HOME

Todestag von John Lennon: Yoko Ono bleibt unversöhnlich

Zum 26. Todestag von John Lennon hat seine Frau Yoko Ono einen Brief veröffentlicht. Darin ruft sie zum Weltfrieden auf und bittet kollektiv um Vergebung. Sie selbst kann dem Mörder jedoch nicht verzeihen.

Von Cornelia Fuchs, London

Yoko Ono hat zum 26. Todestag von John Lennon mit ganzseitigen Anzeigen in britischen Tageszeitungen zu Frieden und Vergebung aufgerufen. John war am 8. Dezember 1980 von Mark Chapman vor dem Dakota-Gebäude am Central Park in New York erschossen worden.

Chapman hatte Lennon kurz vor den Schüssen noch um ein Autogramm gebeten. Seitdem ist er im State Prison, New York, inhaftiert. Erst im Oktober wurde sein vierter Antrag auf Bewährung abgelehnt - Yoko Ono hat bisher gegen jede Entlassung von Lennons Mörder protestiert.

In ihrem Brief an die Welt schreibt sie nun: "Als Witwe eines Menschen, der durch einen Gewaltakt getötet wurde, weiß ich nicht, ob ich jemals bereit bin, dem zu verzeihen, der den Abzug gezogen hat. Ich bin sicher, dass alle Opfer von Gewalt so fühlen wie ich. Aber die Welt braucht dringend Heilung".

Hier der Brief im Wortlaut:

"Vergebt uns!

Der 8. Dezember ist wieder da. Jedes Jahr höre ich an diesem Tag von Menschen aus aller Welt, die an meinen Mann John Lennon erinnern und an seine Friedensbotschaft. Sie schreiben mir, um mir zu sagen, dass sie an diesem Tag an John denken und daran, wie er erschossen wurde in der Mitte seines Lebens, mit 40 Jahren, als er noch so viel vor sich hatte.

Ich danke für Eure nicht enden wollende Liebe für John und auch für Eure Sorge um mich an diesem tragischen Jahrestag. Doch während wir dieses Jahr am 8. Dezember John gedenken, möchte ich folgende Botschaften an die Millionen Menschen in aller Welt senden, die leiden müssen:

An die Menschen, die ebenfalls Angehörige völlig ohne Sinn verloren haben: Vergebt uns, dass wir es nicht geschafft haben, diese Tragödie zu verhindern. Wir beten darum, dass Eure Wunden heilen mögen. An die Soldaten aus allen Ländern und durch alle Jahrhunderte, die ihr Leben lang versehrt bleiben werden oder die ihr Leben verloren haben: Vergebt uns für unsere falschen Entscheidungen und was daraus geworden ist.

An die Zivilisten, die schwer verletzt wurden oder getötet oder die ihre Angehörigen verloren haben: Vergebt uns, dass wir dies nicht verhindern konnten. An die Menschen, die gefoltert und missbraucht wurden: Vergebt uns, dass wir dies zugelassen haben.

Wisst, dass Euer Verlust unser Verlust ist. Wisst, dass der physische und emotionale Missbrauch, den ihr erleiden musstet, noch lange die Welt und unsere Gesellschaft bestimmen wird. Wisst, dass die Last unsere ist.

Als Witwe eines Menschen, der durch einen Akt der Gewalt getötet wurde, weiß ich nicht, ob ich jemals bereit sein werde, demjenigen zu verzeihen, der den Abzug gezogen hat. Ich bin sicher, alle Opfer von Gewalt fühlen so wie ich. Aber die Welt braucht dringend Heilung.

Lasst uns die Wunden gemeinsam heilen. Lasst den 8. Dezember jedes Jahr zum Tag werden, an dem wir diejenigen um Vergebung bitten, die Unsagbares erleiden mussten.

Lasst uns darum bitten, dass wir eines Tages sagen können, wir haben uns selbst geheilt - und durch unsere Heilung heilen wir die Welt.

Mit großer Liebe,

Yoko Ono Lennon, New York City, 2006"

Themen in diesem Artikel