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Wir sind Helden: "Wenn eine Anfrage kommt, bieten sich die Jungs an"

In Kürze erscheint das neue Album der Band Wir sind Helden. In der aktuellen NEON-Ausgabe sprechen sie über ihren Ruhm - und ob sie sich dafür ausziehen würden.

Wie schwer lastet kurz vor dem Erscheinen des neuen Albums "Von hier an blind" der Erfolgsdruck auf euch?

Mark: Wir haben lange darauf gewartet, dass unsere Erwartungen uns lähmen. Am Anfang dachten wir: "O.k., wir brauchen elf neue Lieder. Was machen wir, wenn uns keine einfallen?" Uns gab Sicherheit, dass wir noch sechs Lieder aus der Produktion zu "Die Reklamation" übrig hatten. Am Ende haben wir nur einen der alten Songs verwendet.

Wie werdet ihr mit dem Ruhm fertig?

Judith: Ich komme damit klar. Vor allem Prominente, die sich in ihrer Freizeit als Dekoration für Partys benutzen lassen, können irgendwann nicht mehr zwischen dem Bild, das sie in der Öffentlichkeit abgeben, und der Wirklichkeit unterscheiden. Dann wird's gefährlich. Oder peinlich.
Mark: Wir sind zwischen 28 und 31. Anders als mit Anfang 20 stellt es mit deinem Ego nicht mehr so schlimme Sachen an, wenn dir 10.000 Menschen zujubeln. Auch weil wir uns als Band haben, sind wir nicht gefährdet, in Rock'n'Roll-Klischees zu ersaufen.

Hat euch "Die Reklamation" reich gemacht und habt ihr euch dadurch verändert?

Judith: Wir verdienen mit unserer Musik mehr Geld, als wir jemals dachten. Aber die Zeiten, in denen man mit einem Album richtig reich werden kann, sind vorbei. Aber es hat mein Leben leichter gemacht, weil ich konsequenter als früher sein kann: Ich kaufe nur noch im Bioladen ein, mische Secondhand mit Sachen von kleinen Hinterhof-Designern.
Mark: Ich hab mir ein tolles Bett gekauft.

Wird es leichter oder schwerer, Lieder für ein Millionenpublikum zu schreiben?

Judith: Mich hat der Gedanke nicht kalt gelassen, dass unsere Lieder vermutlich von sehr vielen Menschen gehört werden - ein gutes Gefühl, aber auch sehr verunsichernd. Ich beschäftige mich gern mit Abschied und Tod, weil ich die Auseinandersetzung für glücksbringend halte. Aber ich dachte auch: Hoffentlich macht das nicht alle Hörer traurig. Ich musste mich vorab gegen die Reaktionen wappnen und mein Rückgrat aufrichten.

In dem Lied "Zieh dir was an" beschäftigt ihr euch mit Frauen, die vor allem dadurch Prominenz erlangen, dass sie möglichst knappe Sachen anziehen...

Ja, eine lustige Sorte Frau verkauft Sexismus als persönliche Freiheit. Es gibt dieses Christina-Aguilera-Video, in dem sie in rosa Unterhose und weißen Lackstiefeln über die Straße stolziert und sich ganz befreit gibt, während sie singt: "Du denkst, ich bin eine Hure, aber ich mach das nur für mich!" Diese Freiheit ist eine Illusion. Es geht darum, möglichst nackt zu sein, um möglichst viele Platten zu verkaufen. Das ist Prostitution.

Gibst du dich weniger sexy, als du gerne würdest, um dich zu unterscheiden?

Ich spiele und flirte gerne - und muss aufpassen, dass mir nicht der Spaß daran verdorben wird. Ich habe keine Lust, zu einem biederen Amish-Mädchen zu werden, nur um mich von Sex-Girlies abzugrenzen. Es geht in "Zieh dir was an" auch nicht um dumme Frauen, sondern um Frauen wie Beyoncé Knowles oder Christina Aguilera, die toll singen können - aber unheimlich viel Brimborium machen, um genau davon abzulenken.

Kommen noch häufig Anfragen für Nacktaufnahmen?

Selten. Aber wenn eine Anfrage kommt, bieten sich die Jungs immer an, für mich einzuspringen.

Das vollständige Interview ist in der aktuellen Ausgabe von NEON nachzulesen, dem jungen Magazin vom stern

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