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Start der dritten Staffel "Babylon Berlin": Die große Orgie ist vorbei – jetzt kommt das böse Erwachen

Die dritte Staffel ist am Ende des Jahres bei Sky Deutschland und im Herbst 2020 auch in der ARD zu sehen.
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Wollust, Wahn und wilde Partys bestimmten die ersten beiden Staffeln von "Babylon Berlin". Doch die große Sause ist vorbei. In der dritten Staffel wird es düster, im deutschen Herbst des Jahres 1929.

Dass die Goldenen Zwanziger zu Ende gehen, zeigt sich nicht nur am Moka Efti: Der einst prächtige Club, Ort für legale Orgien und illegales Treiben, ist nach einer Explosion komplett zerstört. Wasser rinnt in Massen von der Decke, das ganze Lokal ist nur noch ein Trümmerhaufen. Bald wird noch viel mehr in Schutt und Asche liegen als nur das erste Haus am Platze, aber das weiß noch keiner in diesen Septembertagen des Jahres 1929. Nur Unternehmersohn Alfred Nyssen (Lars Eidinger) hat eine düstere Vorahnung. "Das wird alles implodieren", sagt er in einer Szene. Alles werde zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.

"Babylon Berlin"
Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) besucht im Herbst 1929 das Berliner Börsengebäude
© Frédéric Batier/X Filme Creative Pool/ARD Degeto/WDR/Sky/Beta Film 2019

Zunächst sind alle berauscht von der Fülle der neuen Möglichkeiten: Filme lassen sich plötzlich mit Ton produzieren, Aktien versprechen auch dem einfachen Arbeiter Reichtum, Zeitungen richten sich an eine jüngere Klientel, auch wenn Journalist Samuel Katelbach (Karl Markovics) abwertend formuliert: "Früher hatten wir Leser, heute haben wir Gucker."

Und Frauen drängen in den Berufsalltag. So wie Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries), die macht ihre Ausbildung als Kriminalassistentin bei "der Mord". Dass Frauen und Männer allerdings nur theoretisch gleichgestellt sind, erfährt Ritter bei ihrer Abschlussprüfung. Da lässt sie ihr Vorgesetzter wegen einer Kleinigkeit durchrasseln, obwohl die männlichen Anwärter viel schlechter waren.

Dafür verlässt sich Hauptkommissar Gereon Rath (Volker Bruch) weiterhin auf ihren Charme und ihre Chuzpe und zieht sie zu seinen Ermittlungen in einem Mordfall hinzu. Die junge Schauspielerin Betty Winter wurde am Set von einem Scheinwerfer erschlagen. Die Produzenten des Films drängen auf eine rasche Fortsetzung der Dreharbeiten, jede verlorene Minute verschlingt Unsummen an Geld, doch Rath bleibt hartnäckig. Erst recht, nachdem Zeugen von einem schwarzen Phantom berichten und es weitere Tote gibt. Parallel versucht der Kommissar, die wahren Hintergründe des Attentats auf Regierungsrat August Benda (Matthias Brandt) zu ermitteln, für das Charlotte Ritters Freundin Greta Overbeck (Leonie Benesch) inhaftiert wurde.

Achim von Borries, Tom Tykwer und Henk Handloegten, die Drehbuch und Regie verantworten, ist es erneut gelungen, ein deutsches Stück Zeitgeschichte auf packende Art lebendig zu machen. Kostüme, Kulissen, Requisiten – man fühlt sich sofort zurückversetzt ins Jahr 1929. Vorlage für die zwölf neuen Folgen von "Babylon Berlin" ist der zweite Roman der Gereon-Rath-Reihe, "Der stumme Tod", von Schriftsteller Volker Kutscher. Für die TV-Produktion wurde die Handlung leicht abgewandelt.

Das Unheil erfasst die junge Republik an allen Ecken

Was bleibt, ist das Unheil, das die junge Republik an allen Ecken erfasst. Die Börsenspekulationen, das Leben auf Pump, von dem man schon ahnt, dass es nicht gut ausgehen wird. Die düsteren Machenschaften der Nationalsozialisten, die immer größere Ausmaße annehmen. Überzeugend gezeichnet in den Figuren des neuen Regierungsrats Günter Wendt (Benno Fürmann) und seines Verbündeten Walther Stennes (Hanno Koffler), Oberleutnant der Schwarzen Reichswehr. Ihre Auftritte und Ankündigungen lassen den Zuschauer erschaudern. In einer Szene spricht Wendt von der "Anpassung der Fakten" – eine heutzutage eschreckend vertraute Wortwahl.

Aber auch private Dramen bleiben nicht aus, etwa die komplizierte Beziehung von Kommissar Rath zu Helga, der Frau seines Bruders. Sie ist für ihn von Köln nach Berlin gezogen und findet nun einen völlig veränderten Mann vor.

Es sind vor allem die Darsteller, das Who is Who der deutschen Schauspielszene, die "Babylon Berlin" zu einem Ereignis machen. Bis in die Nebenrollen ist die Serie brillant besitzt. Und die Geschichte wirkt in der dritten Staffel klarer, strukturierter. Die wilden Exzesse im Moka Efti sind vorbei, Berlin ist im Herbst 1929 in der rauen Realität angekommen. Wie düster das kommende Jahrzehnt wird, lässt sich bereits erahnen – das vollständige Ausmaß ist damals noch nicht vorstellbar.

Alle Folgen der dritten Staffel "Babylon Berlin" finden Sie in der ARD-Mediathek. Im TV laufen die restlichen Folgen an den kommenden Tagen: Mittwoch, 14. Oktober, Donnerstag, 15. Oktober, Mittwoch, 21. Oktober und Donnerstag, 22. Oktober jeweils um 20.15 Uhr.


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