Ein Gorilla und eine junge Frau liegen aneinandergeschmiegt auf dem Waldboden. Ruhig und vertraut. Das ist keine Szene aus dem Hollywoodfilm "King Kong", sondern die Geschichte von Dian Fossey und ihrem Lieblingsgorilla Digit. Die beiden lebten eine Freundschaft, die bis dahin niemand für möglich gehalten hätte. Die Bilder des ungleichen Paars sind heute weltbekannt.
1966, damals auf Einladung des Paläoanthropologen Louis Leaky, begann die US-Amerikanerin ihre Arbeit im afrikanischen Dschungel und blieb beinahe 20 Jahre. In dieser Zeit setzte sie sich unermüdlich für den Erhalt der Gorillas ein, die schon damals vom Aussterben bedroht waren. Unerbittlich kämpfte sie gegen Wilderer. Als diese 1977 dann aber auch ausgerechnet ihren Lieblingsgorilla Digit töteten, ihm Kopf und Hände als Trophäen abschlugen, sei ihr das Herz gebrochen, wie sie sagte.
Die eigenwillige Rächerin der Gorillas
Nur ein halbes Jahr später wurden zwei weitere Mitglieder ihrer liebsten Gorillagruppe, Oberhaupt Onkel Bert und das Weibchen Macho, durch Jäger getötet. Fossey schmerzten diese Verluste sehr. Sie radikalisierte sich daraufhin zunehmend. Wenn es dem Schutz der Gorillas diente, schreckte sie auch vor Selbstjustiz nicht zurück.
Als sogenannte "Rächerin der Gorillas" erhielt sie viel Respekt, machte sich aber auch Feinde. Je größer ihre Liebe zu den Gorillas wurde, desto weiter entfernte sie sich von den Menschen, desto stärker wurde ihr Hass auf die Einheimischen. Sie jagte die Wilderer, wie diese die Gorillas jagten. Das wurde ihr letztlich wohl zum Verhängnis. Am 27. Dezember 1985 wurde Fossey in ihrer Hütte mit einer Machete erschlagen. Die Tat wurde nie aufgeklärt.
Fossey kam den Menschenaffen so nah wie niemand zuvor und machte dabei für die Forschung bahnbrechende Beobachtungen. Durch ihre Pionierarbeit veränderte sie den wissenschaftlichen Blick auf Gorillas nachhaltig. Gleichzeitig erntete sie auch immer wieder wegen fehlender Distanz zu ihrem Forschungsobjekt Kritik.
Heute gilt Fossey als berühmteste Gorillaforscherin überhaupt. Ohne ihre Arbeit gäbe es heute wohl keine Berggorillas in Ruanda mehr. Ihre Erfahrungen hielt sie unter anderem in ihrem Buch "Gorillas im Nebel" fest, das später auch in Hollywood verfilmt wurde.
Trotz verschiedener Schutzmaßnahmen sind Gorillas auch heute noch durch Wilderei, den Verlust ihres Lebensraums, politische Unruhen und Krankheiten vom Aussterben bedroht. Alle vier Gorilla-Arten stehen auf der Roten Liste, der Cross-River-Gorilla ist der seltenste. Von dieser Art gibt es nur noch wenige Hundert Tiere.