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The Strokes: It's only Rock'n'Roll, but they like it

Ihr Debütalbum vor zwei Jahren wurde als Sensation gepriesen. Jetzt hat die New Yorker Band The Strokes ausgeholt zum zweiten Streich - und die Kritik feiert schon wieder.

Die spindeldürren, zerzausten Jungs der New Yorker Gitarrenband The Strokes wissen, wie man sich als Rockstars benimmt. Erst mal zu spät kommen, und zwar gleich vier Stunden. Dann sofort Bier, aber bitte zwei pro Mann. Das eine, um es in großen Schlucken gegen den Kater hinunterzustürzen, das andere zum langsamen Wegschlürfen.

Immerhin ist heute verdammt noch mal Sonntag, und die Sonne brennt hier oben auf der Hotelterrasse auch am späten Nachmittag noch grell genug. Es beschwert sich ja auch keiner der angereisten Journalisten aus Europa. So hatten sie Zeit genug, sich das neue Strokes-Album "Room On Fire" gleich mehrmals anzuhören. Und sind sich auf deutsch, englisch, französisch und niederländisch einig: Gei-le Scheibe! Die Klangwalzen aus Unisonogitarren und Punkriffs, über denen Julian Casablancas seine melancholisch monotone Stimme erhebt, sind noch gewaltiger, ergreifender, mitreißender als auf dem ersten Album. Und schon das galt als Sensation.

Damals haben die Fünf eine Renaissance der Rockclubs initiiert und so das New Yorker Nachtleben den DJs entrissen. Außerdem haben sie den Weg für eine neue Generation Rockmusiker geebnet, zu der die Yeah Yeah Yeahs gehören, die Kings of Leon, Interpol und auch die White Stripes. Das sind lauter Bands, die nicht eine einzige eigene Idee haben und trotzdem so energiegeladen und frisch über die Bühne kommen, als hätten sie sich das alles gerade erst ausgedacht. Weil eben nur Spielverderber fortgeschrittenen Alters wissen, dass die Strokes wie Velvet Underground klingen, die Kings of Leon wie die Allman Brothers und Interpol wie The Cure.

Die Musik der Strokes kann der Schlagzeuger Fabrizio Moretti allerdings viel besser erklären. Dem scheint der ganze Rummel Spaß zu machen. Er muss sich ja auch nicht ständig anhören, dass er ein verwöhntes Früchtchen ist, das Rockmusik nur als Stilübung betreibt, obwohl er als Boyfriend von Drew Barrymore andauernd in den Klatschspalten auftaucht. Julian Casablancas dagegen ist der Sohn des Modelagenturbesitzers John Casablancas, der Vater von Albert Hammond Jr. war der Softrocker gleichen Namens, und die beiden haben sich auf einem Schweizer Internat für schwer erziehbare Millionärssöhnchen kennen gelernt. Das haben ihnen die New Yorker Hipster oft vorgehalten, vor allem, als die englische Musikpresse die Strokes vor zwei Jahren hochgejubelt hat - Glamour und Hype sind im Rock'n'Roll immer noch verdächtig.

Doch all das soll spätestens bei den Konzerten im Herbst keine Rolle mehr spielen. Denn eines können die Strokes: die Wucht aus dem Studio auf die Bühne bringen. Für Ruhm, Reichtum oder Mädchen haben sie die Band jedenfalls nicht gegründet. Sondern, sagt Moretti: "Wenn man sich eine CD anhört und einem dabei Gänsehaut den Rücken hinunterfährt und man das Gefühl hat, dass man höchstpersönlichen Besuch von jemandem bekommt, der einen etwas ganz Neues fühlen lässt, dann ist das die großartigste Beziehung, die man ganz früh im Leben mit etwas haben kann, das von außen kommt." Damit hat er in einem Satz das Prinzip Pop erklärt. Und somit auch die Strokes.

Andrian Kreye

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