Widerstand leistet, sich nicht verdrängen lässt und allen Problemen und äußeren Einflüssen mit der eigenen Identität trotzt.

Im Rahmen der Super-Bowl-Performance und einem zunehmend feindlicheren Klima gegenüber lateinamerikanischen Einwanderern hätte Bad Bunny diese beiden Worte strategisch kaum besser platzieren können. Er setzte sie an das Ende seiner Länder-Aufzählung, die er mit seiner Heimat, Puerto Rico, beendete. "Seguimos aquí", rief der Sänger, während er einen Football mit den Worten "Together we are America" in die Luft reckte. Damit ruft er die lateinamerikanische Community dazu auf, sich dem wachsenden Druck nicht zu beugen und an der eigenen Kultur festzuhalten, gleichzeitig aber auch an die Einheit aller Länder Amerikas zu glauben – die wahrscheinlich politischste Botschaft an diesem Abend.

Quellen: CNN, "El País", "Forbes", "Trill"

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