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"The Da Vinci Code - Das Sakrileg": Indiana Jones für Studiosus-Kunden

48 Millionen verkaufte Bücher und eine kostenlose PR-Kampagne - diese Zutaten machten die Kinoverfassung von "The Da Vinci Code - Das Sakrileg" zum Filmereignis des Jahres. Bei der Uraufführung in Cannes stieß der Film auf wenig Begeisterung.

Von Kathrin Buchner

Wer das Buch gelesen hat, weiß: Bei der Verfilmung von "Sakrileg" kann man eigentlich nichts falsch machen. Die Vorlage ist für jeden Drehbuchautor eine Zumutung an die Berufsehre, denn außer ein paar marginalen Änderungen und einigen Streichungen gibt es wenig Herausforderungen.

Theoretischer Überbau ist bei Brown sowieso in Dialoge gepackt, Charakterstudien sind kurz gehalten und am Ende eines jeden Kapitel gibt es einen so genannter "Cliffhanger", eine Spannung erhaltende Entwicklung, mit der der Leser bei der Stange gehalten wird. Noch dazu ist die Story packend und plakativ aufgebaut: zwei attraktive Helden, böse Gegner, Verschwörungstheorien, Actionszenen, Mystik und attraktive Schauplätze - die perfekten Zutaten für ein abendfüllenden Leinwandepos. Denn im Gegensatz zu vom Thema ähnlicher, literarischer Weltliteratur wie "Der Name der Rose" von Umberto Eco mit seinen vielen intellektuellen Exkursen fehlt Dan Brown dieses schreiberische Talent.

Kirche macht Film zur verbotenen Frucht

Nicht zuletzt birgt die Thematik jede Menge Zündstoff: Jesus Christus soll weniger Gottes Sohn als ein Mann von Fleisch und Blut gewesen sein, der mit Maria Magdalena nicht nur verheiratet war, sondern sogar ein Kind gezeugt hat. So spart man sich nicht nur das Geld für aufwändige Drehbuchbearbeitung, sondern auch für Marketingkampagnen. Darum hat sich die Kirche höchst selbst gekümmert, in dem sie zum Boykott des Films aufgerufen hat. Von verbotenen Früchten zu naschen, hat schon Eva gereizt.

Verschlüsselte Botschaften im Louvre

Das satte Budget von 100 Millionen Dollar wurde gut investiert in Hauptdarsteller wie Tom Hanks - wobei man sich aus weiblicher Sicht durchaus einen hübscheren Gefährten an der Seite der sehr niedlichen Audrey Tautou gewünscht hätte. Hanks spielt den Symbologen Robert Langdon, der sich für einen Vortrag in Paris befindet und von der französischen Polizei in den Louvre gerufen wird. Dort liegt der ermordete Museumsdirektor Jacques Saunière, der im Sterben verschlüsselte Botschaften hinterlassen hat. Langdon gerät unter Mordverdacht.

Engelsmönch hinterlässt Blutspur

An seiner Seite behauptet sich die bisher so zerbrechlich wirkende Audrey Tatou in der Rolle der pragmatischen Kryptologin Sophie Neveu, die Langdon zur Flucht verhilft. Als die beiden sich auf eine rasante Suche nach dem Heiligen Gral quer durch Europa begeben, werden sie nicht nur von Interpol gesucht, sondern auch von Silas gejagt. Der Todesengel im Auftrag des katholischen Geheimordens Opus Dei hinterlässt, nicht nur weil er sich selbst geißelt, eine Blutspur im Namen Gottes. Paul Bettany als bleichgesichtiger Gottesmönch ist ebenso passend besetzt wie die anderen Rollen: Ian McKellen haucht dem kauzigen englischen Gralsucher Lord Teabing Witz und Seele ein, Jean Reno vermittelt als französischer Polizeichef Bezu Fache die vorgegebene Bitterkeit.

Dreharbeiten sind logistische Meisterleistung

Schnell geschnitten, die düstere Stimmung in stimmige Bilder umgesetzt, mit mystischer Musik unterlegt ist die Romanvorlage audiovisuell perfekt umgesetzt. Historischer Hintergrund wie die Geschichte der Tempelritter wird mit kleinen Einschüben, die wie alte Gemälde aussehen, stimmig eingebunden. Geschichtsträchtige Orte wie der Louvre oder Westminster Abbey machen Lust auf Reisen - der "Da Vinci Code" ist eine Art Indiana Jones für Studiosus-Kunden. In der Einbindung dieser Sehenswürdigkeiten lag auch die eigentliche Herausforderung, der sich Regisseur Ron Howard ("A Beautiful Mind") und Produzent Brian Gazer tatsächlich stellen mussten. Denn Dreharbeiten im Westminster Abbey oder im gut besuchten Louvre durch zu führen, ist eine logistische Meisterleistung.

Kurzweiliger Actionthriller

Eigentlich wollte Dan Brown Sänger und Musikproduzent in Hollywood werden. Letzteres ist im auf Umwegen so gut wie geglückt. Seine Steilvorlage wurde eins zu eins übernommen. Die 150 Minuten vergehen wie im Flug. "The Da Vinci Code" ist ein absolut kurzweiliger, unterhaltsamer und niveauvoller Actionfilm geworden, der genug Stoff für den gepflegten Party-Smalltalk über den Menschen Jesus liefert. Nicht mehr und nicht weniger. Und darauf, historische Wahrheiten zu verbreiten, besteht Dan Brown nun wirklich nicht. Ob man in dem Film ein Plädoyer für den Feminismus sieht oder den Männerbünden im Vatikan mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnet - das liegt einzig und allein im Auge des Betrachters.