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Prügel-Nonnen in Italien: Vier Fäuste und ein Hallelujah

In einem italienischen Kloster haben zwei Nonnen die Grundregeln der christlichen Nächstenliebe brutal über Bord geworfen - und mit Gewalt gegen ihre Chefin rebelliert. Zuerst musste der Bischof reagieren, jetzt ist der Vatikan dran.

Von Luisa Brandl, Rom

Dass es hinter Klostermauern nicht immer friedlich, bisweilen sogar kriminell zugeht, ist bekannt, spätestens seitdem Umberto Eco Mönche im "Namen der Rose" morden ließ. Neu ist jedoch, dass sich auch Nonnen hinter den vermeintlich schützenden Mauern regelrecht bekriegen. So geschehen in dem ehrwürdigen Klarissenkloster von Santa Chiara in der Stadt Bisciglie. Dort ging es zuletzt alles andere als christlich zu.

Allein mit der autoritären Äbtissin

Wie italienische Agenturen berichteten, sollen die beiden Ordensschwestern Annamaria und Gianbattista ihre Oberin Liliana angegriffen haben, um sich gegen deren autoritäres Auftreten zu wehren. Gekratzt sollen die beiden haben, und die Chefin sei zu Boden gegangen, wird berichtet. Bezeugen konnte den Übergriff kaum jemand, denn die beiden Nonnen lebten zuletzt allein mit der betagten Äbtissin, nachdem zwei Schwestern des Klosters gestorben waren. Der Tod der beiden hatte offensichtlich das fein austarierte soziale Gleichgewicht unter den Nonnen ins Wanken gebracht.

Wenn sich Nonnen prügeln, ist der zuständige Bischof gefragt. In diesem Fall war es Giovanni Battista Pichierri, der Bischof von Bisciglie in der Region Apulien. Vergeblich versuchte der, dem Krawall unterm Kruzifix Einhalt zu gebieten. Schließlich erklärte er resigniert und etwas beschönigend: Die Fortsetzung des heiteren Klosterlebens sei leider nicht mehr möglich - und verfügte die Trennung der gewaltbereiten Schwestern: Die raufsüchtigen Nonnen wurden ins 45 Kilometer entfernte Stift Altamura versetzt.

Liliana will nicht weichen

Die 80-jährige Klostervorsteherin hat seither ihre Ruhe, vielleicht sogar eine größere Ruhe, als sie es sich wünscht. Denn nun lebt sie allein in Santa Chiara, wo sie mehr als die Hälfte ihres Lebens zubrachte. Sicherheitshalber hat sie den Papst und die Anwohner des Ortes bereits wissen lassen, dass sie keinesfalls bereit sei, hier noch einmal auszuziehen. Und dem Bischof verweigerte die renitente Liliana den Zutritt. Sie ginge erst, beschied sie ihren Vorgesetzten, wenn der Herr sie aus dem irdischen Leben abberufe. Über die Zukunft des Klosters wird jetzt im Vatikan entschieden.

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