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Olympia in Vancouver: Erfolgsdruck quält Team Kanada

Team Canada hat die Erwartungen bei den Olympischen Spielen bisher nicht erfüllt. Dabei war die Mannschaft vor den Spielen finanziell üppig unterstützt worden.

Von Mathias Schneider, Vancouver

Eigentlich ist es ja für eine Bilanz noch zu früh, zumal das finale Wochenende noch aussteht. Dann aber erwarten sie in Kanada wahre Wunderdinge von ihren Athleten. Eine Medaillenflut werde noch einmal über den Gastgeber einbrechen, versprechen die Veranstalter, doch längst steht fest, dass Team Canada weit unter den selbst gesteckten Erwartungen geblieben ist.

Die Suche nach den Gründen hat längst begonnen. Vor allem das ambitionierte Programm "Own the Podium", das auf Deutsch so viel heißt wie, wir besetzen das Podium, steht im Fokus der Kritik. 110 Millionen kanadische Dollar verschlang die Initiative, 66 Millionen davon kamen aus Steuergeldern. Trainer und Aktive sollten damit über fünf Jahre unterstützt werden. Die einfache Rechung: Perfekte Vorbereitung garantiert maximalen Erfolg. Sie ging nicht auf.

Bis an die Spitze der Medaillenwertung wollten die Nordamerikaner klettern, nun tanzt ihnen ausgerechnet der Nachbar USA auf der Nase herum, gewinnt eine unerwartete Medaille nach der andern, während die eigenen Favoriten serienweise am Druck zerbrechen. "Einige Athleten haben wohl den Druck bei Olympischen Spielen falsch eingeschätzt", klagt Roger Jackson, der das Eliteprogramm federführend zu verantworten hat.

"Wir waren wohl schlecht vorbereitet"

"Wir waren wohl schlecht darauf vorbereitet, dass die Kanadier so intensiv Farbe bekennen würden", erklärte Nathalie Lambert, 44, die als Chef de Mission die kanadische Delegation anführt. "Wir müssen das präziser üben, wie wir vor so einen Publikum auftreten, so etwas hat es ja in Calgary 1988 nicht gegeben."

Fakt ist, dass viele der kanadischen Athleten an der Last des Favoriten zerbrachen. So bog Chris Del Bosco im Ski Cross als Dritter auf die Zielgerade, wollte sich aber mit einem waghalsigen Sprung noch zum Sieger machen – und wurde Vierter. Melissa Hollingsworth reiste als Nummer eins im Skeleton nach Vancouver – und wurde Fünfte. Die Ski-alpin-Mannschaft, üppig bedacht, brachte nicht eine Medaille bislang zuwege. Die Liste ließe sich beliebig fortführen.

Erst elf Medaillen auf der Habenseite

Doch nicht nur die Inhalte, auch der Name Own the Podium selbst steht mittlerweile in der Kritik. Viel zu nassforsch, viel zu unkanadisch, findet etwa der Sportpsychologe Saul Miller. "Das ist doch für die Athleten nur noch peinlich."

Derzeit rangiert Kanada mit sechs Gold- und vier Silbermedaillen, sowie einer Bronzemedaille auf Rang vier in der Nationenwertung. Gar nicht so schlecht mag man denken. Doch das kann nicht darüber hinweg täuschen, dass in Gänze erst elf Medaillen gewonnen wurden. Insgesamt 15 weniger als der große Konkurrent USA. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft lässt nicht darauf schließen, dass es für den Gastgeber noch den großen Endspurt geben wird.

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