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Premiere am Deutschen Schauspielhaus: Molière auf Speed

Genial verrückt und herrlich durchgeknallt: Herbert Fritsch inszeniert "Die Schule der Frauen" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

Von Kester Schlenz

Sie waren lange nicht im Theater? Und wollen es gern mal wieder versuchen? Wieder einsteigen mit einem Stück, das Schauspielkunst auf großartige Weise mit hintersinnigem Klamauk verbindet? Dann sind Sie in Hamburg im Deutschen Schauspielhaus richtig. Dort hatte Molières Komödie "Die Schule der Frauen" Premiere. Und das Publikum tobte vor Begeisterung. Völlig zu Recht. Denn was uns der begnadete Regie-Berserker Herbert Fritsch und sein Ensemble hier liefern, ist ein Fest für Augen und Ohren. Fast drei Stunden lang zucken, tanzen, grimassieren, lachen und toben die Schauspieler in grotesk-komischen Kostümen über die Bühne.

Molière als eine Art Monty-Python-Revue

Allen voran der großartige Joachim Meyerhoff als hyperaktiver Arnolphe, der sich eine ideale Gattin - die schöne Agnes (Karoline Bär) - in einem abgeschiedenen Haus großziehen lässt: hübsch und vor allem dumm, damit sie ihm schon aus Unwissen nie Hörner aufsetzen kann. Natürlich geht das grandios schief. Fritsch und seine Truppe machen aus Molières ironischem Kommentar zum alltäglichen Geschlechter-Kampf ein Art Monty-Python-Revue. Laut, grell und immer schön unter der Gürtellinie. Jeder mögliche Kalauer wird mitgenommen. Kein Gag ausgelassen. Wortwitz, wildes Grimassieren, ein ständiges Gesten-Gewitter wie Ausdruckstanz auf Speed. Und das alles in einem irren Tempo.

Der Kampf zwischen Arnolphe und Horace (herrlich: Bastian Reiber) um die schöne Agnes wird zu einem Poetry Slam, der Slapstick perfekt mit großer Bühnenkunst verbindet. Vor allem Joachim Meyerhoff, diese geniale ADHS-Mime, ist kaum zu stoppen. Selbst im tosenden Schlussapplaus tobt er noch ohne Unterlass tanzend über die Bühne. Einfach zum Niederknien!

Eine Übersicht über die weiteren Termine finden Sie hier.