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Traumduo: "Popstars brauchen Bodyguards, wir nicht"

Sie sind das Traumpaar der Klassik: Anna Netrebko und Rolando Villazón erzählen im großen stern-Interview über persönliche Krisen, den Reiz von Popmusik und Panikattacken auf der Bühne.

Von Christine Claussen und Jochen Siemens

Frau Netrebko, wir stellen uns vor, dass Sie nach einem Tag Gesang nach Hause kommen und beim Kochen … Arien hören?
Netrebko: Zu Hause? Nach neun Stunden Proben? Machen Sie Witze? Nein, da höre ich bestimmt keine klassische Musik mehr.

Sondern?


Netrebko: Zurzeit mag ich Christina Aguilera. Und diese Band Green Day.

Das ist Punkrock.


Netrebko: Ja, ich mag die, ich habe die Jungs mal bei "Wetten, dass..?" kennengelernt. Sie sind großartig.

Herr Villazón, Sie haben zwei Kinder. Singen Sie denen etwas vor?


Villazón: Ja, aber mit einer anderen Stimme. Wenn ich wie in der Oper singe, schreien die gleich "Papa, non canta! Bitte nicht!" Ich selbst höre aber nicht viel Musik zu Hause, mir geht es da wie Anna, wenn man den ganzen Tag probt, schätzt man auch die Stille. Aber wenn doch, dann höre ich die Callas oder auch Caruso. Oder Shakira und Juanes, diese südamerikanischen Sänger.

Sie beide gelten als das Traumpaar der Klassik, jetzt haben Sie ein Album mit Duetten und auf der DVD einen Videoclip gemacht. Verstehen Sie, wenn man von Ihnen als Popstars spricht?


Villazón: Popstars brauchen Bodyguards und wir nicht.

Und werden von Paparazzi gejagt.


Villazón: Wir nicht.

Noch nie einen vor Ihrem Haus gesehen?


Netrebko: Die wissen ja gar nicht, wo ich wohne. Es gibt noch einen anderen Unterschied: Popstars haben mehr Geld.

Die Rolling Stones geben bekannt, dass ihre US-Tournee 150 Millionen Dollar eingespielt hat. Bei Klassik-Stars hört man nie irgendwelche Zahlen. Sie füllen doch auch die Berliner Waldbühne und sind in den Charts?
Villazón: Ja, aber unsere Zahlen sind lange nicht so beeindruckend wie im Pop-geschäft. Kennen Sie diesen Witz? Ein Opernsänger trifft einen Freund. Hallo wie geht's?, sagt der. Und der Sänger, oh, sehr gut, ich singe an der Met und ich habe eine CD gemacht. Ich weiß, sagt der Freund, die habe ich mir gekauft. Oh, das warst du?, sagt der Sänger.

Hören wir da ein Bedauern?


Villazón: Nein, ich liebe meinen Beruf, und ich kann gut davon leben. Aber manchmal beneide ich die Rolling Stones. Nicht wegen des Geldes, sondern wegen dieser Art, auf die Bühne zu gehen und bahhh!, diese Energie herauszuschleudern. Wir Opernsänger gehen auf die Bühne und müssen uns konzentrieren, stimmt der Ton, stimmt der Einsatz?
Netrebko: Nein, wir können das nicht, einfach so (sie schreit) herausgehen. Wir haben enge Grenzen.

Bei Ihren Konzerten vor 20 000 Menschen geht es recht verhalten zu. Vermissen Sie johlende und mitsingende Fans?
Netrebko: Nein. Ich bin altmodisch und glaube, eine Opernsängerin sollte nicht mit dem Publikum spielen.
Villazón: Das ist nicht unser Job. Wir singen ein Repertoire, und deshalb kommen die Menschen, egal, ob in die Oper oder ins Open-Air-Konzert. Wenn Sie bei einer Arie auf einmal etwas Spontanes machen, sieht das doch unglaubhaft aus. Die Menschen wollen klassische Musik hören, da können Sie nicht herumrocken.

Wie groß ist der Druck, dass Ihr Publikum Sie genauso hören will wie auf der CD?


Netrebko: Wir haben keine Wahl, es soll genauso klingen, und wir müssen das Level jedes Mal erreichen. Es gibt Tage, an denen man krank ist oder sich einfach nur schlecht fühlt oder an denen das Herz gebrochen ist. Aber ich weiß, ich muss jetzt so singen wie immer, das Publikum erwartet das.
Villazón: Das ist auch der Grund, warum Opernsänger lieber nicht singen, statt halb krank und mit einer nicht optimalen Stimme auf die Bühne zu gehen. Es ist riskant, weil man seine eigene Stimme schädigen kann und weil man mit einem mittelmäßigen Auftritt seine Karriere gefährdet. Die Publikumserwartungen in der Klassik sind sehr sensibel, wenn da einer sagt: "Ja, es war ganz okay, aber ich habe Besseres erwartet", kann das vernichtend sein.

Haben Sie auch Versagensängste?
Netrebko: Ich hatte solche panischen Momente schon. Hilft nur: Durchstehen. Einmal in Wien, ich hatte nur eine Probe, und in der Nacht vor der Premiere saß ich in meinem Hotelzimmer und zitterte nur noch. Ich dachte, okay, das war's jetzt, sagte zu meinem Manager, hallo, ich kann nicht singen, ich treffe keine Note, ich fahre morgen nach Hause. Bumm. Am nächsten Tag war die Stimme wieder da. Aber so ist das bei mir, ich bin nicht nervös, sondern gleich panisch.
Villazón: Das liegt daran, dass in unserem Geschäft alles extrem ist. Was wir mit unserer Stimme machen, ist extrem, die Leidenschaft, die wir vorspielen, ist extrem, und so ist auch die Angst extrem. Mir ist das auch in Wien auf der Bühne passiert, auf einmal dachte ich, die Stimme ist weg. Die Vorstellung ging trotzdem gut aus, aber während ich sang, dachte ich die ganze Zeit: Was kann ich noch im Leben machen? Singen ist ja nun vorbei.

Frau Netrebko, Ihr Erfolg treibt die CD-Verkäufe nach oben, manche sagen, Sie hätten die Klassik gerettet. Trotzdem sprachen Sie vor zwei Jahren von Ihrer Krise.


Netrebko: Ja, aber das ist vorüber. Es war an einem Punkt einfach zu viel für mich. Sehr viele Auftritte, sehr viel Interviews und Werbung, das kam alles zusammen. Ich habe mir dann einen Monat freigenommen und einfach gar nichts gemacht, keine Musik, keine Auftritte.

Es war die Zeit, als Sie Rolando Villazón kennenlernten. War Ihre Zusammenarbeit auch ein Weg aus der Krise?


Netrebko:Ich kannte Rolando damals noch nicht. Aber als wir das erste Mal ein Duett sangen, wusste ich, dass er genau der richtige Partner auf der Bühne ist. Ich kann nicht genau sagen, woran man das als Sängerin spürt, es ist die Intuition, es ist die Art, wie unsere Stimmen zusammenarbeiten. Rolando hilft mir bis heute sehr. Es ist seine positive Art. Er sagt mir, sei glücklich, du bist mit einer großartigen Stimme beschenkt, und du machst damit Karriere.

Wie wichtig ist Ihnen der Applaus?


Villazòn: Applaus ist einfach fantastisch. Wenn das Publikum viel applaudiert, ist das wie … ja, wie ein kräftiger Sommerregen. Verstehen Sie, einer dieser Regen, der sich, ahhh, genau richtig anfühlt, nicht zu kalt, nicht zu heiß, einfach perfekt!

Für viele Künstler ist der Applaus der Sinn ihres Lebens.
Netrebko: Na ja, wir sind jetzt erfolgreich, wir sind in einer guten Position, da kann ich nicht sagen, ob es der Sinn meines Lebens ist. Und wenn der Applaus irgendwann mal leiser werden würde, dann ist das nicht das Problem, sondern die Tatsache, dass ich dann weniger auf der Bühne bin und weniger singe. Und das könnte hart werden. Deshalb können ja manche nicht aufhören, auch wenn die Stimme gar nicht mehr da ist.
Villazón: Aber klar ist, dass wir das Klatschen und den Jubel brauchen. Sonst könnte ich ja auch in der Dusche singen.

Sie sind beide die nächsten fünf Jahre ausgebucht.


Villazón: Komisches Gefühl, oder? Ich weiß heute schon, was ich im Sommer 2012 mache.

Wie sicher sind Sie, den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg zu finden?


Villazón: Ich hoffe sehr, dass mir später die richtigen Leute sagen: Rolando, du solltest jetzt besser etwas anderes machen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(