HOME

Trauer: Komponist Luciano Berio in Rom gestorben

Der italienische Komponist und Dirigent Luciano Berio ist im Alter von 77 Jahren in Rom gestorben. Er erlag in der römischen Gemelli-Universitätsklinik einem Krebsleiden.

Was seine Lieblingsbeschäftigung sei, wurde Luciano Berio einmal gefragt. «Musik denken», lautete seine Antwort - und eben das tat er sein Leben lang. Der italienische Komponist galt als einer der führenden Vertreter der zeitgenössischen Musik, als Pionier und Vermittler zwischen Literatur und Noten. Am Dienstag ist Berio im Alter von 77 Jahren in einer römischen Klinik gestorben.

Einer Musikerfamilie entsprungen

Die Liebe zur Musik wurde dem massigen Mann, der am 24. Oktober 1924 im ligurischen Ort Oneglia zur Welt kam, schon in die Wiege gelegt, waren doch bereits sein Vater und Großvater angesehene Komponisten. «Nur eine kurze Zeit lang wollte ich Kapitän der Kriegsmarine werden», gestand er einmal in einem Interview. Der Hang zu Noten und Klängen war stärker. Sein erstes Werk, eine Klavier- Pastorale, erdachte Berio bereits im Alter von zwölf Jahren.

Verbindung von Sprache und Musik

Aber Berio war nicht nur ein raffinierter Komponist, sondern auch Dirigent und Lehrer - ein Intellektueller mit Schwäche für die Großen der Literatur. Ob Joyce, Auden, Cummings oder Calvino: Die Werke des Norditalieners sind häufig «Textverarbeitungen», bei denen die Musik der Sprache und die Sprache der Musik zusammenfließen.

Liebe zu Eco und Bernstein

Über die Werke Umberto Ecos soll er einmal gesagt haben: «Es war Liebe auf den ersten Blick.» Und als Hommage an Leonard Bernstein und die New Yorker Philharmoniker komponierte er 1969 die «Sinfonia»; vielleicht sein bekanntestes Stück, das jedoch auch die Kritiker auf den Plan rief. Kommerziell sei Berio geworden, hieß es damals.

Internationale Lehrtätigkeiten

1989 wurde Berio, einer der Väter elektronischer Musik, mit dem Ernst-von-Siemens-Musikpreis ausgezeichnet. In Fachkreisen wird diese Würdigung auch als der «Nobelpreis für Musik» bezeichnet. Berio lehrte an so angesehenen Schulen wie Tanglewood, San Francisco, Cambridge und Harvard. Er selbst hatte am Verdi- Konservatorium in Mailand, in den USA und in Deutschland seine Ausbildung absolviert.

"Der Komponist muss zu Hause arbeiten"

Von 1974 bis 1980 war Berio Leiter des «Institut de Recherche et de Coordination Acoustique-Musique» (IRCAM) in Paris. Aber bereits 1988 gestand er einem Journalisten, dass er endgültig mit der Arbeit in großen Musiklabors abgeschlossen habe. «Der Komponist muss zu Hause mit seinen eigenen Geräten arbeiten.»

Genau das tat er in den letzten Jahren seines Lebens in einer Villa in der romantischen Hügellandschaft der Toskana. Unterstützt wurde er bei der kompositorischen Arbeit daheim von seiner jungen Frau Talia Packer, einer Musikwissenschaftlerin aus Israel, und den beiden Kindern Daniel und Jonathan. Seit 2000 war er Präsident der Akademie Santa Cecilia in Rom.

Am Diestagabend erlag Luciano Berio im Alter von 77 Jahren in Rom einem Krebsleiden.

DPA
Themen in diesem Artikel