Vicky Leandros und Xavier Naidoo Dieser Weg soll kein seichter sein


"Möge der Himmel" das neue Album von Vicky Leandros erscheint am Freitag den 13. Mit den Texten von Xavier Naidoo ensteht ein neues Genre: R’n’B à la Leandros.
Von Mascha Kuchejda

Hoch oben im 16. Stock, im Himmel über der Stadt Berlin präsentierte Vicky Leandros ihr neues, "himmlisches" Album "Möge der Himmel" das ab Freitag in den deutschen Läden zu kaufen ist. Nach fast zehn Jahren Produktionspause hat die 57-jährige nun zum ersten Mal wieder "ihre Flügel ausgebreitet", wie es in Song Nummer Eins heißt, und zusammmen mit Xavier Naidoo ein Comeback hingelegt. Mehr Bass, mehr Soul, mehr Rap, weniger Schlager, aber viel neue, Naidoo-hafte Leandros – so könnte man das Album am besten beschreiben.

Xavier Naidoo kennen ja alle ab 15 aufwärts: Zusammen mit Hip-Hopperin Sabrina Setlur sang er 1997 diesen so tiefgründigen Songs "Frei sein". Seit mehr als vier Jahren produziert er nun zusammen mit Michael Herberger die "Söhne Mannheims"; deutsche, etwas religiös-esoterische Liedtexte sind sein Markenzeichen. - Schlagerkönigin Vicky Leandros hingegen ist bei der Jugend von heute weniger bekannt. Doch mit ihrem neuen Album wird sich das ändern, denn jetzt rapt sie.

"Es hört sich an, wie der weibliche Xavier Naidoo!", meint selbst Produzent Michael Herberger - und wirklich: Vicky Leandros singt nicht nur die Naidoo Lieder "Wo willst du hin" und "Und wenn ein Lied" mit der einmaligen Profihaftigkeit einer Schlagersängerin, sondern meistert auch girly-hafte Oktavensprünge im R’n’B Rhythmus und sogar Rap-Lyrics, wie wir sie so gar nicht von ihr kennen, mit Grandezza.

Im Song "Lauf" denkt man unweigerlich an eine deutsche Version von Rapperin Missy Elliot. In diesem etwas emanzen-haften Hip Hop Song singt, nein: rapt sie eher: "Ich nehm den Jaguar und du die Bahn-Card" - Sprachlosigkeit und offene Münder bei den Leandros Fans, die sie noch als Schlagerkönigin kennen, denn mit ihrem berühmten "Theo, wir fahr’n nach Lodz" hat das so gar nichts mehr zu tun. - Himmel!, denken auch die sich.

"Mit diesem Team habe ich einen neuen Weg beschritten" erklärt Vicky Leandros Stern.de, und schließlich bewundere sie Xavier Naidoo schon seit einer ganzen Weile. Bei einem Sauerfleischbraten in Knoblauch, den Vicky für die mannhiemer Jungs typisch griechisch gekocht hat, kam es zu dieser etwas eigenwilligen Synthese von Schlager und Rap. Leandros fühlt sich da wohl: "Sie haben mich in ihre musikalische Familie aufgenommen".

Und irgendwie ist das auch ganz schön cool. Diese Frau hat 55 Millionen Platten, Kassetten und CDs weltweit verkauft, 1972 gewann sie den Grand Prix d’Eurovision. No Angels und andere Bohlen-Produkte können da einpacken, denn Vicky Leandros ist das "Das deutsche Premium-Produkt", wie man der Pressemappe entnehmen konnte "genauso wie Steffi Graf."

Auch wenn das Album "Möge der Himmel" überhaupt nichts mit Tennis zu tun hat: entstanden ist ein deutsches Premium-Album. Das "deutsches Premium Produkt", also Vicky Leandros, das sich das mannheimer Team Naidoo und Produzent Herberger für das Album ins Boot geholt haben, macht schlichtweg Riesenspaß.

Wo bekommt man schon deutschen Rap, musikalische Streicheleinheit und griechische Melancholie in einem?

Am 19. Oktober startet Vicky Leandros Deutschlandtournee in Hamburg und endet am 16. November in Berlin.


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