Shirin Davids Netflix-Doku
Kontrolle ist ihr Kokain

Shirin David kämpft täglich gegen sich.
Shirin David kämpft täglich gegen sich.
© imago/BOBO
Shirin David lüftet in ihrer Netflix-Doku den Vorhang - ein Stück weit. Das Make-up bleibt. Der Druck ist groß. Nur der Applaus heilt.

Shirin David (30) gewährt in ihrer Netflix-Dokumentation "Barbara - Becoming Shirin David" einen Blick hinter die Fassade. Sie wolle zeigen, "wer ich wirklich bin", sagt sie über den Film. Doch am Ende erzählt die Doku vor allem von einem Menschen, der am eigenen Perfektionsanspruch zu zerbrechen droht. Oder um es kurz zu machen: Was für Haftbefehl das Kokain war, ist für David die Kontrollsucht.

Gleich zu Beginn setzt der Film einen Kontrast: das kleine Haus ihrer Mutter, danach Hochglanzbilder aus Davids Karriere. Zwei Welten, die auch zwei Identitäten symbolisieren. "Mit Shirin verbinde ich diese nach außen hin perfekte Person und Barbara ist mein innerstes Ich", erklärt sie. Dabei sitzt sie im Jogginganzug und Full-Face-Make-up auf der Couch ihrer Mutter. Dieses Full-Face-Make-up legt David in der gesamten Doku nicht ab. Es ist eine Rüstung.

David will sich nahbar zeigen, aber nicht als Mensch. Diesen Konflikt versucht die Doku gar nicht erst aufzulösen. Stattdessen setzt sie auf Davids Perfektionismus als psychologisch belastenden Fehler. Und das nicht gerade subtil. David sagt am laufenden Band Dinge wie "Ich habe keinen Raum für Fehler" oder "Ich habe gar keinen Blick für mich privat. Ich habe nur einen Blick für die perfekte Shirin."

Kein Abend ohne Weltuntergang

Wie extrem dieser Anspruch ist, zeigt eine Szene mit ihrem Manager. Schon früh habe er ihr gesagt, dass Auftritte mit ihr schwierig würden. "Mit dir live wird die Hölle sein", erinnert er sich. Denn es werde keinen Abend geben, an dem sie zufrieden von der Bühne gehe. "Nach jedem Auftritt geht die Welt unter!", verzweifelt er. Sie lacht.

Es war wohl nicht immer so krass mit dem Druck, den sie sich macht und der Selbstkritik, die sie ständig gegen sich selbst richtet. Der Hass und die Trolle im Internet, die Schwierigkeit, als Frau im Rap ernst genommen zu werden, der Druck des Erfolgs haben damit zu tun. Früher sei sie sehr extrovertiert gewesen, erzählt ihre Schwester. Heute wirke sie deutlich verschlossener. Ihre Mutter sagt, ihre Tochter habe ihre Leichtigkeit verloren.

Wenn die Tour zur Tortur wird

Die Arena-Tour 2025 brachte David schließlich an ihre Grenze, wie die Doku zeigt - eine Hölle zwischen Kontrollsucht und Kontrollverlust. "Es war Horror, wie sie sich verrückt gemacht, wie sie daran kaputtgegangen ist - und entsprechend war sie die ganze Tour nur eine Leiche", so ihr Manager.

Immer wieder fällt in der Doku auch das Wort Therapie. David weiß selbst, dass sie eine beginnen muss. Gleichzeitig hat sie Angst davor, sich wirklich zu öffnen - aus Sorge, jemand könnte ihre intimsten Gedanken weitererzählen. Auch hier falle es ihr schwer, Kontrolle abzugeben. Was Shirin nicht erkennt: Nicht nur für sie, auch für Millionen Fans ist ihr Perfektionismus eine Falle, die immer im Selbsthass enden wird.

Applaus als Schmerzmittel

Am Ende steht ein Moment des Stolzes, der Applaus von Millionen Fans heilt die Selbstzweifel für einen Moment. "Ohne Shirin gibt es keine - ach nee", sagt sie am Ende und korrigiert sich lachend: "Ohne Barbara gibt es keine Shirin."

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