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"Bauer sucht Frau": "Schmeiß die Scheiße raus!"

Die Quoten steigen, die Hemmungen fallen. Nicht nur bei den Bauern. Leider auch bei RTL. Gnadenlos wird bei "Bauer sucht Frau" draufgehalten, auf das zügellose Balzverhalten der liebestollen Landwirte. Dabei gibt es neben den ersten Küssen auch jetzt schon einen großen Verlierer.

Von Katharina Miklis

Besser könnte es für RTL zurzeit nicht laufen. Nach Quoten hat die ländliche Kuppel-Doku "Bauer sucht Frau" längst "Wer wird Millionär?" überholt. 7,74 Millionen Zuschauer schauten gestern beim Bauerflirt zu, 25,5 Prozent Marktanteil - neuer Staffel-Höchstwert. Inka Bause ist die neue Günther Jauch. Gleiche Frisur, niedrigeres Niveau - aber höhere Quoten. Und die könnten in den nächsten Wochen sogar noch steigen. Denn jetzt läutet die testosteron-geschwängerte Landluft die Brunftzeit auf den Bauernhöfen ein. Kurz: Es wird gebaggert, als gäbe es kein Morgen.

"Günne mag es gern feucht"

Bei RTL geht man auf zweierlei Weise mit dem bäuerlichen Balzverhalten um. Während Inka Bause in ihrer brav auswendig gelernten Anmoderation nur verheißungsvoll mit den Wimpern klimpert, spricht man auf den Onlineseiten von RTL eine andere Sprache: "Günne mag es gern feucht", heißt es da. Auch von "feuchten Spielen am Badestrand" ist die Rede.

Fakt ist: Die Bauern wollen es wissen. Immerhin ist Folge vier der Kuppelshow erreicht und noch ist nicht viel passiert. Das sollte sich gestern Abend offensichtlich ändern. Bei Milchbauer Günne lief es auch wie geschmiert. Beim Badeausflug mit Evelyn lässt er sich im knappen Höschen von der beeindruckten Städterin die gestählte Brust eincremen. Die Münchnerin schmilzt beim Anblick des trainierten Mucki-Bauern dahin: "Ganz goldig fand ich dem Günne seine Badehose." Und auch der sportliche Milchbauer zeigt sich begeistert von den körperlichen Vorzügen seiner hoffentlich zukünftigen Bäuerin: "Als ich sie da so mit all ihren Rundungen gesehen hab, ist mir schon warm ums Herz geworden." Es kommt zum ersten Kuss in Staffel vier. Ein Hoffnungsschimmer für die anderen Bauern.

Lieblos zwischen Wurststulle und Leberkäs

Das Problem: Abgesehen von dem Quoten-Schönling haben es fast alle anderen Bauern nicht so leicht. Fettleibigkeit ist oft das Problem, irgendein Spleen oder Wortkargheit. Da fällt das Flirten nicht ganz so leicht. Auch der gemütliche Getreidebauer Georg ist so ein Fall. Die Bäckereifachverkäuferin Carola spricht er immer mit "Frau" an. "Er kennt es ja nicht anders", versucht die gutgläubige 25-Jährige zu erklären, während sie dem fleischigen Bauern eine Wurststulle nach der anderen schmiert.

Auch beim Stallausmisten bleibt Georg wortkarg und gibt klare Anweisungen: "Schmeiß die Scheiße raus!" Selbst beim Futtern von fettigem Leberkäse kann Carola dem Getreidebauern keine lieben Worte entlocken. "Wie findest du mich eigentlich so?", versucht sie es vorsichtig. Lange Pause. "Na ... geht so, gell?" Zum Glück hat Fütterin Carola auch dafür eine Erklärung: "Ist halt 'n Bauer, ne. Die sind plump." Immerhin bei einer Sache sind sich die beiden immer einig: beim Essen. Viel und oft. "Ich esse, was er isst. Er isst, was ich esse - es passt einfach!"

Klingelton statt großer Liebe

Auch nicht leichter hat es der "singende Schäfer" Heinrich. Von RTL zur Witzfigur degradiert, wird er bei seinen unbeholfenen Annäherungsversuchen gefilmt. Er hofft, dass seine Anja "langsam mal in die Gänge kommt". Aber so läuft es nicht mit der Liebe. Nur hat Heinrich das vorher wohl keiner gesagt. "Man wird ja immer älter und älter ... Wie lange soll ich denn noch warten?", fragt der 41-Jährige schon an Tag zwei verzweifelt und geht beim Melken in die Offensive. Während Anja sich am Euter zu schaffen macht, krault Heinrich mit einer Hand die Kuh und mit der anderen die überforderte 35-Jährige. "Das hab' ich auch noch nicht gehabt, zwei Frauen gleichzeitig." Der unerfüllte Traum eines einsamen Bauern ...

Wenig später wird er erkennen: "Du bist lieber zu den Tieren als wie zu mir." Im Hintergrund wird die "Lovestory"-Titelmelodie laufen und dem Zuschauer wird einmal mehr bewusst, wie grenzenlos traurig diese perfide Sendung ist. Einer wie Heinrich hat bei "Bauer sucht Frau" viel dafür gegeben, um die große Liebe zu finden. Zu viel. Letztendlich erntet er nur Spott. Dass er bald wieder einsam sein wird, weiß man schon jetzt. RTL blendet noch schnell einen Banner ein: "Heinrichs Schäferlied fürs Handy". Für 1,99 Euro kann man sich den schrägen Gesang des einsamen Freaks aufs Handy laden. Solange Milch kommt, wird die Kuh gemolken. Bis zum Umfallen.

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