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Albert Hammond jr.: Der Sohn des Hitschmieds

Die Songs seines Vaters Albert Hammond verkauften sich 340 Millionen Mal. Mit seiner Band The Strokes hat sich der Junior längst freigeschwommen. Auf seinem Solo-Album "Yours To Keep" zeigt er nun sein Gespür für schöne Melodien.

Von Thomas Soltau

Immer, wenn im Café oder Autoradio Hits wie "The Air That I Breathe", "One Moment In Time" oder "It Never Rains in Southern California" laufen, zuckt Albert Hammond Jr. kurz zusammen. Der 26-Jährige dreht sich dann instinktiv um und wartet auf die Reaktionen der Zweiklassen-Gesellschaft. Leute in seinem Alter zeigen sich meist unbeeindruckt. Bei den Älteren entdeckt er manchmal ein Lächeln, und noch viel häufiger singen oder summen sie ungeniert mit. Die Lieder stammen aus der Feder seines Vaters, dem legendären Songwriter Albert Hammond, der über 340 Millionen Platten verkauft hat und Tina Turner oder Tom Jones zu Hits verhalf.

Auch Sohnemann Albert Hammond Jr. spielt Musik - in der angesagten New Yorker Band The Strokes. Er ist noch weit weg von irgendwelchen Evergreens, die im Supermarkt zum Kauf anregen sollen. Immerhin pfeifen die Kids auf der Straße Strokes-Songs. Nur die sind nicht von Albert Jr. sondern kommen vom Kopf der Band, Sänger Julian Casablancas. Und da liegt das eigentliche Problem. Es ist ja nicht so, dass Albert Jr. nichts zur Kreativität der Strokes beitragen will, vielmehr sind seine Elaborate bei der Band stets abgeblitzt. "Ich hätte meine Songs schon gerne auf einem Album der Strokes gesehen, letztlich habe ich nicht genug Druck gemacht - nur daran liegt es. Die anderen mögen meine Songs, sie passen nur nicht ganz in das Konzept der Band."

Verletzter Stolz als Antrieb

Also kurz mal trotzig eine Solo-Platte veröffentlichen, um zu zeigen, dass man auch was kann. Vorbilder, wie etwa Depeche Modes Dave Gahan, gibt es ja genug. Und Albert Jr. ergänzt: "Nicht, dass irgendjemand denkt, ich hätte keine anderen Hobbys. Ich bin eigentlich ein ziemlich gemütlicher Mensch, aber ich wollte dieses Album unbedingt machen. Die Songs haben sich über einen gewissen Zeitraum angesammelt - und jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sie raus zu lassen. Tja, und vielleicht wollte ich Julian auch zeigen, dass es noch einen weiteren guten Songwriter gibt."

Ein bisschen verletzter Stolz schwingt da schon mit. Dabei empfiehlt sich Hammond Jr. auf "Yours To Keep" als eigenständiger Songschreiber mit einer prägnanten Stimme, der seine musikalischen Wurzeln jedoch an keiner Stelle verleugnet. Seine Songs pendeln souverän zwischen Rock, Gitarrenpop und träumerischen Folkballaden. Ganz ohne die Unterstützung der Stroke-Buddys gingen die Aufnahmen dann aber doch nicht über die Bühne. Sänger Julian durfte als Gast zum Gelingen des Albums beitragen - ein kleiner Rollentausch, den Albert zu schätzen weiß. "Endlich musste unser Boss mal nach meiner Pfeife tanzen! Ganz ehrlich, er ist kein Diktator, aber es macht schon Spaß, ihm mal zu sagen, wo es lang geht." Und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Das wird an meinem innigen Verhältnis zu Julian nichts ändern, morgen sitzen wir wieder zusammen im Tourbus und singen Liebeslieder".

Musik statt Rollerskates

Bei so einem berühmten Papa wie Albert Hammond drängt sich natürlich die Frage auf, ob er dem Sohn Tipps gibt, wie man todsichere Hits schreibt? "Nein, nicht wirklich. Wenn das Konzept meines Vaters für Welthits so einfach zu kopieren wäre, hätte ich mit den Strokes vermutlich 20 Evergreens geschrieben. Albert senior tritt mir in den Arsch, wenn ich mal wieder zu schlaff bin, an den Songs zu feilen. Aber ansonsten mischt er sich überhaupt nicht in meine Arbeit ein - was ich sehr gut finde. Und eigentlich wollte er ja auch gar nicht, dass ich mal Musiker werde. Schließlich habe ich erst mit zwölf angefangen, Gitarre zu spielen. Verdammt spät, wenn du zuhause von Instrumenten umzingelt bist." Albert Hammond Jr. hatte nämlich ein ganz anderes, weniger cooles Hobby, mit dem er garantiert keine Frauen beeindrucken konnte. "Früher liebte ich das Rollerskaten und war sogar mal amerikanischer Meister der Westküste. Aber das habe ich aufgegeben - es war mir dann doch ein wenig peinlich."

Statt Pirouetten zu drehen, schlug Albert Jr. plötzlich stundenlang mit grimmiger Mine vor dem Spiegel Akkorde. Und mit der richtigen Wahl der Klamotten stieg auch sein Erfolg bei den Mädels. Heute spielt er in einer hippen Band, die Fans kopieren seinen Stil. Wie wichtig sind also Mode und Stil für ihn? "Seit ich drei Jahre alt bin, habe ich einen sehr starken Hang, mich durch Kleidung auszudrücken. Das führe ich jetzt auf ganz natürliche Weise weiter. Es ist nicht etwas, das ich akribisch verfolge, ich bin ja nicht Paris Hilton. Das Interesse für Mode liegt vielmehr in meiner Natur, ohne dabei ein Trendsetter zu sein. Es ist nur immer wieder komisch, wenn Du auf der Bühne stehst und auf lauter Kopien von Dir schaust."

Das Bild wird Albert Jr. auch auf seiner anstehenden Tour im Dezember begleiten. Eine Armee aus modischen Epigonen wartet in engen Jeans, Secondhandsakko und Converse All Stars auf den neuen Songwriter. Dann wird er für zwei Konzerte nach Berlin und Hamburg reisen, um zu zeigen, dass er mehr als nur der Strokes-Gitarrist ist. Und auch die Visionen, dass hübsche Mädchen nach dem Konzert durch seine Locken streicheln, stört ihn nicht. "Hübsche Mädchen wirken auf mich wie ein Antidepressivum. Deshalb lautet mein Motto: Nur her mit den Mädels." Zumindest in dieser Einstellung verhält sich Albert Hammond Jr. schon wie ein abgehangener Altmeister, dessen Hits im Radio laufen.