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Krächzen, Fiepsen, Heiserkeit: Wenn die Stimme versagt

Im Alltag sind wir darauf angewiesen, dass unsere Stimme funktioniert. Vor allem für Menschen in Sprechberufen wie Lehrer ist sie extrem wichtig. Doch gerade diese Berufsgruppe hat häufig mit Stimmproblemen bis hin zum Stimmverlust zu kämpfen - ein traumatisches Erlebnis, das einfach vermieden werden könnte.

Von Lea Wolz

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung erkranken einmal in ihrem Leben an einer Stimmstörung

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung erkranken einmal in ihrem Leben an einer Stimmstörung

"Tokio-Hotel"- Sänger Bill Kaulitz hatte sie. Ebenso wie der mexikanische Star-Tenor Rolando Villazón oder Sängerin Sarah Connor. Und sogar in den Akten des Dritten Reiches findet sich ein Hinweis, dass auch Hitler davon betroffen war: eine Zyste oder einen Polyp auf den Stimmlippen. Belasten wir unsere Stimme zu sehr oder gebrauchen sie falsch, kann es sein, dass sich das Gewebe der Stimmlippen verändert und diese nicht mehr regelmäßig schwingen. Schlimmstenfalls bleibt die Stimme komplett weg.

Etwa sechs Prozent der Bevölkerung erkranken einmal in ihrem Leben an einer Stimmstörung. Noch häufiger sind Menschen betroffen, die in ihrem Beruf besonders auf ihre Stimme angewiesen sind, bei etwa einem Viertel aller Berufstätigen ist das der Fall. Sänger, Schauspieler, Mitarbeiter in Call-Centern, Pfarrer, Erzieher und vor allem Lehrer zählen dazu. "Etwa 30 Prozent aller Lehrer haben im Laufe ihrer Schulkarriere Stimmprobleme, die sie zeitweise arbeitsunfähig machen", sagt der Sprechwissenschaftler Norbert Gutenberg von der Universität des Saarlandes, der seit Jahren zum Thema Lehrerstimmen forscht. Studien kommen sogar auf bis zu 50 Prozent. Versagt bei den Pädagogen die Stimme, fehlt ihnen ihr wichtigstes Werkzeug.

Stimmtraining schon im Studium

Der Hamburger Gymnasiallehrerin Lena Klein (Name von der Redaktion geändert) brach die Stimme zum ersten Mal zehn Tage vor ihrem Examen komplett weg. Unter ihrem richtigen Namen will sie über ihre Stimmprobleme nicht sprechen, da sie Angst hat, dann als wenig belastbar abgestempelt zu werden. Die mittlerweile 36-Jährige plagte sich immer wieder mit Erkältungen und Kehlkopfentzündungen. "Anderen schlägt der Stress auf den Magen, bei mir zeigt er sich im Halsbereich", sagt sie. Zweimal konnte sie gar nicht mehr sprechen, musste ihre Stimme schonen. Belegt, rau, flach und leise habe diese zweitweise geklungen. Für die Englisch- und Religionslehrerin ein traumatisches Erlebnis. Denn über 30 Schüler mit einer kaputten Stimme in Schach zu halten, ist schwierig. "Jeder Versuch, laut zu reden, war schmerzhaft", erinnert sie sich.

Viele Stimmprobleme bei Lehrern könnten vermieden werden, wenn der richtige Gebrauch der Stimme schon in der Ausbildung geübt würde, ist sich Sprechwissenschaftler Gutenberg sicher. "Jeder Lehramtsstudent müsste einen Test machen, bevor er mit dem Studium beginnt", fordert er. Bei Bedarf solle dann ein Semester lang ein Stimmtraining angeboten werden. An manchen Universitäten ist das heute schon möglich, Pflicht ist es allerdings nicht. Daher krächzen sich noch immer viele Lehrer durch den Unterricht. Mit Folgen für Aufmerksamkeit und Leistung der Schüler: Hat der Lehrer eine Stimmstörung, merken sich die Kinder weniger und schneiden in Tests schlechter ab, haben Forscher der Universität Manchester herausgefunden.

Rechtzeitig zum HNO-Arzt

"Heiserkeit ist ein Zeichen, das etwas mit der Stimme nicht stimmt", sagt der Berliner Stimmchirurg Tadeus Nawka. "Dauert sie länger als drei Wochen an, würde ich zum Arzt gehen", rät er. Grob werden Stimmstörungen in funktionelle und organische unterteilt, wobei häufig ein Wechselspiel zwischen beiden besteht. Zu den organischen zählen Stimmlippenödeme, -polypen, -lähmungen oder die sogenannten Schreiknötchen, kleine Schwellungen am Rand Stimmlippen, die durch einen falschen Gebrauch der Stimme entstehen und auch als "Hühneraugen der Stimmlippen" bezeichnet werden. "Sie treten vor allem bei Menschen auf, die viel sprechen, bei Lehrern und Sängern zum Beispiel, aber auch bei Kindern, die lange schreien", sagt Nawka. Um organische Stimmstörungen zu behandeln, ist häufig ein chirurgischer Eingriff nötig. "Bei der Operation wird das überschüssige Gewebe abgetragen, wobei eine möglichst kleine Wunde zurückbleiben soll", erklärt der Stimmchirurg. Denn Narbengwebe ist nicht so beweglich und schon minimale Veränderungen können den Schwingungsablauf der Stimmlippen stören.

Neben den organischen Ursachen kann auch ein falscher Gebrauch die Stimme ruinieren. Fehlhaltungen und zu viel Anspannung zählen dazu. "Die prominenteste Personengruppe mit funktionellen Stimmstörungen sind die Lehrer", sagt die Hamburger Logopädin Karen Grosstück. Um sich gegen laute Klassen durchzusetzen, spannen sie sich an, sprechen mit mehr Druck - und setzen ihre Stimme häufig falsch ein. Einige Zeit geht das gut, doch wer immer 50 im ersten Gang fährt, macht den Motor irgendwann kaputt. "Auch Erzieher erleiden mit ihrer Stimme häufig Schiffbruch", sagt die Logopädin. "Der Wechsel zwischen Sing- und Sprechstimme und die erhöhte Stimmlage, in der sie mit den Kindern sprechen, sind auf Dauer anstrengend." Wer Probleme mit seiner Stimme hat, sollte daher rechtzeitig einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder einen Phoniater aufsuchen. Dieser stellt fest, ob eine Operation nötig ist oder eine logopädische Therapie ausreicht.

Stimmlich anstrengend: Erzieher und Lehrer müssen viel sprechen - und das häufig bei Lärm

Stimmlich anstrengend: Erzieher und Lehrer müssen viel sprechen - und das häufig bei Lärm

Erfolg einer Therapie soll in Zukunft besser nachweisbar sein

Um den Erfolg einer Therapie in Zukunft besser nachweisen zu können, arbeiten Strömungsmechaniker, Ärzte und Mathematiker in Erlangen gemeinsam daran, das Zusammenspiel zwischen Luftdruck, Stimmlippenschwingungen, Klang und Strömungsgeschwindigkeit zu entschlüsseln. Dazu haben die Forscher unter anderem eine Kamera installiert, mit der die Stimmlippenschwingungen an einem Leichenkehlkopf in Echtzeit aufgenommen werden - über 4000 Bilder pro Sekunde liefert sie. So wollen die Wissenschaftler herausbekommen, wie sich die Stimmlippen genau bewegen, welchen Verlauf der Luftstrom nimmt und wie sich diese Zusammenhänge bei einer kranken Stimme verändern.

"Damit könnte in Zukunft zum einen kontrolliert werden, ob eine logopädische Stimmtherapie wirklich etwas gebracht hat", sagt der Mathematiker Michael Döllinger. "Oder auch im Vorfeld einer Operation abgeklärt werden, was genau verändert werden muss, damit die Stimmlippen wieder symmetrisch schwingen." Mit der bis jetzt gängigen Methode der Stroboskopie, bei der ein Zeitlupenbild der Schwingung erstellt wird, ist das so nicht möglich. Die ist zwar geeignet, gesunde Stimmen zu untersuchen, versagt aber umso mehr, je heiserer eine Stimme ist. Für ein weiteres Experiment haben die Erlangener Wissenschaftler künstliche Stimmlippen aus Silikon angefertigt. "Bis wirklich Gewebe und Knorpel gezüchtet werden können, um nach Teilresektion des Kehlkopfes durch künstliche Stimmlippen wieder eine normale Stimme zu ermöglichen, ist es allerdings noch ein langer Weg", sagt der Leiter der Erlangener Phoniatrie und Pädaudiologie, Ulrich Eysholdt.

Zeit für Entspannung und Raum für den Klang

Die Hamburger Gymnasiallehrerin Lena Klein hat sich bereits vor einiger Zeit für eine Behandlung bei der Logopädin Karen Grosstück entschieden. "Ich hatte den Fall eines Kollegen vor Augen, der so gravierende Probleme mit seiner Stimme hatte, dass es fraglich war, ob er seinen Beruf weiter ausüben kann", sagt Klein. Soweit wollte sie es nicht kommen lassen. Zehn bis 20 Stunden dauert die von den Krankenkassen bezahlte Therapie zumeist. "Dabei wird zuerst analysiert, wie die Stimmstörung entstanden ist und in welchen Situationen sie auftritt", sagt Grosstück. Bei Klein war dies immer dann der Fall, wenn sie unter Stress stand und gesundheitlich angeschlagen war. In der Therapie hat die 36-Jährige daher gelernt, wie Stimme und Anspannung zusammenhängen. Wenn ihre Stimme nach einigen Stunden Unterricht müde ist, nimmt sie sich nun Zeit für Entspannungsübungen, lässt die Schultern locker und beisst die Zähne nicht mehr zusammen. Statt mit mehr Druck zu sprechen, schafft sie Raum für den Klang. Auch an ihrer Atmung hat sie gearbeitet.

"Es gibt immer noch Tage, an denen ich stimmlich belastet bin, aber sie sind weniger geworden", sagt Klein. Seit sie gelernt hat, ihr wichtigstes Werkzeug richtig einzusetzen, wünscht sie sich vor allem eines: "Die Ausbildung der Stimme sollte schon im Referendariat ein Thema sein."

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.