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"Anne Will" Ein Hallelujah von Haseloff: Im ersten Talk des Jahres macht sich (ein bisschen) Zuversicht breit

Die Runde bei "Anne Will" beugte sich thematisch über den "mühsamen Start ins Jahr 2021"
Die Runde bei "Anne Will" beugte sich thematisch über den "mühsamen Start ins Jahr 2021"
© NDR/Wolfgang Borrs
Während Anne Will über den mühsamen Jahresstart sprechen will, schauen ihre Gäste positiv in die Zukunft.
Von Anrea Zschocher

Ein wenig Abwechslung bei "Anne Will". Statt mit bemühten Fragen ihren Talk zu eröffnen, ging es in der ersten Sendung nach der Weihnachtspause vor allem darum, den Status Quo zu besprechen und einen Ausblick auf die kommenden Wochen zu geben. "Wenig Impfstoff, hoch ansteckende Virus-Mutationen – mühsamer Start ins neue Jahr", unter diesem Motto begrüßte Will das neue Talkjahr.

Zu Gast bei "Anne Will" waren:

  • Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
  • Melanie Brinkmann, Professorin für Virologie am Institut für Genetik an der Technischen Universität in Braunschweig
  • Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
  • Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender des Weltärztebundes
  • Martin Knobbe, Leiter des "Spiegel"-Hauptstadtbüros

Welche der vielen Fragen Anne Wills denn nun die Drängendste ist, das kommt immer auch auf die eigene Perspektive an. Ist es wichtig, sich intensiver mit der Mutation des Coronavirus zu beschäftigen oder mit den fehlenden Impfdosen? Ist die Impfbereitschaft von 50 % in der Bevölkerung eher als hoch oder als niedrig anzusehen? Sollte die Mobilität aller eingeschränkt werden, oder nur die aus den Nachbarländern? Jeder der Anwesenden hatte dazu eine ganz eigene Meinung, Versäumnisse wollte aber doch niemand so wirklich eingestehen.

Mutation könnte zum Problem werden

Denn dass es nun die weitaus ansteckendere Mutation in Deutschland gibt, das ist Fakt. Aber weil Deutschland noch zu wenig Sequenzierung betreibt, steht momentan noch nicht zweifelsfrei fest, was genau das für die Bevölkerung bedeutet. Die Virologin Melanie Brinkmann geht davon aus, dass sich die Mutation um bis zu 50 % besser vermehren und übertragen kann. Wenn sich das in Labortests bestätigt, dann, so sagte Brinkmann, "haben wir ein echtes Problem." Ob die jetzigen Maßnahmen dann ausreichen, ist fraglich.

Mobilität einschränken

Die Virologin kritisierte aber auch die aktuellen Entscheidungen im Lockdown. Ihrer Ansicht nach seien wichtige Bereiche ausgelassen worden. Dazu zählt der Arbeitsplatz, aktuell befinden sich sehr viel weniger Menschen im Homeoffice als im ersten Lockdown. Hier kann es aber wie überall, wo Menschen nah zusammensitzen und die Maske zum gemeinsamen Mittagessen dann doch mal abnehmen, schnell zu Übertragungen kommen. Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, fordert ebenfalls, dass mehr Menschen im Homeoffice arbeiten sollten. Auch Manuela Schwesig sieht in der Mobilität vieler Menschen ein Problem. Sie sprach sich dafür aus, Reisen aus dem Ausland zu unterbinden und auch die innerdeutsche Pendelei in den Fokus zu nehmen und nach Alternativen zu suchen.

Versagen aller, dass Schulen geschlossen sind

Was – neben der Arbeit – viele zum Pendeln zwingt, sind die eigenen Kinder. Und hier sprach immerhin Virologin Melanie Brinkmann Tacheles. "Ich sehe es als Versagen an, dass wir die Schulen wieder schließen mussten." Leider positionierten sich der Ministerpräsident und die Ministerpräsidentin nicht. Dass es so weit kam, war für Brinkmann keine Überraschung. "So, wie die Schulen geöffnet waren, war klar, dass es zu Übertragungen kommt."

Und auch auf die Frage, die Eltern spaltet, hatte sie eine Antwort. Ob Kinder die Treiber der Pandemie sind oder überhaupt keine Rolle spielen, da liegt die Wahrheit in der Mitte. Dass in einigen Bundesländern, auch unter den Vorzeichen des mutierten Coronavirus, Schüler und Schülerinnen doch wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren, ist mindestens fragwürdig.

Für Schwesig, in deren Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ab Montag die Abschlussklassen der 10. Und 12. Klasse wieder an die Schulen zurückkehren, sieht sie aber keine Probleme. Brinkmann wird da sehr viel deutlicher, das Ziel müsse sein, den Inzidenzwert auf deutlich unter 50 zu senken. Nur dann hätte man überhaupt eine Chance, den dritten Lockdown zu verhindern.

Der Weg aus der Pandemie ist Impfen

Dennoch, da waren sich alle Gäste einig, der einzige Weg aus der Pandemie ist der Impfstoff. Bis wir aber eine Herdenimmunität erreicht haben und darauf hoffen können, Corona besiegt zu haben, wird es laut Frank Ulrich Montgomery bis Ende des Jahres dauern. Er machte sich stark dafür, mehr Aufklärung über das Impfen und die Zulassungsvoraussetzungen der Impfstoffe zu betreiben. Denn das würde auch die Impfbereitschaft steigern. Reiner Haseloff wünscht sich auch Aufklärung, beschäftigt sich aber vor allem mit den praktischen Herausforderungen. "Die Menschen wollen einfach, dass die Impfungen kommen", sagte er, sie würden sich weniger für Namen und Daten interessieren.

Weitere Themenpunkte:

  • Haben wir zu wenig Impfstoff gekauft? Der Journalist Martin Knobbe warf dem Gesundheitsminister vor, das Versprechen, bis zum Sommer allen Impfwilligen eine Impfung anbieten zu können, nicht halten zu können. Es gäbe nicht genug Impfdosen.
  • Welche Informationen bekommen und verbreiten wir? Virologin Brinkmann wies darauf hin, dass man immer wieder erklären müsse, wie wichtig die Impfung, aber auch das Abstandhalten sei. "Wenn wir den Virus laufen lassen, dann kann sich das Virus verändern und dann kann es sein, dass die Impfung nicht mehr wirkt."

Positiv in die Zukunft blicken

"Wir können dieses neuen Jahr mit einem Halleluja beginnen", freute sich Reiner Haseloff. Es gibt Impfstoffe und eine hohe Impfbereitschaft, alles stünde dafür, dass wir diese Pandemie bald hinter uns lassen können. In diese Freude stimmten auch die anderen Gäste mit ein, alle sprachen vom "Licht am Ende des Tunnels", von Hoffnung und einem positiven Ausgang von 2021.

fs

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